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ARD-Komödie: Axel Milberg ist der "Liebling des Himmels"

Axel Milberg und Mario Adorf agieren mit Gusto in Dani Levys Komödie "Der Liebling des Himmels". Die teilweise rabenschwarze Geschichte dreht sich um die Seelenstarre eines Psychiaters.

Mario Adorf und Axel Milberg in "Der Liebling des Himmels"

Für die ARD-Komödie "Der Liebling des Himmels" standen Mario Adorf (l.) und Axel Milberg gemeinsam vor der Kamera

Es sollte unbedingt ein Zwangsneurotiker sein. Als der renommierte Filmemacher Dani Levy ("Alles auf Zucker!", "Mein Führer") gebeten wurde, für die ARD eine Komödie mit dem nicht minder berühmten Axel Milberg (Kieler "Tatort") in der Hauptrolle zu schreiben und zu inszenieren, stand für ihn als erstes der grundlegende Zustand der Figur fest. "Das ist mir intuitiv aus der Seele geflossen, hat also bestimmt viel mit mir selbst zu tun", sagte Levy der Deutschen Presse-Agentur. Auch sonst verarbeite er in "Der Liebling des Himmels" an diesem Freitag (20.15 Uhr) wie immer in seinen Werken viel eigene Lebenserfahrung, sagt der 1957 in Basel (Schweiz) als Sohn einer jüdischen Arztfamilie geborene Künstler.

Sein Zwangsneurotiker wurde schließlich ein anerkannter Psychiater in diesem auch in kleinen Rollen starbesetzten und mit subversivem Humor gesegneten Komödien-Kleinod. Dr. Magnus Sorel (Milberg), Mann in den besten Jahren, erzielt bei hellsichtig-scharfem Umgang mit seinen Patienten große Heilungserfolge. Nur in seinem Inneren sieht es - verborgen hinter autoritärem, auch jovialem Auftreten - fatal aus.

Abgezähltes Toilettenpapier

Penibel zählt Sorel Schritte und die Blätter zu benutzenden Toilettenpapiers. Gefühle lässt er dagegen kaum zu. In seiner mit asiatischer Kunst ausgestatteten Wohnung in der kühlen Hamburger Hafencity hat er sich verschanzt. Von seiner Frau (Jenny Schily) geschieden und dem Teenagersohn (Jakub Gierszal) gemieden, ist der Überempfindliche zudem seinem Psychiater-Übervater Magnus Sorel senior (Mario Adorf mit langem grauen Zopf als sehenswerter Althippie-Schamane) nicht gewachsen.

Bei so wenig Selbsterkenntnis lässt Unglück kaum lange auf sich warten. Wobei Sorel - in seiner lächerlichen, verklemmten Arroganz von Milberg wundersam differenziert gezeichnet - anderen stets predigt, Krise sei Chance. Für ihn beginnt die Erschütterung mit der tödlichen Krebserkrankung seiner Ex, der er mit den Worten begegnet "Da schau her, rank und schlank! Du wolltest doch immer abnehmen."

Dreharbeiten ohne Proben

Der egomanische Seelendoktor und feinsinnige Opernfreund wird zudem von einer Patientin, einer vollbusigen Kroatin (Andreja Schneider) ohne Geschmack, wegen sexueller Nötigung angezeigt und hat mit Erpressung zu kämpfen - ein Unbekannter hat seine Tagebücher gestohlen, die seine tiefsten Abgründe offenbaren. Nach einem verpatzten Auftritt bei "Günther Jauch" probiert Sorel mit Gewalt, die Bücher wieder in seinen Besitz zu bringen. Womit er sich natürlich auf dem Holzweg befindet.

Wahrhaft entsetzlich ist also die Seelenpein des Titelhelden - und so abstrus wie hintersinnig komisch diese außergewöhnliche Produktion der Nordfilm GmbH im Auftrag der ARD-Tochter Degeto und des Norddeutschen Rundfunks (NDR), in der unter anderem auch Stefan Kurt, Hark Bohm und Karl Dall mitwirken. Die in sich stimmige Tonart des Films ist umso bemerkenswerter, als bei den Dreharbeiten nicht geprobt wurde - jede einzelne Szene nur einmal gespielt und sofort verwendet.

Keine Kritik am Psychiater-Stand

Es soll laut Milberg Seelenverwandtschaft mit im Spiel gewesen sein zwischen den Schauspielern und ihrem Autor und Regisseur. "Dabei handelt es sich im Grunde um jüdischen Humor. Das ist die Art, wie ich ins Leben gucke", sagte Levy, "die bringe ich aus meiner Familie und auch aus meiner Zeit beim Jüdischen Jugendbund kulturell mit." So habe ihn sein Vater, ein Neurochirurg, gern scharfzüngig kritisiert, "aber nie verbissen-autoritär, sondern immer mit Schalk und Ironie."

Sein Film, der Ende Juni sehr erfolgreich das Festival des deutschen Films in Ludwigshafen eröffnet hat, sei dabei nicht als Kritik am Psychiater-Stand zu verstehen, betonte Levy. Vielmehr wolle er mit der Figur Sorel eine Person abbilden, die mit allen Mitteln versucht, ihr Geheimnis zu bewahren - und den eigenen Macken gar nicht auf die Spur kommen möchte. "Filmen ist für mich eben auch eine Art, mir die Dinge von der Seele zu schreiben", erklärte der Künstler und fügte hinzu: "Außerdem bin ich Optimist und glaube, dass jeder sich jederzeit ändern kann, wenn er will."

Ulrike Corde / DPA
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