HOME

Charley-Ann Schmutzler gewinnt "The Voice": Hohe Stimmen, niedriges Niveau

Charley Ann Schmutzler gewinnt die Casting-Show "The Voice Of Germany". Doch je länger die Sendung dauerte, desto klarer wurde: Es ist besser, dass die Kandidaten singen, als dass sie sprechen.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Wenigstens sind sie runter von der Straße und machen auch sonst keinen Blödsinn. Und sie nehmen anderen keine Studienplätze weg. Gemeint sind die Teenager, denen heutzutage nun wirklich keiner mehr weismachen kann, Arzt oder Rechtsanwalt wären "endkrasse" Jobs. Berufsziel Superstar - drunter geht es nicht. Zu diesem Phänomen ist längst alles gesagt worden. Totzukriegen ist es nicht. Jüngster Beweis: Charley Ann Schmutzler, 21 Jahre alt und seit Freitagabend Gewinnerin der vierten Staffel von "The Voice Of Germany". Ein hübsches Ding, sympathisch, und singen kann sie auch. Ihr zu verdanken ist es auch, dass das Finale der Show von ProSieben und Sat.1 wenigstens einen einzigen berührenden Moment hatte, nämlich als Charley Ann direkt nach der Bekanntgabe ihres Sieges erneut ihren Solo-Song "Blue Heart" präsentierte.

Immer wieder brach ihr dabei die Stimme weg, überwältigt von so viel Zustimmung: 41,75 Prozent der Anrufer stimmten für sie ab, im Saal tobte das Publikum. Und die Coaches und Juroren Michi und Smudo von den "Fantastischen Vier" schwärmten von einer Stimme, die man aus Hunderten heraushöre. "Wir sind stolz auf dich, Charley", riefen sie. Dieser Stolz war auch Mama Claudia Schmutzler, TV-Schauspielerin, anzusehen, die den Sieg ihrer Tochter im Saal mitverfolgte.

So war das "The Voice"-Finale: Gewinnerin Charley-Ann Schmutzler berührt die Herzen
Die Kandidatin Charley-Ann Schmutzler, 21, gewinnt das Finale der Sat1-Casting-Show "The Voice of Germany" am Freitagabend in Berlin.

Die Kandidatin Charley-Ann Schmutzler, 21, gewinnt das Finale der Sat1-Casting-Show "The Voice of Germany" am Freitagabend in Berlin.

Eine "kitzlige Sache"

Sie wollen es ja auch, wollen lieb gehabt werden, die Teilnehmer, die da singen. Wollen möglichst viel kassieren von der Währung, die sich Aufmerksamkeit nennt. Allein sind sie damit nun wirklich nicht. Im Grunde kann kaum einer was dagegen haben, wenn einer wie Andrei Vesa, 18 Jahre alt und ebenfalls Finalist, erzählt: "Durch die Liveshows habe ich viel Selbstbewusstsein gesammelt." Bleibt nur zu hoffen, dass er an seinem dritten Platz nicht allzu schwer zu knabbern hat. Dass er es nicht bis an die Spitze schaffen würde, war vorauszusehen. Seine Stimme hat zu wenig "Eigenes", auch sonst blieb nach seinen Auftritten nur wenig von ihm hängen.

Nur einmal schien er fast schon ein gewisses Aufsehen erregt zu haben. Und zwar, als er mit seinem Coach Samu Haber die Ballade "More Than Words" interpretierte. Zwei Männer, ein gefühliges Duett, warum denn nicht, möchte man meinen. Die "Fantas" Michi und Smudo eierten dennoch ein bisschen herum und sprachen von einer "kitzligen Sache".

"Es hat total Spaß gebracht, weil es hat echt Spaß gebracht."

Damit wichen sie, wenn auch nur kurz, von dem sonst üblichen Vokabular ab, auf dass sich alle Protagonisten der Show geeinigt zu haben schienen. Die Devise: Kein Satz ohne Superlativ. Die Losung gab Moderator Thore Schölermann gleich zu Beginn aus: "This is the best party in Germany tonight." Im Grunde eher bescheiden für den Verbal-Hype, der dann folgte, mit dem Zweck, sich gegenseitig zu versichern, wie "fucking amazing" (Originalton) doch verdammt nochmal alle hier sind. Narziss hätte seine helle Freude gehabt.

Ansonsten wäre dringend anzuraten, dass sich endlich mal irgendeine Partei Gedanken macht über das gesprochene Deutsch in Castingshows, das vor allem deshalb problematisch ist, weil es den Wortschatz von Zweijährigen weit unterschreitet. Fast schon akademisch ausgearbeitet klingt da im Vergleich die Zusammenfassung von Jurorin Stefanie Kloß von der Band Silbermond: "Es hat total Spaß gebracht, weil es hat echt Spaß gebracht." Hörte man hingegen den Kandidaten zu, wie sie in Dauerschleife wiederholten, wie krass es doch sei, so weit gekommen zu sein, dann wurde endlich auch klar: Besser sie singen als dass sie sprechen.

Ende Februar geht es wieder los

Seite an Seite mit ihrer Konkurrentin Charley Ann zitterte Lina Arndt um den ersten Platz. Die 18-Jährige präsentierte unter anderem mit dem britischen Singer-Songwriter Ed Sheeran "Thinking out Loud". Von ihrem Coach Rea Garvey gab es zwar ein traditionell euphorisches "Ich liebe dich, du bist die Beste", aber die Zuschauer entschieden: Lina ist die Zweitbeste. Auch die 40-jährige Marion Campbell, die ihre Single "Lifetime" vorstellte, musste sich hinten anstellen: Für sie reichte es nur für Platz vier. Die nächsten Anwärter indes können sich schon mal warm singen. Ab Ende Februar geht es deutschlandweit in die nächsten Bewerbungsrunden. Traurig nur für alle Zweijährigen, die das Sprachniveau erheblich heben könnten: Das Bewerbungsalter ist mindestens 16 Jahre.

  • Sylvie-Sophie Schindler