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TV-Kritik

"Sing meinen Song": Ein gerupftes Hühnchen und zwei Todesfälle: Das Tauschkonzert versinkt in Tränen

In der dritten Ausgabe von "Sing meinen Song" wurde es rührselig: Im Mittelpunkt standen die Songs von Jeanette Biedermann. Doch dann brach Jennifer Haben in Tränen aus.

"Sing meinen Song - Das Tauschkonzert"

Zwischendurch waren die Teilnehmer bei "Sing meinen Song" so gerührt, dass sich alle in den Arm nahmen. Von links: Michael Patrick Kelly, Jeanette Biedermann, Wincent Weiss, Jennifer Haben und Alvaro Soler.

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Unter musikalischen Gesichtspunkten weckte die aktuelle Ausgabe von "Sing meinen Song" keine allzu großen Hoffnungen. Ging es in der dritten Show doch um das Werk von Jeanette Biedermann. Einer in den 2000er Jahren erfolgreichen, doch mittlerweile etwas in Vergessenheit geratenen Sängerin. 

Die anwesenden Künstler gaben sich jedenfalls alle Mühe, aus dem Oeuvre der Biedermann das Beste herauszuholen - dabei kamen sogar einige prickelnde Coverversionen heraus. So verwandelte Gastgeber Michael Patrick Kelly ihren größten Hit "Run with me" aus dem Jahr 2004 in einen mitreißenden irischen Folksong. Nicht ohne ihn vorher zu entschärfen: Bei dem Wort "damn" - "verdammt" - bekam das frühere Mitglied der Kelly Family rote Öhrchen. 

Jennifer Haben interpretierte "How it's got to be" von 2001 als Metal-Hymne. Der Preis für den besten Song des Abends ging jedoch an Alvero Soler, der sich mit seiner Version von "1 mit dir", ein Lied über das Thema Depression, in Jeanette Biedermanns Herz spielte.

Jeanette Biedermann erzählt bei "Sing meinen Song" aus ihrem Leben

Doch wie so oft lag auch diesmal der eigentliche Reiz der Show in den privaten Erlebnissen und Anekdoten, die im Laufe des Abends entblättert wurden. Die in der DDR aufgewachsene Künstlerin erzählte, wie ihre Eltern von der Stasi drangsaliert wurden, weil sie einen Ausreiseantrag gestellt hatten. Und wie die Familie im Herbst 1989 schließlich über die Prager Botschaft nach Westdeutschland geflüchtet ist - sie selbst war damals 9. 

Ihre Karriere lief dann in ganz eigentümlichen Bahnen: 1998 wurde sie unter 300.000 Bewerbern beim Casting zur "Bild-Schlagerkönigin" ausgewählt - nachdem sie "Er gehört zu mir" auf den Anrufbeantworter der "Bild"-Zeitung gesungen hatte. Schon ein Jahr später nahm sie am deutschen Vorentscheid zum ESC teil, wo sie Vierte wurde. Es folgte der Durchbruch als Marie Balzer bei der RTL-Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" sowie ihre Erfolge als Sängerin.

Tränen und Gruppenkuscheln

Viel Erfreuliches, das Jeanette Biedermann zu berichten hatte. Doch rührselig wurde es auch. Die 39-Jährige präsentierte ihren Song "Deine Geschichten", das sie für ihren 2016 verstorbenen Vater geschrieben hatte. Das brachte nicht nur sie selbst zum Weinen, auch bei Sängerin Jennifer Haben flossen daraufhin die Tränen. Ihr Großvater ist erst vor einigen Tagen gestorben.

Die gemeinsamen Tränen wurden mit Gruppenkuscheln bewältigt, und nur einer störte die Harmonie an diesem Abend: Michael Patrick Kelly tischte eine 20 Jahre alte Geschichte auf. Er sei damals mit Biedermann gemeinsam von der Plattenfirma zum Abendessen geladen gewesen. Doch die Sängerin habe nichts von ihm wissen wollen. Nun sei es ja wohl zu spät: Beide seien in festen Händen. Eine verpasste Chance.

Jeanette Biedermann machte ganz den Eindruck, als werde sie das verschmerzen können.

"Sing meinen Song"

 

che