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ARD-Heimatkrimi "Sau Nummer Vier": Mords-Spannung in Niedernussdorf

Ein ganzes Dorf, alt wie jung, jagt in atemloser Hatz einem Dackel hinterher. Der Vierbeiner Seppl trägt ein brisantes Fundstück zwischen den Zähnen: Einen Finger. Was hat es damit auf sich?

Aufregung ist den Niederbayern eigentlich fremd. Während im schmucken Postkarten-Oberbayern, das der gebürtige Degerndorfer und heutige Wahl-Hamburger Max Färberböck gerne spöttisch "Über-Bayern" nennt, geschäftstüchtige Touristen-Betriebsamkeit herrscht, gehen die Uhren in Niedernussdorf, einem vom BR erfundenen 1.000-Seelen-Dorf im Inntal, wirklich noch anders. Und so staunt Polizeiobermeisterin Gisela Wegmeyer (Johanna Bittenbinder), Dienststellenleiterin eines verschlafenen Gesetzeshüter-Außenpostens, nicht schlecht, als man ihr einen grausigen Fund präsentiert: einen abgetrennten Finger!

Es kommt noch drastischer: Nur wenige Stunden, nachdem sich in Niedernussdorf die Ahnung eines Verbrechens breitmacht, rast mit quietschenden Reifen ein Fremder in den Ort: Florian Lederer (Florian Karlheim) sieht mit seiner Kunstlederjacke, den Stiefeletten und dem fiesen Schnauzer nicht nur aus wie der Krimiserienheld Magnum, er tritt auch genauso forsch auf.

Mit dem Eintreffen des Eindringlings, eines ehrgeizigen jungen Hauptkommissars aus der Metropole Straubing eben, ist es um Ruhe und Beschaulichkeit im Ort geschehen: Mit pedantischer Herablassung stellt Lederer schnell fest, dass der Finger durch den Biss eines Schweines abgetrennt worden sein musste. Jetzt geht es darum, mehr Spuren zu sichern.

Einödhöfe und feindselige Schweinebauern

Seine Ermittlungen führen Lederer auf abgelegene Einödhöfe, zu feindselig verschlossenen Schweinebauern - und hinein in viele Sau-Kober. Kollegin Wegmeyer, die anfangs bei der Mörderjagd nur zum "Übersetzen" mitgenommen wurde, erweist sich als sehr resolute, zupackende Ermittlerin. Als dann noch ein weiteres makabres Fundstück auftaucht - an einer Feuerstelle im Wald entdecken Lederer und Wegmeyer ein künstliches Hüftgelenk -, scheint sich abzuzeichnen, dass mehr als nur eine Leiche "entsorgt" wurde ...

Auch wenn man dem sehr gekonnt inszenierten Heimatfilm, der in seiner Drastik und dank seines herrlich vierschrötigen Personals auch viele Züge eines harten Westerns hat, seine Krimi-Spannung gar nicht absprechen möchte, liegt seine Stärke vor allem in der knorrigen Komik. Es ist ein Vergnügen, der heillos überforderten Niedernussdorfer Polizistentruppe bei ihrer tapsigen Arbeit zuzusehen. Kabarett-Kauz Sigi Zimmerschied legt als grantiger Hauptverdächtiger eine Galavorstellung hin.

"Sau Nummer vier" ist der dritte "Heimatkrimi" des BR (2010, Regie: Max Färberböck, Buch: Christian Limmer), den die ARD nun auf dem promimenten Mittwochsfilmplatz wiederholt. Er vereint kongenial düstere Spannung und überbordende Komik.

amt/Rupert Sommer, Teleschau / TELESCHAU
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