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"Märzmelodie": Das Leben ist ein Schlager

Der Monat März gilt im Allgemeinen nicht als Synonym für Romantik. Als Übergang zwischen kalter und milder Jahreszeit kann er noch arg ungemütlich sein - wie die Lebenssituationen der Menschen in Martin Walz Film "Märzmelodie".

"Sie alle erleben, so wie die Natur, den schüchternen Beginn eines Frühlings", erklärt der Filmemacher den Grundansatz seiner mit viel Musik garnierten Liebeskomödie mit einer überforderten Grundschullehrerin und einem arbeitslosen Schauspieler als Hauptprotagonisten.

Und so platzt immer wieder eine Blüte in Form eines deutschen Schlagerfragments in Dialoge und Gedanken: Von Zarah Leander bis Gitte Haenning, Willi Fritsch bis Rio Reiser, Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen erweist sich das Liedgut als äußerst eloquent, wo das unvertonte Wort aufs Peinlichste scheitern würde. "In den Liedern lassen sich Dinge ausdrücken, die man schlicht gesprochen nicht unterbringen kann, weil das Pathos grenzenlos würde", sagt Martin Walz, der als Liebhaber romantischer Komödien weniger frankophil ist, als sein Film vermuten lässt.

Komödiantische Komponente

Wie Alain Resnais 1996 in "Das Leben ist ein Chanson" hat er bekannte und weniger bekannte Songs in die Texte seiner Darsteller eingearbeitet. Die Reminiszenz geht zurück auf den britischen Drehbuchautor Dennis Potter, der mit seinem "Singing Detective" in den 1980er Jahren sein bizarres Singspiel-Filmformat kreierte. Für das deutsche Publikum war schon Resnais' französische Chansonade eine Herausforderung.

Über erste Hemmschwellen hilft Martin Walz den Skeptikern mit der Versicherung hinweg, dass es sich bei "Märzmelodie" auf keinen Fall um ein Musical handelt: Die kürzeste Einspielung dauert sieben Sekunden, die längste ist eine Minute lang. "Es sind immer nur Sachen, die aus den Leuten heraus platzten, dann geht die Szene normal weiter". Das hat eine komödiantische Komponente, hilft aber auch der Emotionalität.

In emotionaler Schieflage befinden sie sich alle: Die Lehrerin Anna (Alexandra Neldel) entwickelt, von ihrem Freund verlassen, eine Schulphobie. Der arbeitslose Schauspieler Thilo muss in einem Call Center Weine verkaufen und leidet gelegentlich unter gestiger Abwesenheit.

Französisches Flair im Berliner Feelgoodmovie

Jan Hendrik Stahlberg, Schauspieler und Regisseur ("Muxmäuschenstill", "Bye, Bye Berlusconi"), spielt den sympathischen Loser, der in Kneipen immer noch mit seiner einst erfolgreichen Serienfigur verwechselt wird. Sein Kollege Florian (Gedeon Burkhard) ist gut im Geschäft, verliebt in Katja (Jana Palaske), hat aber Bindungsängste wegen eines Muskelleidens. Valerie (Inga Busch) verkauft sich nach der Babypause als Arbeitswütige ohne familiäre Verpflichtungen. Ihr Mann Moritz (Gode Benedix) nutzt das neue Zeitkonzept als betreuender Vater, um mit anderen Papas in der Wohnung eine Live-Session zu veranstalten. Musik, hier ausnahmsweise einmal live, löst die Blockaden im Leben dreier Paare. Dabei weht ein wenig französisches Flair durch Berlin als Schauplatz eines melodischen Feelgoodmovies.

Ricarda Schrader/DPA