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Interview mit Anke Engelke: "Das Lachhafte ist Teil des Menschseins"

"Ladykracher" geht in die siebte Staffel. Anke Engelke verrät im Gespräch mit stern.de, was passiert, wenn sie Witze nicht versteht und wer sie beeindruckt hat.

Von Sophie Albers

Haben Sie je Angst vor der Zukunft, Frau Engelke?
Nein, überhaupt nicht. Aber natürlich fragt man sich, wie denn überhaupt etwas wachsen soll, wenn schon Harald Schmidt nicht bleiben darf. Was wollen die denn für Fernsehen, wenn die das nicht wollen? Das verstehe ich nicht. Aber ich habe auch versagt, als Fernsehzuschauer. Ich hätte vielleicht jeden Tag Briefe schreiben müssen und sagen, das ist das Tollste, und wenn es das nicht mehr gibt, drehe ich durch.

Hatten Sie jemals eine Krise? Wollten Sie schon mal hinschmeißen?
Nein, weil ich nicht so viel arbeite. Wenn ich merken würde, dass ich nicht mehr genug Zeit für meine Familie habe, wäre es ein Thema. Aber meine Arbeit ist extrem überschaubar.

Was heißt denn "nicht so viel"?
Für "Ladykracher" drehe ich drei Monate im Jahr, davon sind aber zwei Wochen Pause. Und dann mache ich ein bisschen Promotion. Das halbe Jahr davor fahre ich morgens ins Büro, gehe die Texte durch, und wir haben ein paar Meetings. Dann mache ich zwei Mal im Jahr die "Simpsons", zwei Mal im Jahr "Die Sendung mit dem Elefanten". Dann drehe ich einen Film, dann mache ich ein paar Lesungen, moderiere zwei Filmfeste. Und fertig.

Arbeit und Familie sind also vereinbar.
Alles komplett machbar. Muss man gut organisieren, aber ich bin super organisiert.

Nie im Stress?
Ich bin extrem entspannt.

Kennen Sie Wut?
Ja, aber ich bin da nicht sehr auffällig. Dafür habe ich ja einen ganz guten Beruf: Wenn mal akut die Notwendigkeit des Druckablassens bestünde, könnte ich das kanalisieren und in irgendeine Rolle stecken. Aber das brauche ich gar nicht. Dazu bin ich zu ausgeglichen und zu wach, glaube ich. Es täte mir leid um die Zeit.

Rampensau oder Showpferd?
Keins von beiden. Sonst wäre ich ja so oft wie möglich auf dem Schirm. Bin ich aber nicht. Ich bin Schauspielerin und spiele gern andere Menschen.

Um ein guter Schauspieler zu sein, muss man sich zum Affen machen. Wahr?
Das ist einfach die zentrale Voraussetzug für jeden Schauspieler, dass man sich nicht damit auseinandersetzt, was jetzt die Leute von einem denken. Ein wichtiges Erlebnis für mich war die erste Ausgabe von "Ladykracher" vor zehn Jahren. Ich habe damals gnadenlos unsympathische Frauen gespielt. An den Reaktionen konnte ich schön sehen, wer sich schon mal Gedanken darüber gemacht hat, dass Schauspielerei ein Beruf ist. "Also, dass Anke so fies ist, hätte ich nicht gedacht." Ist passiert! Vielleicht ist es zu viel verlangt vom Zuschauer zu relativieren. Journalisten fragen dann gern, ob mir denn gar nichts peinlich sei.

Und?
Nein! Warum? Checkt doch mal, warum euch das peinlich ist, und lasst uns darüber reden, warum ihr so darauf reagiert.

Können Sie einen Sketch spielen, den Sie selbst nicht witzig finden?

Bei "Ladykracher" stehe ich ganz oft kopfschüttelnd zwischen den Takes und sage: "Ich finde das nicht lustig. Nicht mein Humor." Wenn aber in der Vorbereitungsphase die neun anderen in der Bewertungskommission unterm Tisch liegen vor Lachen und ich die einzige bin, die schlecht gelaunt im Kaffee rührt, ist das ein klares Signal.

Bei Ihnen herrscht also das demokratische Prinzip?
Ja. Ich bin nur Darstellerin. Ich könnte auch Koproduzentin mit fünf Sternchen sein, aber es ist nicht mein Job zu sagen, "das finde ich persönlich nicht witzig, deshalb wird das nicht gemacht".

Wie glücklich sind Sie in Ihrem Job?
Ich möchte viele Leute erreichen. Ich finde es toll, viele Leute zum Lachen zu bringen. So! Was ich dann mit der Öffentlichkeit und mit der, so Gott will, Popularität anfange, ist ein anderer Punkt. So sehe ich zum Beispiel auch meine Aufgabe als Promigesicht der Hilfsorganisation Medeor oder wenn ich mit Kindern und Jugendlichen Führungen in der Bonner Kunsthalle mache. Ich stelle mich in den Dienst der Sache.

Sie sagen, Sie lieben die Menschen. Durch die Wiedergabe Ihrer Beobachtungen werden sie aber auch lachhaft.
Das Lachhafte ist Teil des Menschseins! Wie oft merkt man an sich selbst, wie lachhaft man ist. Aber ich bewerte ja nicht. Wenn ich sagen würde "Ich will, dass ihr seht, wie Scheiße dieser Mensch ist", würde meine Sendung anders heißen. Es gibt solche Sendungen, aber es wäre nicht meine.

Haben Sie jemals Ihren Promistatus ausgenutzt?
Nee, ich gehöre zu denen, die das nicht tun. Als ich das Ferienprogramm gemacht habe - vor 30 Jahren -, gab es eine Firma, die meinte, "zieh doch mal die Klamotten an". Und ich dachte, "das sind aber tolle Turnschuhe." Bis vom ZDF jemand fragte, "warum ziehst du denn jeden Tag diese Schuhe an?" Da habe ich es begriffen.

Das muss man erst mal lernen.
Ich bin seit vielen Jahren echt schon krankhaft korrekt. Ich lasse mir nichts schenken. Prominenz auszunutzen ist ganz schlimm. Eher zahl ich zuviel. Ich bin gern die Doofe.

Hat der "Playboy" Ihnen jemals ein Angebot gemacht?

Ja, so vor 20 Jahren. Es war ein großer Lacher im Büro und zu Hause. Das ist wirklich nicht meins.

Wie sexy darf Comedy sein? Viele Frauen fürchten sich davor, dass es nur um ihr Aussehen geht.
Ich kann und möchte nur ein Abbild der Realität sein. Und da laufen Frauen rum, die gern als sexy wahrgenommen werden möchten. Da laufen auch Frauen rum, die drauf scheißen. Die möchte ich alle spielen. Ich bin nicht eitel. Wenn ich in eine Fernsehshow gehe, muss ich vorher in die Maske. Mehr nicht. Neulich war ich auf dem Cover einer Zeitung, und ich war so retuschiert, dass man mich nicht mehr erkannt hat. Was soll das? Eine Frau da vorne draufzunehmen, die weder Model ist, noch 20, aber darauf zu trimmen? Ich habe doch ein Recht auf mein eigenes Gesicht!

Haben Sie Vorbilder?
Ich glaube nicht.

Hat Sie denn mal jemand so richtig beeindruckt?
Jim Carrey! Das war ein Highlight meines Komikerlebens. Weil der wirklich lustig ist, und wann kann man das schon mal von jemandem sagen? Das war die Premiere von "Bruce Almighty" in München. Ich sollte auf der Bühne zweisprachig den Film präsentieren. Ich habe ihn groß angekündigt, aber er kam nicht. Ich sprach und wartete. Und dann kam er vom anderen Ende des Saales, stieg über die Menschen drüber. Der greift denen ja auch ins Gesicht. Es war ein ganz langer Auftritt, und ich stand lachhaft auf der Bühne herum, ich war echt der Loser. Ich habe die Fassung gewahrt und die vorgegebenen Fragen gestellt. Und plötzlich sagt Carrey: "Was ist denn das für ein langweiliges Interview!" Das war alles richtig, was er gemacht hat: sein Auftritt, mich so zu kommentieren. Jetzt musste ich dafür sorgen, dass ich auch noch was vom Abend habe. Also habe ich Fragen gestellt und seine Antworten falsch übersetzt, so dass es Lacher im Publikum gab, die er nicht verstand. Irgendwann fand er das nicht mehr so lustig. Da waren wir auf Augenhöhe, und dann haben wir auf dem Boden gekämpft. Er hat mir das Mikrofon weggenommen, und wir haben uns über den Boden gewälzt. Eine gefühlte Ewigkeit. Wir haben einen Kampf simuliert, einen Kampf zwischen Liebe und Tod, zwischen Sex und Sterben. Ganz, ganz toll war das! Das ist Jim Carrey. Dann ist er gegangen, und das war's.

Die neue Staffel "Ladykracher" startet am 20. April und läuft freitags um 22.15 Uhr in Sat.1.