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TV-Tipp 15.11.: "Tatort - Im Schmerz geboren": Der Film für alle "Tatort"-Hasser

Anleihen bei Tarantino, Shakespeare und mit viel Liebe fürs Theater gedreht: "Im Schmerz geboren" ist der "Tatort" für alle "Tatort"-Hasser. Anschauen und staunen. Unser TV-Tipp des Tages.

Ziemlich beste Feinde: Richard Harloff (Ulrich Matthes, l.) und Felix Murot (Ulrich Tukur).

Ziemlich beste Feinde: Richard Harloff (Ulrich Matthes, l.) und Felix Murot (Ulrich Tukur).

"Tatort - Im Schmerz geboren" 20.15 Uhr, 3Sat
KRIMI Der Segen des "Tatorts" ist sein Fluch zugleich: Er ist kleinster gemeinsamer Nenner des Zuschauergeschmacks. Die Art von Mainstream-Krimi, auf den sich alle irgendwie einigen können. Ein Mega-Erfolgskonzept und deshalb zum Durchschnitt verdammt.

Klar, bisweilen traut sich wer was: Durchbricht den normalen "Tatort"-Alltag aus Anfangsleiche, Ermittlerduo-Geplänkel sowie Holzhammer-Gesellschaftskritik und fügt der altbekannten Formel eine neue Unbekannte hinzu. Dann schütten die Kritiker wieder überschwänglich Lob aus ihren Füllhörnern aus, beschwören eine neue Ära der Qualität für die betagte Serie, während der klassische "Tatort"-Freund verschreckt den Kanal wechselt. Und in der nächsten Woche schaltet man hoffnungsvoll zu - und alles ist wieder beim Alten. Anfangsleiche, Ermittlerduo-Geplänkel, Holzhammer-Gesellschaftskritik. Stöhn.

Nach all dem, was ich gerade geschrieben habe, können Sie sich denken: Ich bin kein großer "Tatort"-Fan. Ich habe "Im Schmerz geboren" nicht live gesehen und hatte auch nicht vor, das in der Mediathek nachzuholen. Aber irgendwann bin ich eingeknickt. So krass war die Begeisterung für diesen Krimi, so überzeugend die Versicherung, dass an jenem Sonntagabend Fernsehgeschichte geschrieben wurde. "Schwer wie ein Alb, dunkel wie Blut, heiß wie die Sonne, wild wie ein Herz, schwebend wie eine Schneeflocke", schrieb FAZ-Filmkritikerin Rose-Maria Gropp. DAS nenne ich mal eine Messlatte.

Und sie hatte Recht. Wären es allein die Verbeugungen vor Filmklassikern, klassischer Musik und der Dramaturgie Shakespeares gewesen, ich wäre schon happy gewesen. Aber Ulrich Tukur, Florian Schwarz (Regie) und Michael Proehl (Drehbuch) haben hier weitaus mehr geschaffen als einen cleveren Kultur-Remix. "Im Schmerz geboren" schafft etwas NEUES, eine Szene, die selbst zitatwürdig ist - ich sage nur: Laserpointer. Wäre diese Szene in einem Hollywood-Film gezeigt worden, sie würde von nun an wohl so häufig kopiert werden wie Neos "Bullet Time" in "Matrix".

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Planet der Affen: Prevolution"
20.15 Uhr, Sat.1
SCI-FI-DRAMA Will (James Franco) forscht nach einem Mittel gegen Alzheimer. Sein Medikament löst in den Laboraffen einen unstillbaren Drang nach Freiheit aus. - Die Vorgeschichte zur "Planet der Affen"-Reihe: ein klug konstruiertes Gedankenexperiment mit hohem Schauwert. (bis 22.25)

"Same Same But Different"
22.00 Uhr, BR

DRAMA Tourist Ben (David Kross) verliebt sich in Kambodscha in ein Barmädchen. Wieder daheim erfährt er, dass sie HIV-positiv ist, und will helfen… Detlev Buck gelang ein radikal ehrlicher Film, der sich ganz auf die widerstreitenden Gefühle seines jungen Helden konzentriert. (bis 23.35)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo