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Ein "Popularisator" im "Philosophischen Quartett": Sloterdijk greift TV-Nachfolger Precht an

Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski bitten nach zehn Jahren zum letzten Mal zum "Philosophischen Quartett". Vor der finalen Sendung wettert Sloterdijk gegen seinen Nachfolger Richard David Precht und beschwert sich über seine "stillose" Absetzung.

Der Philosoph Peter Sloterdijk, 64, der an diesem Sonntag zum letzten Mal seine ZDF-Sendung "Das Philosophische Quartett" moderiert, greift seinen Fernsehnachfolger Richard David Precht, 47, an. "Precht ist vom Handwerk her Journalist und als solcher Popularisator von Beruf. Ob er wirklich, wie das ZDF annimmt, zu einer Verjüngung des Publikums beitragen wird, bezweifle ich allerdings", sagte der Karlsruher Professor der Wochenzeitung "Die Zeit" (Donnerstag). "Seine Klientel gleicht eher der von André Rieu, den hören auch vor allem Damen über 50 in spätidealistischer Stimmung."

Sloterdijks Co-Moderator Rüdiger Safransk, 67, sagte über den Bestseller-Autor Precht ("Wer bin ich - und wenn ja wie viele?"): "Wir wissen ja noch nicht genau, wie die Sendung aussehen soll, eine Art Magazin. Ich wünsche ihm alles Glück der Welt."

Das ZDF hatte am 26. März mitgeteilt: "Es war eine schöne Zeit, wir haben Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski viel zu verdanken. Wir haben mit den beiden Spitzenphilosophen eine unverwechselbare Marke im Kulturfernsehen gesetzt. Es ist nun aber doch die Zeit gekommen, dass wir im Zeichen des Wandels im ZDF nach zehn Jahren neue Wege gehen wollen."

Absetzung wurde kurzfristig mitgeteilt

Die beiden Philosophen und Autoren beschweren sich im "Zeit"-Interview über das ZDF, das sie erst am Vorabend der vergangenen Sendung (25. März) über die bevorstehende Absetzung unterrichtet habe. Safranski: "Die Form des Abschieds stimmte natürlich nicht. Man hätte vorher über die Pläne mit uns reden müssen. Das war ganz einfach stillos."

Sloterdijk fügte hinzu: "Nach über zehn Jahren Zusammenarbeit wäre ein Gespräch über eine gemeinsame Ausstiegsperspektive nicht unangemessen gewesen. Dass der neue Intendant Thomas Bellut sich in einer seiner ersten Amtshandlungen das "Quartett" vornehmen würde, war uns allerdings von vornherein klar."

"Das Philosophische Quartett" - 63. und letzte Ausgabe am 13. Mai (00.10 Uhr in der Nacht zum 14. Mai): Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski diskutieren mit ihren Gästen, dem Schriftsteller Martin Walser und dem Verleger Michael Krüger (Carl Hanser Verlag), das Thema "Die Kunst des Aufhörens".

kave/DPA / dpa