Bad Gastein – Die Diva der Alpen
Neue Zeit in alten Mauern

  • von Hans Czerny
Bad Gastein, die Diva der Alpen: Der Kurort zieht seit Generationen prominente Besucher an, die nach Erholung suchen, sich von der Berglandschaft inspirieren lassen oder den mondänen Rahmen für große Auftritte nutzen.
Bad Gastein, die Diva der Alpen: Der Kurort zieht seit Generationen prominente Besucher an, die nach Erholung suchen, sich von der Berglandschaft inspirieren lassen oder den mondänen Rahmen für große Auftritte nutzen.
© Interspot Film / Gabriel Krajanek

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Einst kamen Kaiser und Kaiserinnen, um sich zu verlustieren, heute sind es Künstler und Künstlerinnen, die das alpine Bergdorf Bad Gastein wieder zur elitären Destination empor stilisieren.

Kaiser Wilhelm I. war da, der österreichische Kaiser Franz Joseph sicher auch, wenngleich er Bad Ischl den Vorzug gab. Sisi kletterte auf die umliegenden Berge und gab sich den Thermalbädern hin. Aber auch die Kunst gab sich im schönen Bad Gastein ein Stelldichein, Franz Werfel war da und Thomas Mann. Die Aufnahmen des leicht parfümiert wirkenden Werbefilms von Judith Doppler (BR / ORF) wirken faszinierend: wundervolle Hotelkästen der Gründerzeit, die sich beidseits eines berühmten Wasserfalls vor steilen Berghängen emportürmen wie eine Fata Morgana. Kein Superlativ, den die Gazetten längst erfunden hätten: "Monaco der Alpen", wegen des Hotspots für Adelige und Neureichen, "Perle" oder "Diva der Alpen" wurde Bad Gastein schon genannt. Da heißt es, wenn man nicht langweilen will, erneut lauter Trumpfkarten zu ziehen.

Auf die Durststrecken des kaiserlichen Kurorts und Hotspots der Sechzigerjahre (wer was auf sich hielt, war da – von Shirley Bassey bis Gunter Sachs) geht der optisch brillante Film nur am Rande ein, fragwürdige Architektur wie das neue Kongresszentrum werden zum willkommenen Gegensatz zur Belle-Epoque-Architektur stilisiert.

Da sind die Statements der eloquenten Einheimischen so willkommen wie belebend: Star Trek-Architektur, die "gekommen" sei, "um zu bleiben" wird das 1974 eröffnete Zentrum genannt. Pensionswirtinnen plaudern von heimlichen Kaiserbegegnungen zwischen Wilhelm und Franz Joseph, als seien sie selbst dabeigewesen. Wo doch der Bismarck die beiden heimlich in ihrem Garten mit dem Feldstecher beobachtet hat.

Sisi stand am Wasserfall, der die Ortsmitte durchzieht, und blickte nach dem Tod ihres Sohnes, des Kronprinzen Rudolph nächtelang in die Tiefe, erklärt die Fremdenführerin. Heute kämpfen junge Künstler gegen die alte Welt von gestern an und verpassen dem Ort mit Kunst- und Musikfestivals ein neues Image. Sodass nun, wer auf sich zählt, wieder guten Gewissens nach Gastein fahren kann, ohne als verstaubt zu gelten. "Es wirkt, als schiebe sich eine neue Zeit in die alten Mauern": Kann das einer noch schöner sagen?

Bad Gastein – Die Diva der Alpen – Do. 21.05. – ARTE: 20.15 Uhr

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