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ARD-Kultursendung: Wo "Titel, Thesen, Temperamente" seine Witze klaut

"Schluss mit Moor" ist das Markenzeichen des "TTT"-Moderators Dieter Moor. Seine jüngste Satire war wieder amüsant - nur leider geklaut. Und zwar fast wortwörtlich von einer Humorseite.

Von Niels Kruse

Satanist von Gott besessen." "Fußballnationalspieler, die die Nationalhymne nicht mitsingen, sollen durch Startenöre ersetzt werden." "Menschliches Erinnerungsvermögen verstößt gegen Datenschutz." Wer den "Postillon" liest, weiß: Nichts ist so, wie es scheint, aber alles ist möglich. Die Humor- und Satireseite veralbert im nüchternen Stil von Nachrichtenagenturen Gott und die Welt und inspiriert damit offenbar auch andere Autoren, die berufsmäßig witzig sein müssen: Wie etwa den Verfasser von "Schluss mit Moor" aus der ARD-Sendung "Titel Thesen Temperamente" ("TTT").

Die Abmoderationsglosse von Dieter Moor ist so etwas wie das Markenzeichen der sonntäglichen Kultursendung. Jüngstes Thema des Moderators: eine Zeitform für künftige Ereignisse, die nie passieren werden. "Man weiß einfach nicht mehr, was man sagen soll zum Flughafen Berlin Brandenburg", hebt der Schweizer zum Abschluss der Sendung vom 19. August an. "Doch jetzt machen Sprachforscher einen Vorschlag, der die Sprachlosigkeit beheben könnte: Futur III - wäre gewesen worden sein." Im Folgenden ergötzt sich Moor über die Vorteile der neuen Zeitform. "Das ist Futur III: für Ereignisse, die höchstwahrscheinlich nie eintreffen." Gelte für den Berliner Flughafen wie auch für die Hamburger Elbphilharmonie. So weit, so amüsant. Doch leider ist diese Idee geklaut. Fast wortwörtlich sogar. Von eben jener Satireseite "Der Postillon".

Selbst die Pointe wurde übernommen

Nur wenige Tage vor der Sendung, erschien dort ein Text mit dem Titel "Neue Zeitform Futur III eingeführt, um Gespräche über Berliner Flughafen zu ermöglichen". Darin heißt es unter anderem: "Sprachwissenschaftler planen die Einführung der neuen Zeitform Futur III. Sie soll ausschließlich dazu dienen, Gespräche über den geplanten Berliner Flughafen zu ermöglichen." Nahezu wortgetreu hält sich Moor an die ungenannte Vorlage. Auch die Erörterung des "TTT"-Moderators über Futur I und Futur II kommen in dem Beitrag der Humorseite vor. Und selbst vor der "Postillon"-Schlusspointe "Nächstes Jahr um diese Zeit werde ich gerade meine Koffer aufgegeben hätten gehabt" macht der Kulturmann nicht halt.

Der geklaute Witz überrascht auch Stefan Sichermann, Autor des Originalbeitrags. "Ich sehe 'TTT' eigentlich sehr gerne. Umso mehr ärgert es mich, dass sie sich einfach bei mir bedienen", sagte der "Postillon"-Betreiber stern.de. Einen kleinen Hinweis auf seine Seite oder auf die Quelle hätte er sich gewünscht. Stattdessen: Dieter Moor streicht die Lacher alleine ein. Sichermann, der die Humorseite mit rund 20.000 Lesern pro Tag nahezu im Alleingang füllt, hält es außerdem für ungeschickt, nicht auf seine Autorenschaft hinzuweisen. "Ich bin am Montagmorgen von sieben, acht Lesern auf 'Schluss mit Moor' aufmerksam gemacht worden." Es sei also nicht so, dass niemand die Abkupferei mitbekommen hätte.

TTT-Macher will Autor Sichermann kontaktieren

"TTT"-Redaktionsleiter Christoph Bungartz ist der Vorfall unangenehm, er will aber trotzdem nicht von einem Plagiat sprechen. "Satire ist immer etwas freier als andere Formen des Journalismus. Dennoch müssen wir einräumen, dass die Quelle der Idee deutlicher hätte benannt werden müssen", sagte er stern.de.

Verantwortlich für den Inhalt von "Schluss mit Moor" ist der Moderator selbst, der normalerweise den Text mit einem Co-Autor zusammen schreibt. Der Mitarbeiter habe die Inspiration zur Glosse im Netz gefunden, so Bungartz. Die genauen Formulierungen jedoch hätten die beiden Verfasser dann nicht mehr weiter geprüft. Stefan Sichermann will erst einmal nicht gegen die Sendungsmacher vorgehen, hofft aber, "dass sie auf mich zukommen, um die Sache zu klären". Bungartz hat bereits mit dem Fürther Kontakt aufgenommen. Auch auf der Facebook-Seite von TTT gibt es eine Stellungnahme zu dem Thema. In dem Post ist die Rede von mehr Sorgfalt, aber den Namen des Urhebers nennt die Redaktion weiterhin nicht.

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo