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Grimme-Preisverleihung: Gold für Bleibtreu und "Stromberg"

Es gab Gold: Bei der Grimme-Fernsehpreisverleihung dominierten die öffentlich-rechtlichen die privaten Sender - am meisten Applaus erntete jedoch der einzige Gewinner einer Privatsender-Produktion.

Mit einem Paukenschlag begann am Freitagabend die Verleihung der Grimme-Fernsehpreise im Theater in Marl (Nordrhein-Westfalen). Musikerin Babette Haag hatte sich eine musikalische Solo-Inszenierung der von Bettina Böttinger moderierten Gala ausgedacht, die Publikum und Preisträger gleichermaßen überzeugte. Echte "Kracher" gab es dann auch bei den ausgezeichneten Beiträgen - drei Mal wurde der Grimme-Preis in Gold vergeben. Besonders Monica Bleibtreu bewegte mit ihrer Rolle als sterbende Bäuerin Maria in den mit Gold bedachten Beitrag "Marias letzte Reise" Publikum und Jury. Christoph Maria Herbst erntete von den rund 800 Gästen lang andauernden Applaus für seine Hauptrolle in der ProSieben-Serie "Stromberg", der einzigen Privatsender-Produktion, die einen Grimme-Preis erhielt.

In seiner Dankesrede sagte der TV-Komiker, besonders freue ihn, dass der Sender bei der Serie einen langen Atem bewies, denn "der erste Teil fand quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt". Mittlerweile geht "Stromberg" in die dritte Staffel. Aber nicht bei allen kommt die Figur "Stromberg" an. Im Internet gebe es teilweise echte Hass-Tiraden gegen ihn, berichtete Herbst von der Schattenseite seiner Rolle als pöbelnder Versicherungsangestellter.

"Ich kann Sie abschieben, jetzt sofort"

Schattenseiten der deutschen Asylpolitik dokumentiert am Beispiel der Hamburger Ausländerbehörden der Beitrag "Abschiebung im Morgengrauen". Mit der Drohung "Ich kann Sie abschieben, jetzt sofort", demonstrierte ein Mitarbeiter der Behörde sein Verständnis der Macht ganz offen, schrieb die Jury in ihrer Begründung für die Auszeichnung mit einem Grimme-Preis. "Beim Sichten dieser Reportage musste ich vor Heulen kurzzeitig den Film stoppen", gestand Moderatorin Böttinger, die der Film ebenso bewegte und schockierte wie das Publikum.

Emotionen löste auch die Aussage der sterbenden Bäuerin Maria aus, die Monica Bleibtreu sagen lässt: "Du musst stark sein wie ein Löwenzahn, der durchbricht sogar Beton". Sie habe sich sehr gut in Maria einfühlen können, sagte die 61-jährige Schauspielerin, da die Rolle sie an ihre Mutter erinnert habe, die auch an Krebs gestorben sei. Für Bleibtreu war es bereits der zweiten Grimme-Preis, dieses Mal in Gold. Das traf sich gut, da ihre erste Trophäe bereits "in Trümmern liegt", wie sie sagte.

"Ein Gegenstrom zum Quotenwahnsinn"

Für Regie-Neuling Hans Steinbichler war es dagegen die erste Auszeichnung überhaupt. Einen Adolf-Grimme-Preis in Gold gab es für das Familiendrama "Hierankl", Steinbichlers Abschlussfilm an der Münchner Film- und Fernsehhochschule, für den er hochkarätige Schauspieler gewinnen konnte. Neben Barbara Sukowa, die ihren Preis nicht persönlich entgegen nehmen konnte, wurden Josef Bierbichler, Peter Simonischek und Johanna Wokalek ausgezeichnet.

Michaela May, die die Gold-Auszeichnung für ihre Rolle als Kommissarin in dem "Polizeiruf 110"-Film "Der scharlachrote Engel" erhielt, wertete den Preis als Belohnung für Fernsehen mit Anspruch. "Er ist ein Gegenstrom zum Quotenwahnsinn", sagte May. In dem Film geht es um die Rekonstruktion einer Vergewaltigung. "Das ist ein objektives Qualitätsurteil des Stoffes", sagte sie.

Kai Feyerabend/DPA / DPA