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Finale "Germany's next Topmodel": Go-Go-Girls und Busenflitzer

Lovelyn ist die Siegerin im GNTM-Finale. Doch warum stürmen Nackte den Laufsteg? Die Klum ist verdattert, der Hintern spielt trotzdem die größte Rolle.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Wenn es um nackte Brüste geht, ist Heidi Klum beileibe nicht zimperlich. Hat es sich die blonde Model-Mama erst mal in den Kopf gesetzt, dass "ihre Mädels" im Evakostüm zum Foto-Shooting antreten müssen, dann Abmarsch und keine Diskussion. Luise musste sich hüllenlos am Strand wälzen, Sabrina kuschelte splitterfasernackt mit einem Baumstamm. Aber nicht jeder Busen macht das, was Heidi will - und das ist gut so. Im Finale von "Germany's next Topmodel" 2013 am Donnerstagabend blitzten Brüste auf, und das ohne sich vorher eine Klumsche Vollmacht abzuholen: Zwei Femen-Aktivistinnen stürmten auf den Laufsteg, auf ihren bloßen Oberkörpern die Slogans "Sadistic Show" und "Heidi Horror Picture Show". Ordner zerrten sie ruckzuck weg von der Bildfläche. Und Heidi verdattert: "Ich habe gerade Busen vor mir gesehen." Man kann ihr viel vorwerfen, aber eine scharfe Beobachtungsgabe, die hat sie, keine Frage. Womit bewiesen wäre, dass ihre Augen mehr können als Körperfett scannen.

Ja, ein Horror ist's, und der Grusel packt einen jedes Mal aufs Neue, wenn Teenies nicht nur brav und gehorsam ihre Klamotten ablegen, sondern auch ihren Willen und ihre Selbstachtung, besessen von diesem einen Traum, Model zu werden. Und das Paradoxe: Sie verkünden diese Unterwerfung unter den Beauty-Terror auch noch voller Stolz, wie beispielsweise Lovelyn, die da strahlend sagte: "Von A bis Z habe ich alles mitgemacht mit meinen 16 Jahren." Die 10.000 Zuschauer in der Mannheimer SAP-Arena grölten. Nicht vor Entsetzen, sondern vor Begeisterung. Gefeiert wird der Mensch, der Model-Dienst nach Vorschrift macht. Ein Hoch auf den Gehorsam. Ein Albtraum. Aber man müsste dafür in den Geschichtsbüchern geblättert haben, um zu wissen, wohin strammes Parieren führt - und nicht in Glamour-Magazinen. Lovelyn Enebechi aus Hamburg jedenfalls, die Jüngste im Bunde, hat wohl alles genau richtig gemacht im GNTM-Kosmos. Und das bedeutet: Sie ist die Siegerin.

Festkrallen an der rosaroten Wolke

Über 10.000 Bewerberinnen kamen zu den Castings in 23 Städten. Aber auch für die achte GNTM-Staffel gilt freilich Heidis penetrantes Mantra, das da lautet: "Nur eine kann 'Germany's next Topmodel' werden." Den zweiten Platz ergatterte Maike van Grieken aus Köln, rotblond, 19 Jahre alt, von ihren Konkurrentinnen als Außenseiterin abgestempelt. "Ich habe ein Aussehen", wusste sie immerhin über sich zu sagen. Juror Thomas Hayo wurde konkreter: "Du bist nicht die klassische Schönheit." Um schmeichelnd anzufügen: "Die Kamera ist vielen gegenüber ungnädig, dich liebt sie." Die Drittplatzierte Luise Will wurde von Heidi Klum mit den Worten getröstet: "Du bist ein tolles Mädchen." Und: "Du hast das Million-Dollar-Face." Für die 21-jährige Sabrina Elsner blieb nur noch Platz vier und ein extra breites Plastiklächeln übrig. "Ich habe mit dir Eier geholt im Stall. Wir haben dich sehr gerne", so Heidi, die gerne ihre Sätze so aufsagt, als würde sie sich um eine Rolle in einer Daily Soap bewerben.

Apropos. Um was bewerben sich die GNTM-Mädchen eigentlich? Auch das ist so eine Frage, die nicht eindeutig geklärt ist. "Es geht hier nur um euren Hintern", legt Trainer David beim Burlesque-Training mit allen 25 Kandidatinnen der Staffel offen, das via Einspieler gezeigt wird. Inklusive Sonderanforderungen an die vier Finalistinnen, etwa an Sabrina, die mit High Heels in eine Badewanne steigen muss. Dabei strikt dem obersten und einzigen Gebot folgend: Du sollst sexy sein. Diese Devise kennen denn nicht nur die GNTM-Kandidatinnen, sondern auch Go-Go-Girls und Stripperinnen. Was nur hat das zu bedeuten? Und was ist der Zweck, wenn die Model-Anwärterinnen im Finale auf Stelzen herumtapsen und mit einem Roboter über den Laufsteg stolzieren? Eine Bewerbung für den Zirkus? Oder eine Rolle in einem Science-Fiction-Film? Anders gefragt. GNTM - ein Fake? Maike jedenfalls lässt sich nicht von den rosaroten Wolken herunterschubsen, auf der zig Mädchen mit ihr schweben. "Es ist wie eine Art Hochzeit", schwärmte sie als sie in einem zartgrünen Kleid ihrem Urteil entgegenschritt.

  • Sylvie-Sophie Schindler