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Das Fernsehgericht tagt: "Ein todsicherer Plan": Bankraub aus Versehen

Ein Höhepunkt des Fernsehjahres: Der Thriller "Ein tödlicher Plan" erzählt, wie zwei ganz normale Verlierer zu Bankräubern werden.

Von Oliver Creutz

Es gibt Tage, an denen man sich morgens eher knapp von seinem Partner verabschiedet. Später meldet sich man bei ihm, um sich für seine schlechte Laune zu entschuldigen. Als Anne Roth ihren Mann anruft, um genau das zu tun, erreicht sie ihn in einer Bank, die er gerade überfallen hat.

Der Schreiner Klaus Roth (gespielt von Richy Müller) ist zum Bankräuber geworden, eher aus Versehen. Zusammen mit seinem ehemaligen Mitarbeiter Achim Buchert (Martin Butzke) wollte er einen Geldtransport ausrauben. Nach weniger als fünf Filmminuten fällt der erste Schuss, und bevor der Überfall überhaupt losgehen konnte, ist so ziemlich alles schief gegangen. Nun hocken die Räuber in einer Bank in der schönen Stadt Ladenburg fest, zusammen mit vier Angestellten und einem Sicherheitsmann, die sie von nun als Geiseln behandeln. Buchert, der als Soldat in Afghanistan diente, hat sich bewaffnet mit Sturmgewehr und Sprengstoff - sein Leben ist ein Krieg.

Niemand weiß, was nun zu tun ist. Die Bankräuber, die örtlichen Polizisten, die Geiseln - alle diskutieren untereinander, nicht miteinander. Ein Angestellter bemüht sich um eine Lösung und fragt daraufhin den Filialleiter, ob sich sein Engagement günstig auf seine Karriere auswirke. Eine Kollegin sagt: "Wenn das vorbei ist, werden wir zu Talkshows eingeladen." Der Polizei-Chef kennt Klaus Roth - dieser hat ihm die Eingangstür geschreinert - und will die Angelegenheit auf dem kurzen Dienstweg regeln, doch zu spät: Das LKA ist schon da, Einsatzkräfte, Scharfschützen. Buchert hat nun seinen Krieg, auch wenn Roth ihn ermahnt: "Wir machen doch hier keinen Western." Es ist wie bei beim Umfallen von Dominosteinen: Nichts kann sie mehr aufhalten.

Zwei ganz normale Verlierer

Der Thriller "Ein todsicherer Plan" wandelt sich nun für kurze Zeit in ein Drama: Die Gangster sind zwei ganz normale Verlierer, deren Lebenstraum weggespült wurde wie eine Sandburg in der Flut. Die Bank hatte seinen Kredit an eine größere Bank verkauft, erfährt Roth nun in einer Art Kundengespräch unter verschärften Bedingungen. Danach musste er seine Firma schließen und sein Haus verkaufen. Sparkassen-Sprüche wie "Bei uns steht der Mensch im Vordergrund" erscheinen ihm als absurder Zynismus. Durch den Überfall wollte er sich sein Geld zurückholen. Draußen vor der Bank stehen seine Frau und seine kleine Tochter, das Schmusetier umklammernd. Er wollte eigentlich alles ins Lot bringen. Jetzt muss er zusehen, dass er mit dem Leben davon kommt, denn das LKA und seine Einsatzleiterin (Julia Brendler) haben den Kampf angenommen - mit allen erforderlichen Mitteln.

Richy Müller spielt den Roth ins Götz-George-hafte hinein; er nuschelt halb verzweifelt, halb mannhaft in seinen grauen Bart. Dass hier ein Schauspieler agiert, der sonst den "Tatort"-Kommissar gibt, kommt dem Zuschauer nie in den Sinn. Die Dramaturgie des Films, inszeniert von Roland Suso Richter, funktioniert wie eine Schraubendrehung bis zum Anschlag. Der Fall wird konsequent zu Ende geführt, erbarmungslos konsequent. Das letzte Bild gehört dem Schmusetier von Roths Tochter.

Urteil: Ein trockener Thriller ohne Weichzeichner. Ein Höhepunkt des Fernsehjahres.

"Ein todsicherer Plan" läuft am 14. Mai um 20.15 Uhr im Ersten