"Rosen und Reis"
Kann ein Seitensprung eine kaputte Ehe reparieren?

  • von Jonas Decker
Sören (Oliver Wnuk) und Maike (Anneke Kim Sarnau) haben in ihrer Ehe viel erlebt und sich gegenseitig viel angetan. Lässt sich die Sache trotzdem wieder reparieren?
Sören (Oliver Wnuk) und Maike (Anneke Kim Sarnau) haben in ihrer Ehe viel erlebt und sich gegenseitig viel angetan. Lässt sich die Sache trotzdem wieder reparieren?
© NDR/Boris Laewen

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Wenn eine Beziehung nach einem Seitensprung in Schieflage geraten ist, lässt sich das Ganze dann mit einem weiteren Seitensprung wieder geradebiegen? Genau so versucht man es jedenfalls in der erstklassigen ARD-Tragikomödie "Rosen und Reis".

"Wenn etwas nicht mehr funktioniert und man's nicht repariert kriegt, eine Uhr oder so, dann ist doch oft das letzte Mittel, dass man die aus hoher Höhe fallen lässt, und danach funktioniert sie vielleicht wieder": So erklärt Maike (Anneke Kim Sarnau) etwa in der Mitte des Films "Rosen und Reis" ihre Art, mit Problemen umzugehen. Nur dass sie eigentlich nicht von einer Uhr spricht, sondern von ihrer Ehe. Das mit dem Runterwerfen hat sie zu dem Zeitpunkt bereits hinter sich. Ob's danach wieder "funktioniert" wie gedacht – bis zuletzt unklar in dieser äußerst vergnüglichen "Freitag im Ersten"-Komödie.

Schon der Beginn der 90-minütigen TV-Premiere ist recht pfiffig: Maike und Sören (Oliver Wnuk) schreiten in einer Kirche zum Altar. Eigentlich sollte hier eine Hochzeit stattfinden, die aber gerade abgesagt wurde. Sören hat einen tiefen Cut über dem Auge, sieht übel mitgenommen aus. Wie Maike und Sören einer Frau in der Kirche – offenbar die Pastorin – eröffnen, haben sie sich gerade getrennt. Die ganze Situation ist ziemlich unübersichtlich. In Rückblenden wird dann Stück für Stück aufgedröselt, wie es zu diesem Chaos kommen konnte.

Krisenmanagement nach dem Motto "Wie du mir, so ich dir"

Ein bitterer Teil der Wahrheit: Dass die Ehe nach zehn Jahren kaputt ist und nicht mehr funktioniert wie früher, hat Maike selbst zu verantworten. Sie hat Sören betrogen mit einem anderen Mann und, das macht es noch schlimmer, sie bereut nichts. "Ich fühle mich gut seit dem One-Night-Stand. Neu gesehen, neu begehrt, so viel frischer Wind!" Sören allerdings fühlt sich überhaupt nicht mehr gut. Sein Ego hat großen Schaden genommen, immer wieder hält er Maike ihre folgenschwere Verfehlung vor.

Maike macht dem beleidigten Sören schließlich einen Vorschlag: Er solle einfach auch einmal mit einer anderen Frau schlafen, eine Revanche sozusagen, dann wären die beiden quitt und könnten wieder nach vorne schauen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist "Rosen und Reis" nur noch absurd. Der Film wird manchmal auch richtig albern und scheut sich nicht vor gelegentlichem Slapstick (zum Beispiel in der Szene, in der Sören zu seiner Wunde über dem Auge kommt). Aber richtig blöde wird es nie. Dafür ist das Drehbuch von Robert Löhr zu gut durchdacht, die Inszenierung von Regisseurin Christine Rogoll zu feinfühlig und das Ensemble vor der Kamera viel zu gut aufgelegt.

Wenn man etwas aus hoher Höhe auf den Boden wirft, wie von Maike beschrieben: Dass es dann hinterher wirklich wieder funktioniert, ist in der Regel natürlich nicht zu erwarten. Aber man kann sich darauf verlassen, dass es ordentlich scheppert. So löst Sörens "Wie du mir, so ich dir"-Seitensprung eine gewaltige Kettenreaktion im gesamten Familien- und Bekanntenkreis aus, bis zu dem Punkt, an dem weitere Ehen und Beziehungen spektakulär zu zerbrechen drohen. Neben Anneke Kim Sarnau und Oliver Wnuk wirken in größeren Nebenrollen auch Nikola Kastner, Johannes Kienast, Marlene Morreis, Holger Stockhaus und Victoria Trauttmansdorff in der NDR-Produktion mit.

Rosen und Reis – Fr. 22.05. – ARD: 20.15 Uhr

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