HOME

ARD-Komödie "Vorsicht vor Leuten": Charly Hübner als Hochstapler

Ein kleiner Beamter mutiert zum coolen Abzocker: Die ARD-Komödie "Vorsicht vor Leuten" von Comedy-Autor Ralf Husmann über Raffgier und Moral kommt nicht tiefschürfend, aber unterhaltsam daher.

"Vorsicht vor Leuten" ist eine frivole Komödie mit Charly Hübner, Natalia Belitski und Michael Maertens (v.l.n.r.)

"Vorsicht vor Leuten" ist eine frivole Komödie mit Charly Hübner, Natalia Belitski und Michael Maertens (v.l.n.r.)

Einmal im Rampenlicht stehen und den souveränen Macher markieren - davon träumt der kleine Beamte Lorenz Brahmkamp (Charly Hübner) schon lange. Aber dann scheitert der unscheinbare Typ aus der Stadtverwaltung schon daran, eine Duschtür auszuwechseln. Und übergewichtig ist er auch.

Lorenz' Frau Katrin (Lina Beckmann) hat die Faxen dicke und gibt dem Loser den Laufpass: "Das kann nicht für den Rest meines Lebens mein Leben sein", resümiert sie resigniert. Von diesem Moment an startet Lorenz durch und verwandelt sich ganz ohne Skrupel in einen gewieften "Ermöglicher". Die kurzweilige, gut besetzte Hochstapler-Komödie "Vorsicht vor Leuten" läuft an diesem Mittwoch um 20.15 Uhr in der ARD.

"Wer Schnitzel will, muss Schweine schlachten"

Als Lorenz den windigen, ebenso eloquenten wie pomadigen Geschäftsmann und Betrüger Alexander Schönleben (Michael Maertens) kennenlernt, gerät er auf die Erfolgsspur. Bald verticken die beiden vermeintliche Traumhäuser auf Mallorca. Die Interessenten werden gnadenlos abgezockt, moralische Bedenken: Fehlanzeige. "Wer Schnitzel will, muss Schweine schlachten", so bringt Schönleben seine Philosophie knallhart auf den Punkt.

Launige Sentenzen und Sprüche gibt es zuhauf in dieser frivolen Posse, die aus der Feder des renommierten Drehbuchautors Ralf Husmann stammt, der für die Comedyserien "Stromberg" und "Dr. Psycho" bereits mit Grimme-Preisen ausgezeichnet wurde. Der 1964 in Dortmund geborene Husmann liebt die schnelle Pointe und hat ein Faible für schräge Reime. "Lügen haben kurze Beine / doch das ist ja das Gemeine / kurze Beine laufen auch". Zum Ende hin wirkt die gut besetzte Komödie manchmal wie ein Lehrstück über Moral, Raffgier und Gutgläubigkeit.

Charly Hübner überzeugt als Durchschnittstyp

Zum Glück sieht man den Hauptdarstellern gern bei ihren Betrügereien zu. Charly Hübner, den die meisten Zuschauer als Kriminalhauptkommissar Bukow aus dem Rostocker "Polizeiruf 110" kennen, nimmt man den blassen Durchschnittstypen, der sich nach einem Platz an der Sonne sehnt, gerne ab. Lina Beckmann, Hübners Ehefrau im Film und im richtigen Leben, spielt überzeugend die etwas naive Katrin, die endlich stolz auf ihren Lorenz sein will.

Eine große Show zieht Theaterschauspieler Michael Maertens ab. Mit sichtlichem Vergnügen am Chargieren mimt er den moralfreien, sonnenstudiogebräunten Hochstapler, der sich natürlich einmal doch verzockt. Ein aalglatter Hai, der als Fischstäbchen in Gips endet. An seiner Seite darf Natalia Belitski die verführerische, etwas nichtssagende Frau Schönleben spielen.

Das Ende lässt Autor Husmann glücklicherweise offen. Der Aufsteiger Lorenz wird nicht in Bausch und Bogen verdammt, weil ja vielleicht in uns allen ein Raffke lauert, der nur auf seine Chance wartet.

Johannes von der Gathen/DPA/DPA
Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo