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Interview

Motsi Mabuse: "Der Rassismus ist in den letzten Jahren schlimmer geworden"

Vor zwei Wochen schockte Motsi Mabuse mit ihrer Schilderung, dass sie rassistisch angefeindet wird. Im Interview mit dem stern erzählt sie, wann das angefangen hat, worin sie die Gründe dafür sieht - und erklärt, was deutsche Leitkultur ist.

Motsi Mabuse

Motsi Mabuse wurde 1981 im heutigen Südafrika geboren. Die Tänzerin und Tanztrainerin kam im Alter von 18 Jahren nach Deutschland. Einem breiten Publikum bekannt wurde sie durch ihre Teilnahme an der RTL-Show "Let's Dance", wo sie zunächst tanzte und seit 2011 in der Jury sitzt. Auch in den TV-Sendungen "Stepping Out" und "Curvy Supermodel" wirkte sie als Jurorin mit. Mabuse hat die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen.

Frau Mabuse, Sie waren kürzlich zu Gast bei "Maischberger" und haben zum Thema "deutsche Leitkultur" diskutiert. War das Ihre erste Einladung in eine politische Talkshow?
Ja. Ich habe einen Anruf von der Redaktion bekommen. Zu dem Thema habe ich viel beizutragen. Ich mache bei "Let's Dance" mit, in den Medien bin ich immer die gut gelaunte Südafrikanerin. Ich interessiere mich aber auch für Politik und habe eigene Ansichten. Deswegen habe ich sofort zugesagt.

Sie haben dort zum ersten Mal über Ihre Erfahrungen mit Rassismus gesprochen. Haben Sie das vorher überlegt oder hat sich das spontan ergeben?
Nein, das war überhaupt nicht geplant. Denn wenn man in der Öffentlichkeit steht, wird alles, was man sagt, genau beobachtet. Man hat auch ein Image, das man pflegt. Wenn es aber andererseits Probleme gibt, dann sollte man den Mund aufmachen. Viele Prominente wollen nicht darüber reden. Aber Rassismus ist ein großes Problem, das in den letzten Jahren schlimmer geworden ist.

Sie wohnen seit mehr als 15 Jahren in Deutschland. Wann hat das angefangen, dass Sie rassistisch beschimpft wurden?
Es ist durch den Zuzug der vielen Flüchtlinge in den letzten beiden Jahren schlimmer geworden. Dadurch hat der Rassismus massiv zugenommen. Das war am Anfang anders. Da sind mir viele Menschen neugierig und offen entgegen getreten. Ich habe so viel Liebe aus Deutschland erfahren.

Hat der Aufstieg der AfD etwas mit dem zunehmenden Rassismus zu tun? Trauen sich die Menschen seither, mehr zu sagen?
Ich glaube schon. Wenn man zum Beispiel Reden wie die von Björn Höcke hört, fühlen sich Leute animiert, ihren Mund aufzumachen und schlimme Sachen zu sagen. Wenn ich ganz ehrlich bin: Das, was ich im Fernsehen gesagt habe, war ja noch harmlos. Auf meinem Handy habe ich viel schlimmere Beschimpfungen. Das glaubt mir kein Mensch, wie viel Hass da ist. Das darf ich auch nicht meinen Kindern zeigen.

Wie gehen Sie damit um? Haben Sie schon jemanden angezeigt?
Als es besonders schlimm war, habe ich mir tatsächlich überlegt, zur Polizei zu gehen. Ich habe aber die Leute geblockt und ihre Kommentare gelöscht. Eine Zeit lang hatte ich Angst, allein auf die Straße zu gehen. Es hat sich aber wieder beruhigt.

Fühlen Sie sich in Deutschland sicher?
Eigentlich schon. Ich hab keine Panik, wenn ich rausgehe.

Wie waren die Reaktionen auf den Auftritt bei "Maischberger"?
Ich habe sehr viel Zuspruch bekommen. Auf meiner Facebook-Seite wird immer noch diskutiert. Da werden Meinungen ausgetauscht, das finde ich gut. Ich bin aber unzufrieden, wie der Auftritt in den Medien dargestellt wird. Die Klatschpresse hat eine Motsi-Geschichte daraus gemacht. Es geht aber nicht um mich. Es geht um das Thema Rassismus. Wir haben die Empathie vor den anderen verloren. Wenn die Leute jetzt darüber reden, dann können wir das Bewusstsein schärfen, dass wir über Menschen reden. Die Menschen, die hierher kommen, wollen die Deutschen doch nicht fertigmachen. Die brauchen Unterstützung. Das heißt nicht, dass wir alle reinlassen müssen. Aber wir müssen Empathie zeigen.

Haben die Erfahrungen, die Sie mit Rassismus machen mussten, Ihre Sicht auf Deutschland verändert?
Nein, ich bin immer noch Deutschland-Fan. Man darf nicht den Fehler machen und alle in die gleiche Schublade stecken. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich vorsichtiger geworden bin. Es gibt auch Leute in der Nähe, sie merken gar nicht, wenn sie etwas Rassistisches sagen. Aber die Diskussion um deutsche Leitkultur hat immer etwas Ausgrenzendes.

Nach Ihrem Ausflug in den Polittalk werden wir sie aber weiter in Unterhaltungssendungen sehen?
Ja natürlich. Wir sind Menschen und haben verschiedene Facetten und Interessen. Das ist leider auch typisch deutsch: Menschen werden in Schubladen gesteckt. Das ist deutsche Leitkultur!

Let's Dance Teilnehmer