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Helmut Fischer: Liebenswerter Schwerenöter

Er ist als "ewiger Stenz" in die Fernsehgeschichte eingegangen. Denn die Karriere des Helmut Fischer ließ auf sich warten. Ein Andenken zum 80. Geburtstag.

"Ein bissel was geht immer!" - mit diesem Spruch ist Helmut Fischer als "ewiger Stenz" in Helmut Dietls TV-Serie "Monaco Franze" in die Fernsehgeschichte eingegangen. Bei seiner charmant-windigen Anmachertour schmolz nicht nur seine Partnerin Ruth Maria Kubitschek ein ums andere mal dahin, auch Millionen von Zuschauern verfolgten die Amouren des charmanten Vorstadtcasanovas mit größter Sympathie. Das Bayerische Fernsehen erinnert am 18. November mit einem Filmporträt und einer "Tatort"-Nacht an den 1997 gestorbenen populären Münchner Schauspieler, der am 15. November 80 Jahre alt geworden wäre.

Schauspieler statt Straßenbahnschaffner

Erst mit knapp 60 Jahren bekam Fischer die Rolle, die ihn fortan begleitete und die ihn für die Münchner unsterblich machte, für sie war er der "Monaco". Auf dem Weg in sein Schwabinger Lieblingscafé, auf dem Viktualienmarkt, bei Premierenbesuchen im Zirkus - die Leute sahen in ihm den liebenswerten Schwerenöter. Manch ein Schauspieler hat es nicht verkraftet, immer nur mit einer Rolle identifiziert zu werden. Doch Helmut Fischer nahm es gelassen. "Gegen Millionen Zuschauer kommt man nicht an", sagte er einmal. Er war wohl so, wie er spielte - und am liebsten spielte er sich eben selbst.

Doch bis dahin war es ein weiter und nicht leichter Weg. So hatte sich seine Mutter, die zeitweise in einem Münchner Stummfilmkino das Piano spielte, nichts sehnlicher als eine Beamtenlaufbahn für ihren Sohn gewünscht. Doch Helmut Fischer war schon als Kind von der Schauspielerei fasziniert und imitierte mit großer Leidenschaft seine Leinwandidole, die er von den regelmäßigen Kinobesuchen her kannte und bewunderte. Entgegen dem Rat seines damaligen Lehrers, er solle doch lieber als Schaffner bei der Trambahn arbeiten, nahm Fischer bei Otto Falckenberg Schauspielunterricht, wie er immer wieder gerne erzählte.

Lange Jahre krank

Die große Karriere ließ jedoch auf sich warten. Er hatte kleine Theaterengagements in Würzburg und Ulm, kehrte Ende der 50er Jahre wieder nach München zurück und hielt sich dort als Filmkritiker und mit kleinen Rollen über Wasser. Der lang ersehnte Erfolg kam erst mit Regisseur Helmut Dietl. Rollen wie in den Serien "Der ganz normale Wahnsinn" und vor allem "Monaco Franze" (1983) machten ihn endlich zum TV-Star. Auch in weiteren Serien wie "Unsere schönsten Jahre", "Rette mich, wer kann", "Peter und Paul" oder "Die Hausmeisterin", liebten die Zuschauer ihren Helmut Fischer, der zeitweilig auch als Kriminalkommissar Lenz im "Tatort" ermittelte.

Als Fischer seinen Fernsehfilm "Drei in fremden Betten" drehte, der Ende 1996 ausgestrahlt wurde, war er bereits seit langen Jahren krank. Am 14. Juni 1997 erlag Fischer im Alter von 70 Jahren in der Klinik von Julius Hackethal am oberbayerischen Chiemsee einem Krebsleiden. Heute ziert ein schlichter Stein auf dem Bogenhausener Friedhof in München das Grab des liebenswerten Schauspielers, über den Sybille Krafft unter dem Titel "Helmut Fischer - Der unsterbliche Stenz" Erinnerungen seiner Freunde und Weggefährten zusammengetragen hat.

Hilmar Bahr/DPA / DPA