Mama ist die Best(i)e
Adele Neuhauser als Society-Lady im Knast: Wie man sich an seiner Familie rächt

  • von Maximilian Haase
Gloria Almeda (Adele Neuhauser) kommt nach zehn Jahren aus dem Gefängnis frei. Nun sinnt sie auf Rache an ihrer Familie.
Gloria Almeda (Adele Neuhauser) kommt nach zehn Jahren aus dem Gefängnis frei. Nun sinnt sie auf Rache an ihrer Familie.
© ZDF/Fabio Eppensteiner

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Erneut brilliert Adele Neuhauser in einer Rolle, die ihr Autor Uli Brée auf den Leib schrieb: In der zweiteiligen ZDF-Krimi- und Familiensatire "Mama ist die Best(i)e" spielt die Wienerin eine wegen Mordes an ihrem Mann verurteilte Society-Lady, die sich nach zehn Jahren Haft rächen will.

Manchmal reicht schon die Nennung zweier Namen, um das große Potenzial eines Films zu sehen: Wenn Schauspielerin Adele Neuhauser und Drehbuchautor Uli Brée gemeinsame Sache machen, dann kommt in der Regel am Ende charmante Unterhaltung heraus. Zuletzt bewies das etwa die Dramedy "Makellos", mit der das Erfolgsduo seine lose ARD-Filmreihe über Identität und Selbstfindung fortsetzte. Derzeit scheint das kreative Dreamteam jedenfalls nicht aufzuhalten zu sein: Im aktuellen ZDF-Zweiteiler "Mama ist die Best(i)e" schrieb Brée der beliebten Wiener Darstellerin die Rolle einer Ex-Societylady auf den Leib, die nach Jahren im Gefängnis wegen des angeblichen Mordes an ihrem Mann freikommt. Lustvoll versteht es der Genremix, Krimikomödie mit Gesellschafts- und Familiensatire zu verknüpfen.

Adele Neuhauser, wandelbar wie eh und je, spielt die einstmals millionenschwere Gloria Almeda. Dass der frühere Star Wiener Gesellschaft zehn Jahre lang von der Bildfläche verschwunden war, hatte einen dann doch eher ungewöhnlichen Grund: Gloria saß im Gefängnis, verurteilt für den Mord an ihrem Gatten Victor (Bernhard Schir), der bei der Explosion einer Gartenlaube beim Techtelmechtel mit seiner Geliebten ums Leben kam. Damals, so zeigt der auf zwei Zeitebenen spielende Film die luxuriös-oberflächliche Vergangenheit, war Gloria eine shoppingsüchtige Lady der "Bussi-Bussi-Gesellschaft".

Nach der Verurteilung – zu Unrecht, wie Gloria betont – ließ ihre dysfunktionale Familie sie völlig im Stich. Eine große Enttäuschung mit Konsequenzen: "Wenn dir genau die Menschen, die dich stärken sollten, in den Rücken fallen, bleibt dir nur eines: Rache." Nun, da sie zurück ist, wenn auch mit Fußfessel an die Villa gebunden, will sie den wahren Mörder ihres Mannes finden – "oder sagt man jetzt Mörder und Mörder:innen?", fügt die ein Jahrzehnt vom Zeitgeist Abwesende süffisant hinzu. Sie ist jedenfalls überzeugt davon, dass der- oder diejenige sich in ihrer engsten Umgebung befindet.

"Was machen zehn Jahre Haft mit so einem Menschen?"

Ihre Villa ist für Gloria Almeda kein Ort der Geborgenheit. Während sie im Knast saß, haben sich ihre Kinder Leonie (Fanny Krausz) und Severin (erneut fantastisch verkörpert von Neuhausers Dauerschauspielpartner Manuel Rubey) sowie die Schwiegerkinder Gaston (Andreas Lust) und Stella (Stefanie Stappenbeck) bereits daran gemacht, das Erbe zu fleddern. Nicht mit Gloria: Sie hat zwei ehemalige Mithäftlinge als "Personal" in das Haus eingeschleust, die für sie spionieren. Schritt für Schritt setzt sich ein Puzzle zusammen, in dem auch alte Freunde wie der Ex-Geliebte Tono Pfeifer (Roland Koch) und dessen Ehefrau Bernadette (Elena Uhlig) zwielichtige Rollen spielen.

Derweil kommen auch bei der zuständigen Kommissarin Regula Fritsch (Aglaia Szyszkowitz) leise Zweifel auf, ob sie damals wirklich die wahre Täterin hinter Gitter brachte. Sie habe nun bei ihr "einen Mord frei", scherzt Gloria, die Neuhauser in ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten vor, im und nach dem Knast schön herausarbeitet. "Was machen zehn Jahre Haft mit so einem Menschen? Den Wandel zu zeigen, das hat mich gereizt", sagt die 67-Jährige über ihre Rolle.

Dass dies glaubhaft gelingt, liegt nicht zuletzt an der langjährigen und intensiven Zusammenarbeit zwischen der Hauptdarstellerin und Uli Brée: "Wenn ich für sie schreibe, habe ich oft das Gefühl, sie blickt mir beim Schreiben über die Schulter", so der Autor. Über die Jahre sei eine Zusammenarbeit entstanden, "die sich fast wie Aufgabenteilung anfühlt: Ich liefere die Figur, und sie erweckt sie zum Leben." Für Brée, der bereits in "Vorstadtweiber" die Abgründe der Wiener Schickeria auszuloten verstand, ist die Geschichte von Gloria ein Weg "von der Oberfläche zur Tiefe, von Selbsttäuschung zu Einsicht".

"Man sollte aus den eigenen Fehlern lernen"

Regisseurin Ute Wieland setzt bei der Inszenierung auf einen klaren visuellen Kontrast: Die Vergangenheit wird laut, bunt und schrill gezeigt, die Gegenwart hingegen in gedämpften Farben. Die Schauspieler, so Wieland, bewegten sich dabei "auf einer ständigen Gratwanderung zwischen Überhöhung und Wahrhaftigkeit". Um die tiefsitzenden Konflikte der dysfunktionalen Familie spürbar zu machen, habe man im Vorfeld sogar mit Familienaufstellungen und Improvisationen geprobt.

Und so bearbeitet der unterhaltsame Zweiteiler nicht nur die klassische Krimi-Frage nach dem Täter, sondern vor allem jene nach den Abgründen als auch den Lichtblicken, die Familien innewohnen. Dabei rechnet die Satire mit einer Gesellschaft ab, in der Schein oft mehr zählt als Sein. Bei allem Sarkasmus lässt das Duo Brée/Neuhauser immer Platz für leichtfüßigen Humor und die Hoffnung, dass doch noch alles gut wird. Oder wie Adele Neuhauser es ausdrückt: "Man sollte aus den eigenen Fehlern lernen und sich die Hand zur Versöhnung reichen". Versöhnlich stimmen dürfte es angesichts ihres nahenden Abschieds als "Tatort"-Kommissarin auch die Fans, dass die Wienerin derzeit so oft im Fernsehen zu sehen ist.

Das ZDF zeigt den ersten Teil um 20.15 Uhr, Teil zwei folgt dann nach dem "heute journal" ab 22.15 Uhr. In der Mediathek sind beide Filme bereits abrufbar.

Mama ist die Best(i)e – Mo. 18.05. – ZDF: 20.15 Uhr

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