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Markus Söder bei Caren Miosga: Genervt, gereizt, aber durchaus unterhaltsam

Markus Söder bei „Caren Miosga“
Markus Söder schimpfte bei „Caren Miosga“ über die Medien
© Uwe Koch / Imago Images

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Markus Söder will bei Caren Miosga den ernsten Krisenmanager geben – ohne Bart und Essensbilder. Doch dann platzt ihm der Kragen. Die Schuldigen sind schnell gefunden.

„Woher wissen Sie das? Sind Sie dabei? Sind Sie dabei?“, fragt Markus Söder. Sein Gegenüber sei wie ein Fußballreporter, der kritisiere, aber gar nicht wisse, wie „die Abläufe“ sind. Er wirkt angefasst, bringt noch schnell eine Medienschelte. Die Medien in Deutschland würden den ganzen Tag nur versuchen, alles in Grund und Boden zu reden.

Der bayerische Ministerpräsident ist bei Caren Miosga mal wieder zu Gast. Neben ihm sitzen in der zweiten Hälfte der Sendung die Unternehmerin Melanie Baum und der Journalist Gordon Repinski.

Markus Söder bei Miosga: Nicht nur nach hinten schauen

Denn die erste halbe Stunde der Sendung gehört dem Franken ganz alleine. Eigentlich versucht er, so wirkt es, den gediegenen Staatsmann zu spielen. Die Lage ist ernst, sagt der Mann, der mit seinen Essens-Posts aufgehört hat. Radikale Kräfte, die AfD, werden aus Russland und den USA unterstützt.

Der Ministerpräsident soll vor allem die gescheiterte 1000-Euro-Entlastungsprämie erklären. Die wurde bei dem Koalitionsgipfel in der Villa Borsig beschlossen, scheiterte aber krachend im Bundesrat. Söder muss lang und breit erklären, wie es dazu kommen konnte, wer mit wem hätte sprechen sollen und ob das unter Angela Merkel auch passiert wäre. Irgendwann platzt es dem CSU-Vorsitzenden heraus. Die Medien würden jeden Tag schreiben, „was alles schlecht läuft“, und man solle doch nicht nur über die Vergangenheit sprechen. „Wenn man endlos debattiert, wer letzte Woche den Müll zu schlecht rausgebracht hat, dann kriegt man den Laden nicht sauber.“

Also nicht in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft soll man schauen: Immerhin hat die Koalition Großes vor. Und dass Miosga lieber über das Scheitern der Vergangenheit spricht, so viel Zeit dafür aufwendet, immer wieder nachhakt, kann man kritisieren. Andererseits: Ist es das nicht wert, die Fehler der Regierung vor einigen Wochen aufzuarbeiten, um zu verstehen, ob sie nicht wieder gemacht werden?

Mit der Unternehmerin versteht sich Söder – mit dem Reporter nicht so

Es folgt eine Schnellfragerunde (Warum ist der Bart ab? Rasierfehler. Warum keine Essens-Bilder mehr? Die Zeiten sind ernst geworden. Sollte Manuel Neuer mit zur WM? Ja.) und danach kommen Unternehmerin Baum und Reporter Repinski mit in die Runde.

Mit Baum versteht sich Söder blendend. Sie spielen sich sogar einmal die Punkte wie beim Pingpong hin und her, als es um die Entlastung für Unternehmen geht. Da sind sich beide einig: Die müssen schnell kommen, schneller als jetzt geplant. „Bitte nicht so lange warten“, ist ihre Message an die Politik: Bei Söder scheint sie angekommen.

Mit Gordon Repinski aber, da ist sich Söder, zumindest in dieser Sendung, spinnefeind. Erster Streitpunkt: Der Mann von „Politico“ wirft der Bundesregierung vor, sie analysiere zwar die Probleme richtig, setze aber nichts durch. Das sei „Systemversagen“. Söder hakt ein: diesen Begriff zu benutzen, das sei das Geschäft der Radikalen, meint damit die AfD.

Danach streiten sie sich über Partikularinteressen der CSU wie die Mütterrente, was in dem Streit mündet, der diesen Text einleitet. Repinski sei ja gar nicht dabei gewesen, als es darum ging! Sie zanken sich, und immer wieder bringt Söder den Punkt: Die Medien reden alles schlecht.

Egos prallen aufeinander

Am Ende der Sendung geht es darum, ob die Mehrwertsteuer erhöht wird. Söder sagt, das sei „kein echt gutes Signal“. Repinski hakt ein, er übersetze jetzt einmal aus der Politikersprache: Der Ministerpräsident habe das damit nicht ausgeschlossen. 
Söder: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das kommt.“
Repinski: „Das ist kein Ausschluss.“
Söder wendet sich an die Fernsehzuschauer: „So sehen Sie mal meine Damen und Herren, so geht es uns jeden Tag.“

Miosga lässt zwei große Egos aufeinanderprallen. Das ist durchaus interessant, nur geht leider die Perspektive von Baum dadurch etwas unter. Dabei hat sie die konkretesten Punkte des Abends – und die konkreteste Nachfrage an Söder: Wann soll die Industrie, der Mittelstand, Entlastungen spüren? Dieses Jahr sagt der Politiker. Diese inhaltlichen Punkte gehen teilweise im Klein-Klein zwischen Repinski und Söder und dessen Medienkritik unter.

Markus Söder hat damit natürlich nicht nur Unrecht. Auch diese TV-Kritik  hier konzentriert sich vor allem auf das Negative, auf das, was er, die Sendung, Miosga, Repinski, Baum, aus der Sicht des Rezensenten falsch gemacht haben. Das kann man als schlechten Stil sehen – als Herunterschreiben, Herunterreden. Aus Sicht eines Politikers sogar schlimm finden.

Aber ob der Mann, der einmal witzelte, sein Hund unterscheide sich von Ricarda Lang und Kevin Kühnert dadurch, dass er eine Ausbildung habe, der mediale Sittenwächter der Nation ist, darf man doch bezweifeln.

Um nicht alles herunterzureden: Söder bei Miosga ist nie langweilig. Die Sendung, insbesondere ihre zweite Hälfte, bekommt im Unterhaltungswert 4 von 5 möglichen Nürnberger Rostbratwürsten – die man sich leider nur in seinem Kopf vorstellen kann, weil Söder ja keine Essensbilder mehr postet.

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