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Stimmen zum "Tatort" aus Erfurt: Solider Krimi oder Zielgruppenranschmeiße?

War das Debüt des Erfurter "Tatorts" gelungen? Darüber herrscht sowohl bei TV-Kritikern als auch in den sozialen Netzwerken Uneinigkeit. Das Urteil der Fernsehzuschauer fiel dagegen eindeutig aus.

Der München-"Tatort" stieß in der vergangenen Woche fast einhellig auf Ablehnung. Dagegen ist das Stimmungsbild bezüglich des neuen Erfurter "Tatort"-Teams gespalten. Weder in Print- und Online-Medien noch in sozialen Netzwerken schält sich ein einheitliches Meinungsbild heraus.

"Focus-Online"

Viele Rezensenten fanden das Debüt des Erfurter Teams gar nicht so schlecht: "'Kalter Engel' ist ein Standard-Krimi, der nach bekanntem Muster aufgebaut ist. Der Reiz liegt nicht im Fall, sondern vor allem im Profil der Hauptfiguren, von denen man mehr erfahren möchte", schreibt etwa Marina Antonioni auf "Focus-Online".

"FAZ"

Ähnlich sieht es Jochen Hieber in der "FAZ": "Auf eine grundsolide Weise ist dieser Fall in sich logisch und konsistent (…). Die Lösung, die er dann bietet, nimmt sich im Nachhinein zwar etwas hanebüchen aus, von anderen 'Tatorten' aber ist man Schlimmeres gewohnt." Auch auf stern.de erhielt der Fall eine positive Besprechung.

"Spiegel-Online"

Ganz anders sah es Christian Buß auf "Spiegel-Online": "Nun hat der MDR seine Krimis einer Modernisierung unterzogen. Na ja, was man beim MDR so Modernisierung nennt. (…) Am Ende wirkt der Campus-Krimi über die Generation Praktikum aber doch nur wie eine zynische Zielgruppenranschmeiße."

"Süddeutsche.de"

Auch Holger Gertz konnte dem "Tatort" auf "Süddeutsche.de" wenig abgewinnen: "'Bombe!', 'Krass!', 'Alter Falter'. Da können auch die Schauspieler nichts mehr retten. Wer sich an Traumschiffe und Bergdoktoren erinnert fühlt, liegt genau richtig."

Facebook

Auf der Facebook-Seite von stern.de wurde der Krimi stark diskutiert. Der Tenor hier war überwiegend positiv: "Das war mal ein Tatort zum Zurücklehnen und den guten deutschen Krimi genießen. Davon sollte sich Schweiger-Tatort eine Scheibe abschneiden", schrieb ein User. Ein anderer meinte: "Sehr gut! Guter Start! Aber noch reichlich Potential. Auf hoffentlich viele weitere Erfurter Tatorte". Eine weitere Einschätzung lautete: "Mir hat er gefallen. Ein sympathisches Team. Es war zwar nicht der Oberbrüller, aber gut anzuschauen und keinesfalls langweilig. Eine zweite Chance hat Erfurt auf alle Fälle verdient." Es gab aber auch hier negative Stimmen: "Selten so einen schlechten Tatort gesehen. Vollkommen unrealistisch und dabei ohne Witz. Das ging gar nicht bzw. total in die Hose."

Schaut man sich die Einschaltquoten beim Gesamtpublikum aus, so ist das Urteil allerdings eindeutig: 10,32 Millionen Menschen sahen das Debüt der Erfurter - damit übertraf die Folge den München-"Tatort" aus der Vorwoche um eine Million Zuschauer. Das Fazit lautet also: Einstand vollauf gelungen!

Zusammengestellt von Carsten Heidböhmer