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Interview mit Pferdewirt Philipp "Schwul auf dem Land kann einsam machen"


Er ist der erste Schwule bei "Bauer sucht Frau" und der beliebteste Kandidat: Pferdewirt Philipp aus dem Sauerland. stern.de hat mit ihm über die Probleme bei seinem Outing, Stalker, Hochzeitspläne und über die Verklemmtheit von Inka Bause gesprochen.

Sie sind der erste schwule Bauer in der Sendung – und haben die meiste Fanpost von allen bekommen. Wie fühlt man sich als beliebtester Bauer Deutschlands?
Wenn ich lese was in Zeitungen und Zeitschriften über mich geschrieben wird, dann könnte man wirklich meinen, dass ich das bin. Mich freuen die vielen Komplimente und die vielen Briefe. Ich bekomme auch ganz viele SMS und Telefonanrufe von Leuten, die ich gar nicht kenne. Die erzählen mir dann, wie toll sie mich finden. Das schmeichelt schon.

Wie, Sie werden von wildfremden Menschen angerufen? Woher haben die denn Ihre Nummer?


Die ist ja kein Geheimnis. Ich habe ganz viele Geschäftskontakte und Kunden, die meine Telefonnummer haben. Noch ist das auch in einem Maß, wie ich es okay finde.

Haben Sie mit so viel positiver Resonanz gerechnet?


Dass da körbeweise Post kommt, davon war ich schon überrascht. Unter den Zusendungen waren aber auch viele Faker und Frauen, die nicht wahr haben wollten, dass ich schwul bin. Das hat dann eher genervt.

Sie können gerade Sätze sprechen, haben noch alle Zähne und sehen auch nicht so aus, als ob Sie Schwierigkeiten hätten, jemanden kennenzulernen. Wie kam es überhaupt, dass Sie sich für "Bauer sucht Frau" beworben haben?


Ich wurde sozusagen angeworben. Einer meiner Kunden hatte mich gefragt, ob ich Lust hätte, bei der Sendung mitzumachen. Das war bereits im vergangenen Jahr. Ich habe mir das überlegt und dachte, das könnte Spaß machen. Da ich dann aber einen Freund hatte, habe ich abgesagt. Als die Beziehung im Dezember auseinander ging, habe ich bei RTL angerufen und gefragt, ob sie mich für die nächste Staffel haben wollen.

Inka Bause hat Sie als mutig bezeichnet, denn bislang sind alle anderen möglichen schwulen Kandidaten abgesprungen. Haben Sie keine Angst vor Diskriminierung?
Nein, denn da hör' ich gar nicht mehr hin. Wenn ich früher mit einem Freund Händchen haltend durch mein Dorf gegangen bin, da hab' ich schon mal losgelassen, wenn uns jemand schief angeguckt hat. Heute interessiert mich das nicht mehr. Ich finde, dass jeder das Recht hat, glücklich zu werden, egal ob er Frauen oder Männer liebt.

Die meisten Homosexuellen zieht es in die Großstädte. Wie schwierig haben es Schwule auf dem Land?


In der Stadt ist es schon einfacher. Dort sind schwule Kneipen gleich um die Ecke und es ist leichter, Leute kennenzulernen. Ich muss mindestens eine Stunde fahren, wenn ich mal schwul ausgehen will. Schwul auf dem Land kann einsam machen. Und in den Städten muss sich auch niemand für seinen Lebensstil rechtfertigen, von wegen Händchen halten und so.

Sie hätten es sich ja auch einfach machen können und wegziehen.


Ich wollte das Landleben nicht aufgeben. Hier habe ich meine Tiere, hier konnte ich meine Leidenschaft zum Beruf machen. Die Stadt war nie ein Thema für mich.

Sie haben mit 14 gemerkt, dass Sie schwul sind. Wie war das damals?


Das war nicht einfach für mich. Ich war ohnehin ein Spätzünder und mit den Mädchen wollte es nicht so richtig klappen. Dann habe ich festgestellt, dass Männer mich viel mehr anziehen. Geoutet habe ich mich aber erst mit 17. Meine Mutter musste mich immer in einen Schwulenclub nach Hagen fahren - ich hatte ja noch keinen Führerschein und konnte hier nicht allein weg. Die hat dann auch gemerkt, dass da immer nur Jungs vor der Tür stehen und hat mich irgendwann mal gefragt, ob es sein könne, dass ich schwul sei. Dann war's raus.

Was hat ihre Familie dazu gesagt?


Meinem Vater haben wir es zuerst nicht erzählt. Der hatte auch am meisten Probleme damit. Meine Mutter ist aus der Stadt, für die war es einfacher. Und es gab auch teilweise negative Reaktionen, aber dazu möchte ich nichts sagen, sonst weiß der- oder diejenige ja, dass ich hier über sie rede.

Und wie haben Freunde reagiert?


Einige wirklich super, die standen zu mir, andere haben sich von mir abgewandt, sich einfach nicht mehr gemeldet. Mein Freundeskreis ist damals sehr geschrumpft. Am Anfang hat mir das zu schaffen gemacht, mittlerweile ist es mir aber egal. Nach der ersten Sendung haben sich ein paar wieder gemeldet nach dem Motto 'Wir haben dich im Fernsehen gesehen'. Die können mir jetzt aber gestohlen bleiben.

Wollen Sie mit Ihrer Teilnahme anderen schwulen Jugendlichen, die auf dem Land groß werden, ein Vorbild sein?


Für mich stand der Spaß-Faktor klar im Vordergrund. Und natürlich, dass ich einen Mann fürs Leben finden will. Aber wenn ich anderen Schwulen damit helfen kann, indem sie sehen, dass sie nicht alleine sind, würde ich das toll finden. Man muss dazu stehen, womit man glücklich ist.

Wie fanden Sie denn den Satz, mit dem Inka Bause Sie in der Sendung vorgestellt hat: Sie seien der "erste Bauer dieser Art"? Ganz schön verklemmt, oder?


Ja, das fand ich auch. Ich bin keine 'Art', ich bin ein ganz normaler Mensch. Ich habe ihr dann ja auch gesagt, dass sie schwul sagen kann. Da ist ja nix Schlimmes dabei.

Viele werfen RTL vor, dass die Bauern in der Sendung vorgeführt werden. Hatten Sie da keine Angst vor?


Nein, gar nicht. Ich habe das ganze Produktionsteam vorher kennengelernt und die waren alle sehr nett zu mir. Die haben während der Dreharbeiten auch nicht versucht, das in irgendeine Richtung zu lenken, sondern die haben meinen und Veits (Anm. d. Red.: Der Bewerber, den Philipp auf seinen Hof eingeladen hat) Tagesablauf so gefilmt, wie er wirklich war. Das war teilweise sehr anstrengend, weil wir fast gar keine Zeit für uns alleine hatten. Aber nach der ersten Sendung bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Zwischen Ihnen und Veith scheint es richtig gefunkt zu haben. Kann RTL denn schon die Sondersendung "Die Hochzeit von Philipp und Veit" planen?


Ich würde sagen, da müssen die Zuschauer die Sendung bis zu Ende gucken.

Aber eine Hochzeit könnten Sie sich generell schon vorstellen?


Ja, wenn's passt und ich den Mann fürs Leben finde. Deshalb habe ich ja auch einen älteren Mann gesucht, der weiß, was er will, und mit beiden Beinen im Leben steht.

Bekommen die RTL-Zuschauer Sie denn wenigstens noch oberkörperfrei zu sehen?


Ich habe ja keinen Einfluss darauf, welches Videomaterial RTL für die Sendung verwendet. Aber ich glaube mich zu erinnern, dass es Aufnahmen gab, wo ich das T-Shirt aushatte. Falls das nicht gesendet wird, müssen die Zuschauer sich nicht bei mir, sondern bei RTL beschweren.

*Philipps Nachname wird auf seinen Wunsch nicht genannt

Interview: Jens Maier

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