VG-Wort Pixel

"True Blood"-Star Alexander Skarsgard im Gespräch "Twilight" auf Ecstasy und Viagra


"True Blood" ist das Anti-"Twilight". Sex, Drogen und Gewalt haben die US-Serie zum Hit gemacht. Zuschauerliebling Alexander Skarsgard verrät stern.de, wie man einen 1000 Jahre alten Vampir spielt und was er vom ewigen Leben hält.
Von Sophie Albers

Der Horrorautor Stephen King hat gerade gefordert, den Vampiren ihren Biss zurückzugeben. Sie sind ihm zu kuschelig geworden. Wie sehen Sie das?
Also in "True Blood" sind die Vampire doch nicht kuschelig.

Ihr Wikinger-Vampir Eric Northman vielleicht nicht, aber der Romantiker Bill Compton schon.
Hm, also ich weiß nicht.

Haben Sie je "Twilight" gesehen.
Nein, habe ich verpasst. Also ich hoffe, dass die Verweichlichung für unsere Show nicht zutrifft.

Wie haben Sie Ihren Vampir denn am liebsten? Muss er ein Jäger sein, oder ist es in Ordnung, wenn er auch mal kuscheln will?
Ich finde die Mischung interessant. Diesen permanenten Kampf, weil sie Raubtiere sind, aber auch eine weiche Seite haben.

Haben Sie sich jemals gefragt, warum Menschen eigentlich so auf Killer stehen? Der Vampir ist das beliebteste Monster.
Vampire stehen für Unsterblichkeit. Sie haben viel erlebt und gesehen, kennen sich selbst sehr gut. Doch dann haben sie diese animalische, gefährliche Seite. Das zieht die Leute an. Eben weil diese Anziehung auch ins Verderben führen kann. Für mich als Schauspieler macht dieser innere Kampf einen guten fiktionalen Charakter.

Was hat Sie an "True Blood" am meisten interessiert, als Ihnen das Drehbuch vorgelegt wurde?
Alan Ball, der Regisseur. Als ich zuerst gehört habe, dass es um Vampire geht, war ich unsicher. Ich dachte, das könnte kitschig werden. Aber als ich hörte, dass Ball Regie führen wird, war ich überzeugt. Ich war ein Fan von "American Beauty" und "Six Feet Under".

Wie bereitet man sich eigentlich darauf vor, einen 1000 Jahre alten Vampir zu spielen?
Indem man sich anguckt, was er alles schon erlebt und gesehen hat. Damit kann man spielen. Da kommt die Inspiration aus den unterschiedlichsten Richtungen.

Aber ist das nicht ein schmaler Grat zwischen besagtem Kitsch und darstellerischer Genauigkeit?
Absolut.

Ihr Vater ist der Schauspieler Stellan Skarsgard ("Fluch der Karibik", "Illuminati"). Fragen Sie ihn je um Rat?
Nein. Es war mir immer wichtig, meine eigenen Fehler zu machen und daran zu wachsen. Mein Vater fällt keine Entscheidungen für mich.

Aber Sie haben ihn vielleicht schon mal gefragt, was er von "True Blood" hält?
Natürlich sprechen wir auch mal über unsere Arbeit. Aber ich bitte ich nicht explizit um Rat.

Wie kommen Sie eigentlich mit der massiven "True Blood"-Fanbase klar?
Ich liebe es. Wirklich. Denn wenn es die nicht gebe, hätten wir nicht die Quote, hätten wir nicht die Show. In ein paar Monaten fangen wir an, die vierte Staffel zu drehen. Da bin ich wirklich dankbar für.

Schreiende Fans, Rankings, Online-Schreine machen Ihnen keine Angst?
Man sollte sich nicht in Fanseiten und Blogs ergehen.

Sie haben sich noch nie gegoogelt?
Nein, das mache ich nicht.

Das glaube ich Ihnen nicht.
Ich habe es früher mal gemacht, aber nicht nachdem der "True Blood"-Wahnsinn angefangen hat. Ganz ehrlich. Ich muss mich davon fernhalten um meiner selbst Willen, um im Kopf gesund zu bleiben. Ich kann das alles nicht lesen, denn auch wenn da nette Sachen stehen, sind es die negativen Kommentare, die ich mir merke. Und wenn ich wiederum zu viel Gutes lese, dann bläst sich mein Ego auf und explodiert. Ich weiß, dass der Hype da draußen ist, und ich bin den Fans dankbar, aber ich google mich nicht.

Ich glaube, wenn man berühmt ist, braucht man Menschen, die einem in den Hintern treten, sobald man Allüren kriegt. Am besten alte Freunde.
Absolut. Ich habe zwei beste Freunde, die auf mich aufpassen. Mit denen bin ich aufgewachsen. Die treten mir in den Hintern, wenn es nötig ist.

Ist Ihnen schon mal in den Sinn gekommen, dass Hollywood selbst auch eine gewisse Vampirqualität hat? Es saugt Leute ein, kaut sie durch, spuckt sie wieder aus...
In diesem Geschäft wird definitiv hart gekämpft. Sie haben Recht. Es kann toll sein und dir alle Möglichkeiten bieten, aber es kann auch sehr kalt sein.

Ist "True Blood" für Sie ein Märchen oder sehen Sie es manchmal auch als Vergrößerungsglas, durch das man das Leben betrachtet?
Das ist eine der großen Qualitäten von Alan Ball, dass er beides tut. Einerseits ist es Unterhaltung, doch da sind eben auch Tiefe und Parallelen zu unserem Alltag. Diese Kombination macht ihn zu etwas Besonderem. Das ist auch in "True Blood" so. Es ist eine großartige fiktionale Geschichte, in der wir uns trotzdem wiedererkennen.

Was halten Sie eigentlich persönlich vom ewigen Leben?
Auf den ersten Blick ist es sehr attraktiv. Doch ist es auch sehr traurig. Deshalb sind die Vampire alle so gequält. Es ist eben doch eine schöne Vorstellung, mit jemandem zusammen alt zu werden. Es ist doch seltsam, zusehen zu müssen, wie sich alles verändert, die Menschen, die Natur. Alles wird geboren, stirbt, um dann wiedergeboren zu werden. Doch man selbst gehört nicht dazu. Ich denke, da fühlt man sich sehr einsam.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker