Der Moderatorencheck Wetterfrosch auf Wissenstrip


Moderatorentrainer Michael Rossié beleuchtet für stern.de regelmäßig Moderatoren und ihre neuen Sendungen. Diese Woche hat er Karsten Schwanke auf seinem "Abenteuer Wissen" begleitet.
Von Michael Rossié

Zuerst war ich skeptisch. Müssen denn jetzt auch noch Meteorologen moderieren? Sollte man da nicht einen Moderator nehmen, der das gelernt hat? Aber als ich mir die erste Sendung dann ansah, wie er da locker und schlaksig ins Studio kam und mir mit seiner naiven Neugier das "Abenteuer Wissen" vermittelte, da war ich angenehm überrascht. Karsten Schwanke ist jemand, dem ich abnehme, was er sagt. Und wenn er in der Sendung ein Hubschraubermodell vorstellt, dann scheint er sich damit wirklich auszukennen und wurde nicht nur kurz vor der Sendung eingewiesen. Die Beiträge werden außerdem von einem ausgezeichneten Sprecher aus dem Off kommentiert.

ZDF-Moderatoren folgen den Studiomarkierungen

Um im ZDF Sendungen moderieren zu dürfen, muss man ja vor allen Dingen eins können: Unvermittelt im Satz in irgendeine vorher festgelegte Richtung losstürzen und sich von einer Markierung zur nächsten bewegen können, ohne dabei auf den Boden zu starren. Der Blick sollte dabei immer gebannt in die Kamera gerichtet sein. Rednern würde ich dieses sinnlose, blinde Herumgelaufe auf jeden Fall verbieten, aber in manchen Sendern gilt das als Markenzeichen. Man läuft rein und wechselt ohne Begründung auf bestimmte Stichworte die Position im Studio. Die Kameras werden ebenso ununterbrochen herumgefahren, damit den Kameraassistenten nicht langweilig wird.

Kein Oberlehrer-Gehabe

Auch Joachim Bublath läuft ja in seinen Sendungen immer brav seine Markierungen ab, wenn er ein Zeichen bekommt, und genau das macht auch Karsten Schwanke. Und am Ende der Sendung hat er aus dem Bild zu laufen. Damit es immer schön dynamisch wird. Aber von Joachim Bublath sind wir ja eher den Oberlehrerton gewöhnt. Da wird jedes Wort betont ("WIR ZEIGEN Ihnen MAL was WIRKLICH DAHINTER STECKT.") und er nimmt alles so furchtbar wichtig, damit der noch unwissende Zuschauer auch nur ja alles kapiert. Das ist beim Zusehen fürchterlich ermüdend. Und weil das, was viele machen, auch gut sein muss, redet auch Wigald Boning in "clever" in demselben druckvollen eintönigen Singsang. Teleprompter machen die Arbeit für die beiden eben leichter, aber nicht unbedingt besser.

Authentisch und locker

Ganz anders Karsten Schwanke: Auch in seiner dritten Sendung moderiert er alles mit einer erfrischenden Natürlichkeit, so dass man seinen Erklärungen gerne folgt. Und wenn er in der ersten Folge einen privaten Satz sagen durfte, "für mich geht ein Traum in Erfüllung!", dann glaubt man ihm das aufs Wort. Natürlich sitzt er auch selbst im Flugsimulator und stellt dort die gleichen dummen Fragen, die wir alle stellen würden: "Wo kann man sich denn hier festhalten?". Die übergroße Moderationskarte braucht er selten und benutzt sie ganz beiläufig für Namen und Zahlen.

Das "i" wird zum "ö"

Nur in kleinen Sequenzen wird er so deutlich und malt, was er sagt, so plastisch in die Luft, dass wir das Gefühl bekommen könnten, dass er sich an ein älteres, möglicherweise schon etwas begriffsstutziges Publikum wendet ("Wenn es HEISS wird, dann fließt STROM..."). Das "i" wird oft ein "ö" ("über die Schömmelpölze mal plastösch döskutieren"), aber der Unterton stimmt, ich glaube ihm. Die Augenbrauen werden nicht ständig hochgerissen, und es fehlt das übertriebene Vermarkten weltbewegender Fakten und televisionärer Sensationen.

Übertriebene Pausen

Natürlich werden auch mal Kommas gesprochen ("Nur weiß niemand - wo genau" oder "Im Simulator habe ich - nachdem die Kamera aus war - selbst Hand angelegt"), aber die meiste Zeit denkt Karsten Schwanke jeden Satz, den er sagt, und hält sich nicht an vorgefertigten Texten fest, die ihm jemand anders geschrieben hat.

Eine besondere Angewohnheit sind allerdings die überflüssigen Pausen mitten im Gedanken, die auf die Dauer etwas irritieren. Ob bei "Hut ab - vor diesen Fliegern." oder "Wind - ist unsichtbar." Diese Pausen ziehen sich durch die ganze Sendung, ohne dass man ihren Sinn begreift.

"Das war's - für heute. Uns gibt es wieder – am 29. März." Mittwochs um 22.15 Uhr im ZDF. Ein Termin, auf den sich Freunde von Wissenschaftsendungen sicher freuen können, zumindest, was die Moderation angeht.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker