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ARD-Doku "Die Akte Zarah Leander": Die Filmdiva und ihre Rolle in der Nazi-Dikatur

Von den Nazis wurde Zarah Leander verehrt und sie genoss den Ruhm. Doch welcher Mensch steckte hinter der schillernden Fassade? Die ARD geht dieser Frage in einem Dokumentarfilm nach.

Vor laufender Kamera lässt sich Zarah Leander eine Zigarette anstecken. "Der Goebbels war ein hochinteressanter Mann", erzählt die 1981 gestorbene Diva, die zum Zeitpunkt der Aufnahme schon ein wenig in die Jahre gekommen ist. "Und was er sonst gemacht hat, ist nicht meine Sache." Ein Filmteam hat den Interviewausschnitt für "Die Akte Zarah Leander" aus dem Archiv gekramt. Der ARD-Dokumentarfilm am Montag um 23.20 Uhr erkundet die vielen Facetten des Stars, der in zahlreichen Revuefilmen der Nazizeit zu sehen war. Er zeigt eine ruhmessüchtige Frau, die sich betont unpolitisch gibt.

Mit ihrer dunklen Stimme und den schwungvollen Augenbrauen machte "die Leander" (1907-1981) im nationalsozialistischen Deutschland von 1936 an Karriere. "Ich waaar vielleicht noch nie verliebt", singt die gebürtige Schwedin in einer der ersten Szenen und steigt in mondäner Robe eine Showtreppe herab. Sie ist da schon einer der größten Stars der Ufa, der deutschen Traumfabrik der 1920er bis 1940er Jahre. Die Sängerin bezirzt in schicken Pelzmänteln Millionen Menschen und kassiert Rekordgagen. Einige Chansons werden Kult - "Kann denn Liebe Sünde sein?"

Aber hat Zarah Leander auch das NS-Regime unterstützt? Oder hat sie nur die günstige Gelegenheit genutzt, ein Star zu werden? Vor ihrem Ufa-Engagement soll sie ein Anti-Nazi-Lied gesungen haben, später lehnt sie den Titel einer deutschen Staatsschauspielerin ab, wie es in der Dokumentation heißt. Der sehenswerte Beitrag zeigt viele dieser Widersprüche. Die Stärke des 45-minütigen Films liegt darin, nicht die eine, die einfache Antwort zu geben.

War sie ein Spitzel? Oder Hitlers Geliebte?

Stattdessen lassen die Filmemacher Torsten Striegnitz und Simone Dobmeier mehrere Experten und Bekannte zu Wort kommen, darunter eine Biografin, einen Filmwissenschaftler und Zarah Leanders frühere Sekretärin. Sie blenden Dokumente, alte Fotos und Filmaufnahmen ein. Die Geschichte des Stars illustrieren sie mit Zeichentricksequenzen - ein Kniff, der in letzter Zeit immer häufiger in Dokumentationen zu sehen ist. Vieles in Leanders Geschichte bleibt aber im Dunkeln.

Unklar ist, was sie vom heraufziehenden Krieg wahrnimmt. Ihre Kontakte zu Naziführern seien schwer zu rekonstruieren, sagen die Filmemacher. Regelmäßig habe sie Propagandaminister Joseph Goebbels getroffen. Im privaten Umfeld aber habe sie sich anders verhalten, Politiker auch mal imitiert. 1943 verlässt Leander dann überraschend ihre Berliner Villa und kehrt nach Schweden zurück. Dort gilt sie wegen ihrer Karriere in Nazi-Deutschland nun als Persona non grata, wie ihre Biografin Jutta Jacobi erzählt. Ihre Platten dürfen im Radio zuerst nicht gespielt werden.

Und immer wieder kursieren Gerüchte. War Leander Hitlers Geliebte, war sie Spitzel der Nazis oder gar Spionin der Sowjetunion? Die schwedische Sicherheitspolizei trägt jahrelang Informationen über den Star zusammen. Darunter sind Zeitungsartikel, Spitzelberichte und aufgezeichnete Telefongespräche. Auf diese Unterlagen bezieht sich auch der Titel der RBB-Dokumentation. Selbst die Gestapo soll die Filmdiva ausspioniert haben.

"Die Akte Zarah Leander" versucht auch immer wieder zu dokumentieren, wie die Sängerin später mit ihrer umstrittenen Vergangenheit umging. 1944 soll sie in einem Interview gesagt haben, sie sei eine "politische Idiotin". Wie Experten diese Aussage werten, ist am Montagabend in der ARD zu sehen.

"Die Akte Zarah Leander" ist am Montag, 28.7., um 23.20 Uhr im Ersten zu sehen.

Von Julia Kilian, DPA / DPA
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