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Agentenfilm "Deckname Luna": Das ZDF zieht in den Kalten Krieg

Das ZDF arbeitet sich mit seinen Event-Filmen weiter an der deutschen Geschichte ab. "Deckname Luna" zeigt den Wettlauf zum Mond aus deutscher Sicht. Anna Maria Mühe wird von Stasi und BND gehetzt.

Waterboarding, Wahrheitsserum, Psychofolter: Auch Frauen werden im Kalten Krieg bei Verhören nicht geschont. Recht drastische Szenen zeigt das ZDF bei seiner neuen Hochglanz-Produktion "Deckname Luna".

Ein deutsch-deutscher Agentenfilm mit Starbesetzung: Anna Maria Mühe, Götz George und Heino Ferch sind Teil einer Intrige. Sie alle sind gefangen zwischen den Fronten der frühen 60er Jahre. Die erste Folge des Zweiteilers läuft am Montag um 20.15 Uhr. Der zweite Teil von "Deckname Luna" folgt am Donnerstag (8. November).

"Der Treibstoff, der Menschen auf den Mond bringt und wieder zurück" steht im Mittelpunkt der Ränkespiele, in die sich die ostdeutsche Werftarbeiterin Lotte Reinhardt (Mühe) immer tiefer verstrickt. Ihr geliebter Großvater Arthur Noswitz (George) ist Wissenschaftler und forscht im Westen an Raketentriebwerken.

Lotte, eigentlich überzeugte Kommunistin mit großen Idealen und dem Traum vom Kosmonautenberuf, kommt über ihren Bruder in Kontakt mit Oppositionskreisen und gerät plötzlich in die Fänge der Stasi.

Zwar gelingt eine abenteuerliche Flucht über die Ostsee. Doch der DDR-Geheimdienst findet und erpresst Lotte. Was folgt, ist gnadenlose Gehirnwäsche: "Wir tun etwas für die, die auf der richtigen Seite sind." Schließlich steht Lotte vor ihrem eigenen Grabstein. Sie beginnt in der Adenauer-Idylle ein gehetztes Doppelleben.

DDR-Geschichte für die Hauptdarstellerin

Die Macher von "Deckname Luna" haben viele wenig bekannte Details aus der Zeit der Kuba-Krise ausgegraben und zu einem Thriller über den Wettlauf zum Mond zusammengebastelt. Wer weiß schon noch, dass westdeutsche Forscher an der Nordsee Raketen testeten, bis ihnen die Alliierten auf die Finger schlugen? "Deckname Luna" versucht zudem, die Grausamkeiten von politischer Haft in der DDR nachzuempfinden. Auch der westdeutsche BND wird mit Gewaltexzessen präsentiert.

Anna Maria Mühe, Tochter des Schauspielerpaars Ulrich Mühe (1953-2007) und Jenny Gröllmann (1947-2006), ist in Ost-Berlin geboren. Sie war beim Fall der Mauer vier Jahre alt. "Ich habe gar keine DDR-Vergangenheit. Da musste ich mich schon sehr hereinlesen." Sie habe zur Vorbereitung auf die Produktion die Stasi-Gedenkstätte besucht und Dokumentarfilme gesehen. Außerdem hätten ältere Freunde vom Theater sie bei der Rolle beraten.

Produzentin Susanne Freyer suchte bewusst die Optik der Sixties, setzte Stilmittel wie einen gespaltenen Bildschirm ein und legte Wert auf liebevolle Kostüme und stimmige Kulissen. Ungeachtet mancher Drehbuchschwächen und wirrer Seitenstränge glänzt der Film durch einen ungewöhnlichen Plot und teils herausragende schauspielerische Leistungen. Vor allem Heino Ferch und Andreas Schmidt als Stasi-Agenten sind beunruhigend glaubhaft. Ferch stand bei den Dreharbeiten übrigens vor einem kleinen Problem: Er ist Nichtraucher, hat als Agent Moll aber faktisch in jeder Szene eine brennende Kippe im Mund. Kräuterzigaretten verschafften ihm Abhilfe.

Christof Bock, DPA / DPA