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Stern Logo "Bauer sucht Frau" - Landwirte suchen ihr Liebesglück

"Bauer sucht Frau" auf RTL: Schwein müsste man sein

Die Balz beginnt: Inka Bauses Bauern empfangen ihre Damen - respektive ihren Herren - zur Hofwoche. Philipp geht direkt ran an seinen Traummann. Der Star der Sendung ist trotzdem ein anderer.

Von Sophie Lübbert

Auf die Größe kommt es an. Davon ist Uwe überzeugt. Deshalb fährt er direkt die ganz großen Geschütze auf und mit einer aparten Häckselmaschine am Bahnhof vor. "Die XXL-Variante", freut sich der Schweinebauer, pappt noch ein paar herzförmige Luftballons an das Gefährt und erwartet seine Angebetete Iris zur Hofwoche.

Denn es wird ernst bei "Bauer sucht Frau". Das Scheunenfest ist vorbei, jetzt kommt bäuerlicher Alltag im Schweinestall - und Langeweile für den Zuschauer vorm TV. Die Landwirte haben ihre Frauen gewählt, der aufregendste Teil der ganzen Staffel ist damit schon vorbei. RTL weiß das und versucht denselben alten Trick wie Häcksel-Fahrer Uwe: Viel hilft viel.

Momente der Magie im Pferdestall

Dafür muss direkt zu Beginn der zum Star dieser Staffel auserkorene schwule Pferdewirt Philipp herhalten. Bei ihm ist alles besonders: die Anzahl der erhaltenen Briefe, das gute Aussehen, die sexuelle Orientierung - Philipp ist prädestiniert für große Taten und gute Quoten.

Zuerst läuft alles nach Plan: Er fährt mit Kutsche zur Bushaltestelle, schaut dort Kandidaten-Mann Veit tief in die Augen und knutscht ihn zur Begrüßung mehrmals und in mit Kuschelrock-Musik unterlegter Slow-Motion-Einstellung ab. "Die Gefühle rasen durch den Körper", gibt der Pferdewirt zu Protokoll, vom "Moment der Magie" faselt Veit. Dann geht's auf den Hof und die Magie verschwindet so rasant wie sie gekommen ist: die Familie steht Spalier, Pferdebilder hängen an den Wänden und Veit darf im Stall die Gäule streicheln, dazu glücklich lächeln und Philipp minutenlang schweigend in die Augen starren. Wenig aufregend, aber besser als gar nichts - die beiden sind langweilig, aber wenigstens schwul.

Den Vorteil können die anderen Kandidaten nicht für sich beanspruchen. Schweinebauer Uwe macht zwar wirklich Punkte mit der Häckselmaschine, aber kredenzt dann zuhause Tiefkühlpizza. "Ich kann halt nur gut warm machen", erklärt der 41-Jährige und macht dazu ein Gesicht, als habe er gerade sein dunkelstes Geheimnis verraten. Hat er wahrscheinlich auch - allerdings reicht das kaum für gute Abendunterhaltung. Ähnlich aufregend geht es bei Thomas und Diana zu, die beide angeblich "pfundig", aber eigentlich nur übergewichtig sind. Auch Thomas hat seine Herzensdame mit viel Pomp vom Bahnhof eingesammelt, nämlich im Reisebus, den er nebenberuflich fährt ("Ich fahr' ab und zu Bus. Jeden Tag!"). Diana hat sich das idyllische Landleben anders vorgestellt, spricht wenig und schüttelt nur mit versteinertem Lächeln den Eltern ihres Bauern die Hand.

Der Nackt-Kalender an der Wohnzimmer-Bar

Rolf aus dem Münsterland will genau diese steife Langeweile verhindern und tut dafür einiges: zum Beispiel Kandidatin Silvia ohne Vorwarnung wild zu küssen. Sie wirkt verkrampft, aber darauf kann Rampensau-Rolf keine Rücksicht nehmen. Der seit Silvias Ankunft vom "einsamen" zum "heiteren Ackerbauern" beförderte Landwirt flüstert der hilflosen Frau "Du bist mein Herzhase" ins Ohr und zeigt stolz seine Wohnzimmer-Bar. Dummerweise hat er vergessen, den Nacktbilder-Kalender abzuhängen, dafür hängt dann direkt der Haussegen schief.

Und auch beim wortkargen Friedrich läuft nicht alles perfekt. Nicht nur, dass ihn Kandidatin Inge kaum wiedererkennt und seine trockenen Witze ("Aus der Dusche kommt nur kaltes Wasser - nein, das war Spaß, den habe ich immer in der Hinterhand") nicht mag - sie sieht nicht einmal, dass er extra die Teppichfransen im Eingangsbereich gekämmt hat.

Dafür merkt RTL, dass die Ereignisse nicht ausreichen, um die Zeit zwischen der teuren Werbung zu füllen - auch Reisebus und Häcksler können nicht verbergen, dass eigentlich gar nichts Spannendes passiert. Deshalb muss zum Schluss noch einmal der schwule Philipp ran. Er zeigt Mini-Schwein Pumba. Das trägt seine schwarz-weißen Borsten im Irokesen-Schnitt, schaut mit kleinen Knopfäuglein in die Kamera und mampft Bananen. Kurz: Pumba macht sofort vergessen, wie langatmig die 59 Minuten vor seinem Auftritt waren und zeigt: Viel hilft eben nicht viel. Der Kleinste ist hier ganz klar der Größte.

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