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"Germany's next Topmodel": Schreien hilft

Auf Hawaii sollten sich die übrig gebliebenen sieben Kandidatinnen von ihrer wilden Seite zeigen. Doch wild waren auf der Trauminsel nur die Delfine - und Mandy, die beim Casting ihre Krallen zeigte.

Von Julia Stanek

Die zwölfte Folge von "Germany's next Topmodel" hatte etwas von Weltfrieden: Kein Zickenterror, kaum Tränen. Vielleicht lag es ja an der Kulisse: Die Juroren Peyman Amin und Rolf Scheider haben die übrig gebliebenen sieben Kandidatinnen auf die Trauminsel Hawaii entführt. Ein Trip, der den Mädels gut tun sollte. Doch was friedlich begann, sollte für manch ein Topmodel zur Feuerprobe werden. Denn auf Hawaii wollte die Jury "starke Frauen" sehen und nicht "das nette Mädchen von nebenan". Das aber fiel vielen Kandidatinnen schwer.

Noch ganz weichgespült von der Begrüßung mit Blumenkranz und Hula-Hüftschwung gehen die sieben Mädchen ins Jobcasting. Für die beiden Parfüms "Very Nice" und "Very Wild" sollen sie sich von zwei Seiten zeigen: Für das erste charmant und zart, für das zweite wild und hart. Eine nach der anderen lächelt sich um den Verstand. Sie alle wollen den Job, wollen Gas geben, wie Peyman ihnen gesagt hat.

Doch so richtig wild wird nur Mandy: Sie stößt einen gellenden Schrei aus und stürzt in Richtung Jury, knallt ihre Hände auf den Tisch und fährt die Model-Agentin Maria Pambori lauthals an: "Ich will den Job bekommen!" Die Jurorin ist entzückt von der 18-jährigen Blondine und ihrer ruppigen Inszenierung: Mandy gewinnt das Casting.

Für die übrigen sechs Mädchen zaubern Peyman und Scheider eine ganze besondere "Challenge" aus dem Hut: Ein Selbst-Shooting. In Zweierteams sollen sich die Kandidatinnen zusammentun und sich gegenseitig fotografieren. Zwei am Strand, zwei im Regenwald und zwei auf einem Vulkanfelsen. Voller Vorfreude strahlen sich die Mädchen an und bilden Gruppen. Doch bevor es an den Strand geht, gibt Make-up-Experte Boris Entrup einen echten Insider-Tipp: "Gerade wenn du auf der Nase Sonnenbrand bekommt, vorher nen hohen Sonnenschutz draufgeben!" Danke für den Hinweis.

Mit Kriegsbemalung im Busch

Die große Herausforderung beim Selbst-Shooting besteht laut Jury darin, Teamgeist zu beweisen und auf den Fotos eine starke Persönlichkeit zu zeigen. Wer wo Fotos machen darf, wird per Los entschieden. Und wie fast immer sind erstmal alle angenervt von ihrem Schicksal: Sarina ist mürrisch, weil sie und Marie nicht an den Strand dürfen, sondern ihre Fotos im Regenwald machen müssen. Maria und Sara wollen gerade nicht an den Strand, haben aber genau dieses Los gezogen. Nur Ira und Jessica scheinen zufrieden mit dem Vulkangestein zu sein, auf dem sie eine Stunde lang posen und knipsen sollen.

Tief im Busch halten sich Sarina und Marie für besonders kreativ. Ihre Idee, auf Bäume zu klettern und aus einem Meter Höhe Sprünge zu wagen, erscheint ihnen brillant. Doch Peyman kann darüber nur den Kopf schütteln: "Hat was von Tarzan und Jane, was ihr hier treibt! Spielt ihr Verstecken?" Auch zur Kriegsbemalung - die beiden Dschungeldamen haben sich schwarze Balken auf die Wangen gemalt - fällt der Jury nicht viel ein: "Die sind doch total daneben, die sind verloren hier im Wald!"

Auch für Sara und Maria gibt es kein Lob. Wer sich in heranschwappenden Wellen räkelt, wirke bestenfalls sexy, aber nicht stark.

Einzig Ira und Jessica machen beim Shooting eine gute Figur. Als Lohn dürfen die beiden Busenfreundinnen mit wilden Delfinen schwimmen gehen, ein Erlebnis, das die beiden noch mehr zusammenschweißt. Zu sehr, findet Model-Mama Heidi Klum: Die Mädchen müssten sich im Klaren sein, dass sie Konkurrentinnen sind.

Suche nach der Rampensau

Zurück in Los Angeles wartet ein weiterer Action-Tag auf die sieben Kandidatinnen. Die Jury will wissen, wie sich die Models als Rockladies machen. Sehr einfallsreich, hatte es doch erst vor zwei Wochen eine Kostprobe vom Model-Headbanging und Sarinas "Abspack-Dance" gegeben. Um aber zu vermeiden, dass die Nummer wieder in einer Performance endet, die zum Fremdschämen nur so einlädt, haben die Juroren diesmal einen Plan: Echte Rockstars sollen aus Ira, Maria, Marie, Sara, Sarina, Mandy und Jessica echte Rampensäue machen.

Nach dem mehr oder weniger professionellen Rockstar-Coaching durch Joel und Benji von der US-Band "Good Charlotte" ("Du kannst die Saiten mit den Fingern zupfen") streifen sich die Kandidatinnen am nächsten Tag die passenden Outfits über: Mit schwarzer Glanzleggins, Lack-High-Heels und Lederweste ist Sarina diejenige, die den Laden am meisten rockt. Auch Mandy legt sich mächtig ins Zeug, singt lauthals und schmeißt den Mikroständer auf den Boden.

Marie will ebenfalls singen, doch als sie an der Reihe ist und beim Rocken den Mund aufmacht, greift Fotograf Marc Baptiste panisch ein: "Sie sollte nicht singen. Es ist schrecklich!"

Letztlich ist es Ira, die Heidi verärgert und kein Foto von ihr bekommt. Vor der Rockshow hatte die 21-Jährige ihre Mitstreiterinnen noch aufgemuntert: "Wir sind in 13 Grad kaltes Wasser gesprungen, wir haben uns halbnackt in Downtown L.A. auf die Straße gestellt und wir haben ne Kakerlake im Gesicht hängen gehabt - was soll denn da noch Schlimmeres kommen?" Vielleicht die Aufforderung, Spaß auf Knopfdruck zu haben? Dies hatte Gouvernante Klum bei der Rock-Performance von den Kandidatinnen verlangt. Und Ira musste passen.