Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
23, 15, 12, 26, 25, 25 – das sind die Platzierungen der deutschen Wettbewerber beim Eurovision Song Contest in den vergangenen Jahren. Nachdem es zuletzt zweimal immerhin für die Top 20 gereicht hat, landete Sarah Engels in diesem Jahr auf dem drittletzten Platz. Ihr Song „Fire“ konnte vor allem das internationale Publikum überhaupt nicht überzeugen. Von den Zuschauern aus ganz Europa gab es keinen einzigen Punkt.
Engels gab sich hinterher tapfer, der federführende SWR wurde deutlicher: Man sei „natürlich enttäuscht über die Platzierung“, sagte Programmchef Clemens Bratzler. Das nächste ESC-Fiasko aus deutscher Sicht also. Schon in den vergangenen zehn Jahren stand siebenmal nur der letzte oder vorletzte Platz zu Buche. Der letzte Sieg gelang Lena Meyer-Landrut, das ist aber auch schon 16 Jahre her.
Was muss Deutschland beim ESC anders machen?
Dabei hat man einiges versucht: den ESC-Veteranen Stefan Raab zurückgeholt, um im vergangenen Jahr den Act für Basel zu finden. Nach 30 Jahren die Verantwortung innerhalb der ARD vom NDR an den SWR übertragen. Eine internationale Jury für den Vorentscheid zusammengestellt. Gefruchtet hat nichts davon.
Wo also liegt das Problem – und wie kann Deutschland beim ESC endlich die Kurve kriegen? Die Frage stellt sich in jedem Jahr, und ist dementsprechend nicht leicht zu beantworten. Was sofort auffällt: Die deutschen Beiträge kommen oft brav daher, eingängiger Mainstream-Pop, der niemandem wehtut, aber eben auch wenig Wiedererkennungswert hat. Ganz anders als der Siegersong „Bangaranga“ der Bulgarin Dara: wild, schrill, frech, optisch und musikalisch maximal auffällig.
Sarah Engels bekam von vielen Experten in diesem Jahr gute Kritiken. Thomas Hermanns drückte es in der ARD so aus: „Ich fand, es lag nicht an ihr, es lag wirklich an dem Lied.“ Ein Song, der nichts Spektakuläres, Ungewöhnliches oder Verrücktes hat, wie so viele in den Jahren zuvor auch. Wer nicht im Gedächtnis bleibt, wird besonders in der Publikumsabstimmung abgestraft. Warum nicht mal etwas Verrücktes, Albernes wagen – vielleicht sogar einen kleinen Skandal? Oder, noch verrückter: auf Deutsch singen?
All das spricht dafür, dass es auch ein paar Nachjustierungen beim Vorentscheid benötigt. In diesem Jahr hatte eine Jury aus 20 Ländern die Kandidaten festgelegt, über den Act für Wien entschied dann aber allein das Publikum. Vorher gab es eine Kombination aus Jury- und Zuschauervoting. Als wirklich erfolgreich hat sich nichts von beidem erwiesen. Man kann aber zumindest vermuten, dass der nicht-binäre Künstler Wavvyboi, Favorit der Fachjury in diesem Jahr, im ESC-Finale bessere Chancen gehabt hätte.
In gewisser Weise bleibt der Eurovision Song Contest also eine Black Box. Überraschungen sind möglich: Mit dem Erfolg von „Bangaranga“ hatte vorher auch kaum jemand gerechnet. Aus deutscher Sicht bräuchte es aber schon ein kleines Wunder.
Finnlands Ex-Präsident über Wladimir Putin
Ein Vermittler soll den Friedensprozess im Ukraine-Krieg endlich in Gang bringen. Die Frage ist nur: Wer? Aus Deutschland kursieren einige Namen: Wladimir Putin selbst hat seinen Freund Gerhard Schröder ins Gespräch gebracht, in den Medien werden Angela Merkel und Joschka Fischer gehandelt.
Ein anderer möglicher Kandidat dürfte hierzulande weniger bekannt sein: Finnlands Ex-Präsident Sauli Niinistö, von 2012 bis 2024 im Amt, kennt Putin gut. Im stern-Interview erklärt er, warum es höchste Zeit ist, mit Russland ins Gespräch zu kommen, und spricht über sein persönliches Verhältnis mit dem Präsidenten.
5-Minuten-Talk: Die AfD plant für die absolute Mehrheit
Die Umfragen sind alarmierend: In Sachsen-Anhalt, wo am 6. September ein neuer Landtag gewählt wird, schnuppert die AfD an der absoluten Mehrheit. Ulrich Siegmund könnte der erste AfD-Ministerpräsident in Deutschland werden.
Der Spitzenkandidat spricht bereits jetzt selbstbewusst über seine Pläne: Rund 200 Beamte will er in dem Bundesland nach einem Wahlsieg mit treuen Parteigängern ersetzen. Die Innenminister sind alarmiert, mahnen „Vorkehrungen“ an. Aber was soll das sein?
Weitere Schlagzeilen im Überblick
Das passiert am Montag, dem 18. Mai
- Der Landtag von Rheinland-Pfalz trifft sich zu seiner konstituierenden Sitzung. Gordon Schnieder (CDU) soll zum neuen Ministerpräsidenten gewählt werden.
- In Berlin beginnt die Medienkonferenz „re:publica“. Zu den Gästen gehören Altkanzlerin Angela Merkel und Ex-Außenminister Joschka Fischer.
- In Köln beginnt der Prozess gegen einen Angeklagten, der mit einem Auto in eine Schülergruppe gefahren sein soll. Dabei kamen ein zehnjähriges Mädchen und ein 25-jähriger Schulbegleiter ums Leben.
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Eugen Epp