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Auf der Hollywoodschaukel mit ... Ralf Husmann Bei Stromberg geht noch was


Der Sommer ihres Lebens? Ralf Husmann über Oli Pocher, die neuen Comedians und die Zukunft von "Stromberg".

Gäbe es ein deutsches "30 Rock", Ralf Husmann wäre Tina Fey. Der TV- und Buchautor und Produzent aus Dortmund hat uns die "Harald Schmidt Show", "Anke", "Dr. Psycho", "Der kleine Mann" und "Stromberg" geschenkt - als Serie und Film, der nun auf DVD erscheint. Immer wenn die deutsche Sitcom schlau und mutig wird, hat er höchstwahrscheinlich am Text geschraubt.

Wäre die Harald-Schmidt-Show der 90er heute möglich?


Ich glaube nein. Wir haben damals so ein bisschen die Ironie miterfunden für die deutsche Gesellschaft. Mittlerweile ist jeder Zweigstellenleiter bei der Deutschen Bank ironisch. Das war eine seltene Übereinstimmung zwischen dem Protagonisten, der Show, der Idee und der Gesellschaft. Das hat den Zeitgeist getroffen, und das geht immer nur für eine gewisse Zeit.

Was kam nach der Ironie?


"Big Brother", und doof war auf einmal hip. Ein Zlatko kam um die Ecke, und man war nicht mehr peinlich berührt, wenn man Shakespeare nicht kannte, sondern fand das irgendwie cool. Ich glaube, das war fast schon so etwas wie die Gegenbewegung zu dem, was wir gemacht haben.

Versuchen Menschen in Ihrer Gegenwart eigentlich eher witzig zu sein, oder werden die kleinlaut?


Dieser Impuls, dass man mir etwas Lustiges erzählt, oder dass man von mir erwartet, dass ich die Party rette, hat sich dankenswerterweise aufgelöst. Wenn mich heute jemand erkennt, erzählen sie eher, wie Scheiße es in ihrem Büro ist, wie es bei Versicherungen im wirklichen Leben zugeht.

Sind Sie froh, dass Stromberg vorbei ist?


Das ist ja keine Bürde. Ich bin nicht Roy Black, der zum 4000. Mal gezwungen wird, "Ganz in Weiß" zu singen. Wir haben ganz bewusst relativ viel Zeit zwischen die einzelnen Staffeln gelegt, so dass wir nie das Gefühl hatten, wir müssen jetzt alle halbe Jahre in diesem Büro zusammenkommen, um Arbeitsalltag zu simulieren. Es fühlt sich an wie eine Klassenfahrt: Jetzt darf man wieder. Wir machen das seit zehn Jahren und verstehen uns immer noch. Das ist toll. Ob es wirklich vorbei ist, weiß ich nicht. Aber wir gehen definitiv nicht zurück in die Versicherung. Aber wenn wir die Schneise zum Reichstag schlagen können, ist da schon noch was möglich.

Sehen Sie schon den nächsten Schmidt, die nächste Engelke oder den nächsten Herbst irgendwo herumspringen?


Das ist nicht mehr so einfach. Harald ist vor der Show 20 Jahre über Kleinkunstbühnen getingelt, Christoph hat sehr lange als Schauspieler auf schlimmen Bühnen dieser Republik gestanden, Anke war schon Kinderstar, hat dann Radio gemacht und war zwei, drei Jahre in der "Wochenshow", bis sie außerhalb der Nachrichtenparodie eingesetzt wurde. Das war immer ein sehr langer Prozess. Diese Zeit hat man heute kaum noch. Die Generation der 30- bis 35-Jährigen kommt fast durchweg aus der MTV-Viva-Abteilung. Die konnten sich da auszuprobieren. Klaas hat viel wegmoderiert und dadurch noch eine gewisse Routine bekommen. Heute muss man die auf Youtube sammeln, wie die Y-Titty-Kollegen. Der Druck ist ein ganz anderer. Die geben sich selbst gar nicht mehr die Zeit, wie es meine Generation oder Harald gemacht hat. Wir haben nicht in diesen Dimensionen gedacht "Ich muss jetzt das Olympiastadion vollmachen". Die jungen Kollegen heute aber wissen, wenn es einen Hype gibt, dann jetzt, und in einem Jahr ist der schon wieder vorbei.

Was heißt das für die Generation danach?


Ich mag nicht in den Kulturpessimismus einstimmen und sagen "Früher war alles besser". Die junge Generation muss da ihren eigenen Weg finden. Am Ende machen die dasselbe wie wir - nur mit anderen Mitteln. Es gibt eine andere Technik, es sieht anders aus, aber sie machen auch die Werbeparodie, und die Musikvideoparodie wie wir damals. Es ist insgesamt schnelllebiger geworden. Eine Karriere wie die der Rolling Stones wird es nicht mehr geben. Bei den Comedians ist es da wie im Musikgeschäft: Man kann nicht mehr 50 Jahre die gleiche Nummer machen, um am Ende Eddie Arent zu sein. Man muss sich anders ausbilden. Ich halte es für Quatsch zu sagen, die sind nicht lustig. Wir waren mit 20 auch nicht lustig. Das ist ein Abgrenzungsmechanismus. Wie in der Musik. Du willst, dass die alten Leute sagen, das ist doch nicht lustig, was guckst du da für 'ne Scheiße.

Was würden Sie mit Oliver Pocher machen, damit er wieder erfolgreich wird?


Ich habe eigentlich mit allen, die es im Geschäft gibt, mal gearbeitet, und Oli ist, finde ich, der absolut talentierteste, den ich bislang getroffen habe. Aber er ist nicht in der Lage gewesen, aus dem Talent etwas zu machen. Ich glaube, er hat sich zu sehr darauf verlassen, dass das Talent reicht. Das ist wie im Fußball. Man muss den nächsten Schritt tun und weiter an sich arbeiten, sonst reicht es eben oft nicht. Ich denke, das ist bei Oli der Fall. Deshalb haben wir uns damals ein bisschen auseinanderdividiert. Oli scheint jetzt an einem Punkt, da das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Was ist Ihre liebste Sommerbeschäftigung?


Draußen sein! Nicht Jack-Wolfskin-Outdoor-Draußen, aber draußen sitzen, schreiben, essen, Kaffee trinken. Ich habe eine Zeit lang in Kalifornien zugebracht, und es hat mir gut gefallen, dass ich in T-Shirt, kurzer Hose und Schlappen mal eben rausgehen konnte, in den Garten oder ans Meer. Das ist für mich der Inbegriff von Sommer. Das Grundklima stimmt.

Hatten Sie als Kind ein Lieblingseis?


Ich bin ein großer Süßfanatiker, das schwankt zwischen Kuchen, Eis und allem anderen. Bei Eis mag ich es am liebsten klassisch aus Italien: drei Bällchen ohne Sahne.

Hatten Sie damals auch eine Lieblingsfernsehserie?


Ich komme aus der Ruhrgebietsarbeiterklasse, zu uns kam das Fernsehen spät. Ich habe viel "Pan Tau" geguckt. Oh, und "Das Haus am Eaton Place". Das kam immer samstags nach dem Baden.

Sophie Albers Ben Chamo

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