Panne bei ARD-Show Das war "Quizduell" unplugged


Beim ersten Versuch, die beliebte Smartphone-App ins Fernsehen zu holen, scheitert die ARD vollkommen. Ein Hacker legte tausende Server lahm. Aus einer peinlichen Panne wurde Fernsehen der Achtziger.
Von Jan Zier

Da gibt's jetzt also auch ne TV-Show für. Oder besser: Es sollte sie geben. Weil die Smartphone-App vom "Quizduell" ja so erfolgreich ist. Mehr als 16 Millionen User, bislang. Also hat die ARD diesen Hype schnell in ihr Vorabendprogramm übersetzt. Erstmal nur versuchsweise, denn man weiß ja nie, wie lange der Run anhält.

Leider scheitert die erste Ausgabe aber an der Technik – das erste "Quizduell" mit ZDF-Rückkehrer Jörg Pilawa war so improvisiert wie analog. Und aus einer innovativen Idee wird "Fernsehen der Siebziger und Achtziger", wie der Moderator in liebenswerter Selbstironie feststellt. Der Versuch, die App ins Fernsehen zu holen, ist also "komplett in die Hose gegangen" - so klar wie Pilawa muss man das sagen.

Fast 190.000 User registrierten sich vorab

Dabei war die Idee ganz gut: Auf der einen Seite stehen Offline-Menschen, im Studio, so wie früher auch; in diesem Fall vier LehrerInnen vom Gymnasium Tostedt. Und auf der anderen Seite spielt das so genannte "Team Deutschland", die Schwarmintelligenz also, registrierte User, die sich live in die Sendung einwählen können. Sie müssen dafür nicht mal fernsehen, sie können auch in der Kneipe oder U-Bahn sitzen, ein Smartphone reicht aus.

Diese anonyme Masse tritt dann gegen das Vierer-Team an – und spielt um Geld. Wie auf der App auch geht es dann in Dreier-Fragerunden aus Kategorien wie "Essen & Trinken", "Glaube und Religion" oder "Im Labor" über maximal sechs Stufen bis zum Sieg. Gespielt wird in Echtzeit. Und die Antwort von draußen, die von den meisten Leuten getippt wird, konkurriert mit jener der vier Studiogäste. 187.204 Menschen haben sich vorab registriert, sie sind im Schnitt 38 Jahre alt und männlich, der Frauenanteil liegt nur bei 36 Prozent. So etwas gab es im Fernsehen noch nie. Und so bleibt das erstmal auch.

Hacker legt Server lahm

Denn, so sagt es die ARD, ein Hacker habe weltweit 15.000 Server blockiert. Auch jene, die das "Team Deutschland" mit dem NDR-Studio in Hamburg verbinden sollten. "Wir sind gehackt worden", sagt Pilawa immer wieder. Die Produktionsfirma ITV Studios bestätigte die Attacke. Derzeit sei man in Gesprächen mit Google, um zu klären, was genau passiert sei, hieß es nach der Sendung.

Pilawa trug die Niederlage mit Humor: "Wir machen in den nächsten Jahren nochmal was mit ner App". Erst kürzlich ging der 48-Jährige zur ARD zurück, mit einer Neuauflage von "Einer wird gewinnen", der "Mutter aller Rateshows", wie der Sender sie liebevoll nennt. "Es ist wirklich etwas Revolutionäres", hatte er vor der Sendung gesagt - denn: "mehr Technik als wir einbinden, geht eigentlich gar nicht". Und das er sich "wahnsinnig" drauf freue, nach 20 Jahren im Fernsehen bei so einem Experiment dabei sein zu dürfen.

Klassische Ratesendung

Am Ende wurde es eine ganz und gar klassische Ratesendung. Und statt der Smartphone-Nutzer mussten nun eben die Leute aus dem Studiopublikum die Fragen beantworten: Welches Fleisch wird für ein echtes Wiener Schnitzel benötigt? (Kalb) Mit welchen Roman wurde Patrick Süßkind berühmt? (Das Parfüm) Wo ist Peter Paul Rubens geboren? (Siegen). Im welchen Land fanden am Wochenende Präsidentschaftswahlen statt? (Nein, nicht in der Ukraine, wie das Publikum mehrheitlich meinte. Sondern in Litauen.) Die Show sollte zunächst drei Wochen lang montags bis freitags laufen, auf dem Sendeplatz des Serienklassikers "Verbotene Liebe". Der scheint bislang noch nicht in Gefahr zu sein.

Und schon vorab wurden Zweifel am Konzept der ARD laut. Der Medienkritiker Bernd Gäbler, früher Chef des Grimme-Instituts in Marl, äußerte sich zumindest skeptisch: "Ich wage die Prognose: Das Publikum der ARD am Vorabend wird zur überwiegenden Mehrheit beim passiven 'lean back' bleiben", sagte Gäbler vor wenigen Wochen der Nachrichtenagentur DPA. Wer im "Ersten" Ratespiele konsumiere, glaubt Gäbler, der wolle einfach nur gucken. Ob er recht hat? Vorerst stellt sich die Frage nicht. Ersteinmal müssen schließlich die Server wieder Online gehen.

Von Jan Zier

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