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TV-Kritik

"Tatort" im Ersten: "Die drei ???" suchen ihre Mutti

Bei ihrem zweiten Einsatz mussten die Erfurter "Tatort"-Ermittler 2014  ihre Chefin retten. Die ARD wiederholt den Fall, der für das junge Trio der letzte sein sollte.

Gefährlich: Die Kommissare Henry Funck (Friedrich Mücke), Maik Schaffert (Benjamin Kramme) und Johanna Grewel (Alina Levshin) beobachten einen Nachtclub

Gefährlich: Die Kommissare Henry Funck (Friedrich Mücke), Maik Schaffert (Benjamin Kramme) und Johanna Grewel (Alina Levshin) beobachten einen Nachtclub

An dem neuen Erfurter "Tatort"-Team schieden sich bei ihrem Debüt im November 2013 die Geister: Während ein Teil der Kommentatoren das Debüt für gelungen hielt - auch der stern sprach von einer vielversprechenden Konstellation -, störten sich andere Kritiker an der "Zielgruppenranschmeiße" mit einer Sprache, die "unbeholfen auf jugendlich getrimmt" sei. Welches Lager hatte Recht?

Der zweite Fall, "Der Maulwurf" betitelt, beantwortet diese Frage: Das Trio, bestehend aus Henry Funck (Friedrich Mücke), Maik Schaffert (Benjamin Kramme) und Johanna Grewel (Alina Levshin), spielt eindeutig nicht auf Augenhöhe mit den übrigen Ermittlern dieser Reihe. Im Vergleich zu Peter Faber (Jörg Hartmann), Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) oder Klaus Borowski (Axel Milberg) wirken die drei Erfurter wie die Kinderversion eines echten "Tatort"-Kommissars.

Sie benehmen sich nicht erwachsen

Zwar ist das Trio im Vergleich zur ersten Folge sprachlich durchaus gereift - Alina Levshin drückt sich nun verständlich aus, Mückes und Krammes Ausdrucksweise kommt erwachsener daher. Doch, ach: Sie benehmen sich nicht so. Das wird besonders deutlich, als ihre Chefin Petra "Fritze" Fritzenberger (Kirsten Block) entführt wird. Da agieren sie wie Kinder, die ihre Mutti verloren haben.

Von Arbeitsteilung scheinen sie noch nichts gehört zu haben: Meist laufen sie zu dritt auf - als wären sie "Die drei ???" auf großem Abenteuer. Die Ermittlungen führen sie sogar zu einer echten Table-Dance-Bar, wo sich halbnackte Frauen an der Stange räkeln. Ganz schön aufregend.

Bieder und eindimensional

So bieder wie die Nachtclub-Szenen ist leider der ganze Fall inszeniert (Regie: Johannes Grieser). Und auch das Drehbuch (Leo P. Ard und Michael B. Müller) ist nicht sonderlich spannend. Schon nach einer Viertelstunde bekommt man eine Ahnung, wer der eigentliche Maulwurf in den Reihen der Polizei sein könnte.

So wenig raffiniert die Handlung, so eindimensional auch die Charaktere. Waren die drei Ermittler im ersten Fall mit interessanten Details und einem Privatleben ausgestattet worden, werden sie bei ihrem zweiten Einsatz zu Menschen ohne Eigenschaften degradiert. Gerne hätte man mehr über sie erfahren - doch sie bleiben so blass und abziehbildhaft wie dieser ganze Fall. Schade.

Die "Tatort"-Folge "Der Maulwurf" wurde erstmals am 21. Dezember 2014 ausgestrahlt. Die ARD wiederholt den Fall am Freitag, 10. August, um 22.15 Uhr.

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