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"DSDS": Einmal den Dieter knuddeln

Von der "Taubstummen-Hose" bis zum "Klopups-Imitator": Auch in der dritten "DSDS"-Folge holten sich die Kandidaten von Dieter Bohlen ihre Dosis Demütigung ab. Alles nur für ein bisschen Ruhm und Rampenlicht. Einer reiste sogar frisch aus dem Gefängnis an.

Von Mark Stöhr

"Wenn man untenrum mehr anhat, kann man obenrum weniger tragen." So weit, so gut. Auch der Umkehrschluss entbehrt nicht einer gewissen Logik: "Wenn es oben viel ist, kann es untenrum weniger sein." Andrea aus Hamburg hat sich für die erste Variante entschieden. Untenrum viel, eine lange schwarze Leder-Leggins und hohe Schuhe nämlich, obenrum wenig, man könnte auch sagen: fast nichts. Das ist bei "DSDS" schon die halbe Miete. Und wenn Dieter Bohlen noch einen Altherren-Witz anbringen kann, ist der Recall geschafft. Der gestern ging so: "Du hast eine Taubstummen-Hose an - die Lippen bewegen sich, aber man hört nichts." So was erzählt man sich im Swingerclub am Büffet oder eben bei RTL in der Kantine.

Vollnieten fester Bestandteil der ersten Shows

Im Stahlbad des Stumpfsinns wurde wieder eine Stunde lang scharf geschossen. Auf der einen Seite die Malle-Machos Bohlen und Neumüller, die sich gegenseitig die Bälle zuwarfen und ihre Jurykollegin Nina Eichinger wie gewohnt ins Leere greifen ließen. Auf der anderen Seite die Troubadoure, die sich für ein bisschen Ruhm und Rampenlicht den Arm und zwei Zehen abhacken würden. Manche sind auch nur gekommen, um sich ihren größten Lebenstraum nach der Gesangskarriere zu erfüllen: einmal den Dieter knuddeln. Wie Jana-Marie aus Husum. Die warf sich in die Arme der Pop-Mumie, selbst nachdem die ihr eine bodenlose Unverschämtheit serviert hatte: "Setz dich mit dem Po auf‘n Grill, dann hast du deinen ersten glühenden Verehrer."

Die Vollnieten sind fester Bestandteil der ersten Sendungen, bis die Mottoshows beginnen. Sie sind das Kanonenfutter fürs Volksvergnügen. Tony, ein sächsischer Hobby-Feuerwehrmann, gab "Ich möcht‘ gern wissen, wie‘s dir geht" von Matthias Reim zum Besten und bekam von Bohlen die passende Antwort ("Du hast einen Stock im Arsch. Leider keinen Taktstock"). Er kann sich nun genauso sein Gesicht umoperieren lassen wie Rico, der weder an der Gitarre noch mit seiner Stimme reüssieren konnte. Bohlen mal halbwegs geistreich: "Damit kannst du die Wasserbüffel bei euch von der Weide jagen."

Menowin kam frisch aus dem Knast

Besonders hart traf es Sebastian, dem in diesem Schmierentheater die Rolle des Fieslings zukam. Siegesgewiss trat er vor die Jury ("Scheitern kommt nicht in Frage, wir sehen uns im Finale") und erlebte sein persönliches Waterloo. Selten prügelte der Hau-Drauf aus Tötensen auf einen Kandidaten rücksichtsloser ein. Es grenzte schon fast an Körperverletzung. Sebastians Stimme klinge wie ein "besoffener Lurch", polterte der 55-Jährige, "zwischen Kotzen und einen Joint geraucht". Doch damit nicht genug: "Werde doch Klopups-Imitator. Wenn du auf'm Klo sitzt, und neben dir sitzt ein anderer, und du singst und der furzt, dann denkt ihr beide, ihr singt im Duett."

Doch zu viel Fäkalinjurien verderben die Soap-Soße. Menowin war extra frisch aus dem Knast angereist, um das RTL-Gemüt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Vor vier Jahren kam er bei "DSDS" unter die Top 20, wurde dort noch während der Staffel wegen Computerbetruges, Körperverletzung und Waffenbesitzes angeklagt und anschließend für einige Zeit aus dem Verkehr gezogen. Nun ist er natürlich geläutert und hat nur ein Ziel: sich um seinen dreijährigen Sohn kümmern und Superstar werden. Vielleicht auch umgekehrt. Er trug den gleichen kieksigen R&B-Mist vor wie die meisten Kandidaten und erntete erwartungsgemäß Begeisterungsstürme der Jury. Wahrscheinlich hätte er auch was von Costa Cordalis oder Hans Hartz singen können und wäre damit trotzdem durchgekommen. Sein Schicksal ist einfach zu wertvoll für die Mehrfachauswertung.

Ex-Knacki und Leggins-Knackwurst im Recall

Somit treffen sich also Menowin, der Ex-Knacki ("Ich muss meiner Bewährungshelferin Bescheid geben"), und Andrea, die Leggins-Knackwurst, im Recall. Um auch die nächste Runde zu überstehen, sollte die Hamburgerin aber nicht nur darauf achten, dass "untenrum" alles sitzt, sondern unbedingt "obenrum" aufrüsten. Den Taubstummenwitz konterte sie nämlich gestern mit der ernstgemeinten Frage: "Wie, man hört nichts?! Soll ich lauter sprechen?"