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Günther Jauch: "Der Vertrag war unterschriftsreif"

Entnervt hat Moderator Günther Jauch den ARD-Intendanten mitgeteilt, dass er "Christiansen" doch nicht übernehmen werde. Im stern.de-Interview spricht er über die Gründe - und seine neugewonnenen Einsichten in den ARD-Föderalismus.

Herr Jauch, wie war der Tag heute für Sie?

Turbulent. Aber mir war klar, dass es nach 9.30 Uhr - als ich die ARD-Intendanten informiert habe - ziemlich rund gehen würde.

Schmerzt es Sie, nicht "Christiansen" übernehmen zu können?

Mir tut es leid, weil ich die Sendung sehr gerne gemacht hätte. Wir haben sehr lange und sehr intensiv an diesem Projekt gearbeitet. Und wenn man nachher feststellt, dass man sich gesucht und nicht gefunden hat - dann ist das sehr schade.

Sie möchten als seriöser Journalist wahrgenommen werden und das wäre die geeignete Plattform dafür gewesen.

Ich habe das nie unter Karrieregesichtspunkten gesehen. Sondern ich hatte die Leidenschaft, diese Sendung zu machen und mir dafür ein paar neue Dinge einfallen zu lassen. Und dafür gab es auch Sympathie bei der ARD. Der Vertrag war unterschriftsreif.

Wer sollte ihrer Meinung nach "Christiansen" in Zukunft moderieren?

Ist die Übernahme daran gescheitert, dass sie stern TV nicht aufgeben wollten?

Es ging darum, dass ich journalistisch exklusiv für die ARD arbeiten sollte. Und dass der seit neun Jahren bewährte Ansprechpartner für "Christiansen" auf einmal gewechselt werden sollte, obwohl das vertraglich anders vorgesehen war. Hinzu kam die negative Begleitmusik aus den Gremien.

Ihre Sendung sollte der Chefredaktion zugeordnet werden und nicht, wie "Christiansen", der Unterhaltung. Hatten Sie die Befürchtung, dass man Ihnen zu stark in die Sendung hineinregiert und den bei der ARD geläufigen Parteien-Proporz durchzusetzen versucht?

Darüber kann man nur spekulieren. Aber es gab keinen Anlass, den Ansprechpartner zu wechseln. Ich hatte durch den Wechsel das Gefühl nur geduldet zu sein und dass ich an gleich mehrere Verantwortliche angebunden werden sollte.

Ihnen war Ihre Unabhängigkeit wichtiger?

Die war mir wichtig. Das wussten aber auch alle. Insofern ist meine Entscheidung am Ende doch nicht so überraschend.

Hat RTL die Gunst der Stunde genutzt und Ihnen nun eine Talkshow angeboten?

Nein. Es ging mir auch nicht darum, irgendeine neue Sendung zu machen.

Es wurde auch gemutmaßt, dass Ihnen das Honorar zu niedrig gewesen sei und Sie - wie von einigen ARD-Vertretern gefordert - nicht auf Ihre Werbeverträge verzichten wollten. Hat das für Ihre Entscheidung eine Rolle gespielt?

Weder noch. Der finanzielle Rahmen war innerhalb weniger Tage geklärt. Und die Sache mit der Werbung wurde von außen hochstilisiert. Ich hatte der ARD zugesagt, dass es mit mir in dieser Richtung keine Probleme geben würde.

Und nun geht alles weiter wie bisher?

Es gibt keine großen neuen Lebensentscheidungen und neue Projekte. Ich mache die Sendung am Sonntagabend nicht, ich mache bei RTL weiter wie bisher.

Sie haben nun über ein halbes Jahr mit der ARD verhandelt und dabei einen fundierten Einblick in den Föderalismus bekommen - wie hat das auf Sie gewirkt?

Es war wie eine Mischung aus Gesundheits- und Föderalismusreform, mit dem entsprechenden - bedauerlichen - Ergebnis.

Interview: Lutz Kinkel
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