Wenn Althistoriker und Archäologen losziehen, um – wie hier bei ARTE – letzte Rätsel der Menschheit zu lösen, muss man sich warm anziehen. Mithin sind die Produktionen mit digitalen Aufbereitungen hoffnungslos überladen. Aber die Idee, den römischen Kaiser Konstantin (306 bis 337) anhand verbliebener Bauten, Denkmäler und Schmuckstücke aufleben zu lassen, ist nicht schlecht, zumal das Fernsehen ja ein Bildmedium ist. Und hier wirken die Originalbilder: All die Bauten, Statuenreste, Goldmünzen und Edelsteine legen Zeugnis vom Leben der Herrscher und ihrer Untertanen ab, die – wie in diesem Falle – vor 2.000 Jahren lebten.
Von Trier, der ersten Hauptstadt des Kaisers Konstantin, geht die Reise in "Konstantin der Große – Auf Entdeckungsreise in Europa" zum Balkan, wo Konstantin um 280 nach Christus geboren wurde, nach Rom und schließlich nach Istanbul, das bekanntlich einst Byzanz und dann Konstantinopel hieß. Hinzu kommt eine verwirrende Familiengeschichte samt Intrigen, Mord und Totschlag, aber auch die Erscheinung eines Kreuzes am Himmel, das – jedenfalls für Konstantin – zum Sieg über einen letzten Gegner an der Milvischen Brücke bei Rom (312 n. Chr,) entscheidend beigetragen hat.
Dass Konstantin ein kalkulierender Machtmensch und erfolgreicher Kriegsherr war, der über ein Riesenreich regierte, geht aus dem Film hervor. Darüber, welche Rolle das Christentum mitsamt der sogenannten "Konstantinischen Wende" wirklich gespielt hat, mögen sich die Gelehrten weiterhin streiten. Schon im ZDF / ARTE-Film (Regie: Michael Gregor) treten ein paar zu viel von ihnen auf. Mehr Bilder nächstens, bitte. Und weniger Referate.
Dass die Regierungszeit des Kaisers Konstantin keineswegs mit dem Untergang Roms zu verwechseln ist, zeigt im Anschluss der Film "Rom – Untergang einer Weltmacht" (ARTE F, 2022). Nicht die Feinde Roms und die Unfähigkeit seiner Kaiser sollen am Untergang schuld gewesen sein, sondern Pandemien, die Dezimierung der Bevölkerung und verschiedene Umweltkatastrophen.
Konstantin der Große – Auf Entdeckungsreise in Europa – Sa. 30.05. – ARTE: 20.15 Uhr