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Neues Buch von Corinna Milborn: TV-Moderatorin trifft den Mann, der ihr eine Vergewaltigung wünschte – und er erkennt seinen Fehler

In ihrem Buch "Change The Game" erzählt die österreichische TV-Moderatorin Corinna Milborn, wie sie ein Zuschauer per Facebook-Nachricht beleidigte. Im direkten Gespräch konnte sie ihrem Kritiker zeigen, wie falsch er lag.

Corinna Milborn

Corinna Milborn wurde 2017 in Österreich als "Journalistin des Jahres" ausgezeichnet

Picture Alliance

Im Sommer 2016 bekam von einem Mann namens Thomas eine Facebook-Nachricht , die sie schockierte: "Bei uns mitten in Wien werden Frauen auf der Straße vergewaltigt, aber darüber verlieren Sie kein Wort in den Nachrichten! Da halten sich alle an die Nachrichtensperre und schweigen brav! Damit machen Sie sich mitschuldig! Ich wünsche Ihnen, dass Sie am Heimweg überfallen und von einer wildgewordenen Horde Afrikaner vergewaltigt werden, dann merken Sie vielleicht einmal was los ist mit Ihren Kulturbereicherern! Oder wir sind Sie gleich für immer los, das wäre noch besser!"

Was dann passierte, beschreibt die österreichische Fernsehjournalistin in dem Buch "Change The Game", das sie zusammen mit Markus Breitenecker geschrieben hat und das im Sommer erschienen ist. Die Seite "SOS Mitmensch" hat einen Auszug daraus veröffentlicht, in dem Milborn erzählt, wie sie den Autor der beleidigenden Facebook-Nachricht zur Rede stellte.

Journalistin trifft auf Flüchtlingsgegner, der sie beleidigte

Freundlich antwortete die Info-Chefin des Senders "Puls 4" dem aufgebrachten Zuschauer und bot ihm an, sich mit ihm persönlich über das Thema auszutauschen. Es kam tatsächlich zum Zusammentreffen zwischen der 45-Jährigen und dem Mann, der sich im persönlichen Gespräch als deutlich freundlicher erwies. Milborn berichtet, wie sie sich von Thomas zeigen ließ, wo er die Nachricht der vermeintlichen Vergewaltigung gelesen hatte, die ihn so aufgebracht hatte. Der Wiener hatte den Link in einer lokalen  -Gruppe gefunden.

Ziemlich schnell konnte die Österreicherin ihrem Kritiker beweisen, dass hinter dem Account, der die News gepostet hatte, gar kein echter Mensch steckte. Es handelte sich um einen Fake-Account, der eigens dafür erstellt worden war, Fake News und rechte Hetze zu verbreiten. Die angebliche hatte in Wien nie stattgefunden.

In den sozialen Netzwerken hat sich der Text mit dem Auszug aus dem Buch schnell verbreitet. Kein Wunder, zeigt er doch, wie anfällig viele Nutzer für Falschnachrichten sind und diese auch bereitwillig weiterverbreiten. Auf Twitter erntet Milborn von Zuschauern und Kollegen viel Respekt für ihre sachliche Auseinandersetzung mit derart herabwürdigender Kritik. Damit sei sie ein Vorbild für andere Journalisten, aber auch für normale Bürger, die in ihrem privaten Umfeld mit Fake News zu tun haben. 

Corinna Milborn bekehrt rechten Hetzer

Corinna Milborn ist schon häufiger Opfer sexistischer Sprüche geworden – unter anderem durch den Extremsportler Felix Baumgartner. Auch in dem Fall reagierte sie souverän. In ihrem neuen Buch beschreibt Milborn, wie die Internetgiganten Facebook und Google zur Gefahr für die Demokratie werden können und möchte Auswege aufzeigen.

Bei Thomas ist es der Moderatorin sogar gelungen, ihn aus dem Dickicht rechter Verschwörungstheorien herauszuholen. Thomas überprüft nun kritischer, woher er seine bekam, und meldete sich schließlich sogar bei Facebook ab. Seitdem sei er "wieder ein umgänglicher Mensch geworden", berichtete er Corinna Milborn.

Corinna Milborn, Markus Breitenecker: "Change – Wie wir uns das Netz von Facebook und Google zurückerobern", Brandstätter Verlag, 25 Euro.

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epp