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Netflix-Serie Bridgerton – mit Klugheit und Dekolleté muss sich Daphne den Weg ins Leben bahnen

Mit Klugheit und Dekolleté muss sich Daphne (Phoebe Dynevor) ihren Weg ins Leben bahnen.
Mit Klugheit und Dekolleté muss sich Daphne (Phoebe Dynevor) ihren Weg ins Leben bahnen.
© Netflix / PR
Heiratsnöte und Liebesschwüre – zu Weihnachten tischt Netflix einen opulenten Mix aus Jane-Austen-Romanen auf. Aufgepeppt mit posher Erotik.

Weihnachten allein zu Haus – Trost bietet da nur der Bildschirm. Free-TV-Kunden sind auf die 1000ende Wiederholung der Klassiker von "Tatsächlich Liebe" bis zu "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" angewiesen. Netflix stimmte schon vor dem 24. mit der erfrischenden, skandinavischen Single-Komödie "Weihnachten zu Haus" aufs Fest ein, zu den Tagen selbst startete "Bridgerton" und würzt die Einsamkeit mit opulenten Kostümen, Schmacht und herzhafter Erotik.

Sie entführt die Zuschauer in das England der Regency - eine Phase des gesellschaftlichen Um- und Aufbruchs – bekannt vor allem wegen der wüsten Ausschweifungen unter einer sittsamen Oberfläche.

Klassische Literatur als Unterhaltungssnack

"Sexier, die Röcke nie raschelten" – kann man das Rezept der achtteiligen Serie um Familien mit sehr viel Nachwuchs im heiratsfähigen und balzwilligen Alter beschreiben. Die Zeiten der ewigen Entsagung von "Stolz und Vorurteil" sind vorbei. Hier geht es bei den Hochzeitsplänen wie auch bei Jane Austen immer um eine gute Partie, aber der Spaß soll nicht zu kurzkommen. Die Serie basiert auf den Romanen von Julia Quinn. Und schon sie verquirlt die schönsten Szenen aus allen Jane-Austen-Romanen zu immer wieder neuen Cocktails. (Lesen Sie hierzu: "Von wegen sittsam: Im 18. Jahrhundert hatte jeder fünfte Londoner Syphilis")

Und was eignet sich da besser als die Regency, die Epoche nach dem Ende Napoleons. Schon in der Kunst der Zeit finden sich die Beweise für lockeres Treiben. Es ist die Epoche in der die Pornografie in die Kunst trat. Frauenliebe, Dreier, Sodomie bannte der Pinsel auf die Leinwand. Die Landflucht führte zu einer Blüte der Prostitution in London. In höheren Kreisen waren mehrere Mätressen oder eben männliche Galane eher die Regel als denn die Ausnahme. Auch männliche Sexarbeit war weit verbreitet, so genannte "Molly-Houses" tauchten überall in London auf (Lesen Sie hierzu: "Jane Austens wilde Schwester - die Reise der "John Bull")

Opulente Bilderwelten

In "Bridgerton" geht es nicht so wüst zu wie in der zeitgenössischen Bordell-Serie "Harlots" oder gar so explizit wie in "The Great", die die Amouren der berüchtigten Katharina auf den Bildschirm brachte – von den schlimmen Orgien der Zeit bleiben vor allem die atemberaubenden Dekolletés übrig. Denn "Bridgerton" ist vor allem opulent. Kleider, Schleifen, Bänder und Seide platzen geradezu aus der Leinwand. Und in diese prächtig anzusehenden Szenen spielt sich dann das Liebestreiben der Bridgertons ab.

Britische Kritiker schrieben, dass man den knackigen Po des Hauptdarstellers häufiger als sein ebenfalls vorzeigbares Gesicht bewundern würde.

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