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Polittalkdebüt "Günther Jauch": Warten auf Jauch

Günther Jauch hat am Sonntag seine erste Polittalksendung in der ARD hinter sich gebracht. Beeindruckend hölzern. Es kann nur besser werden.

Von Sophie Albers

Nach einer fast durchgehend hölzernen Stunde hat Günther Jauch es geschafft: "Danke, guten Abend und auf Wiedersehen", hieß es auf die Sekunde um 22:45 Uhr. Die erste Polit-Talkshow von Deutschlands liebstem Moderator lässt alle Chancen offen, dass es besser werden kann. Der beste Spruch des Abends kam von Verteidigungsminster a.D. Peter Struck ganz am Ende, als die Abspannmusik schon lief: "Ich finde, Sie haben das auch gut gemacht", so der väterliche Trost an Jauch.

Sein jungenhafter Charme hat Jauch bei "Wer wird Millionär?"-Moderator groß gemacht, am Sonntagabend wirkte er eher wie ein Junge, der sich als Gastgeber den ganzen Abend an seinen Stichwortzetteln festhalten muss. Sehr deutlich hat er abgelesen - und seine Gäste wie nach Stechuhr "drangenommen". Die Mühe war jede Minute spürbar. Schlagabtausche oder ein richtiges Gespräch waren so fast unmöglich. Zu offensichtlich musste jeder ungefähr genauso viel sagen dürfen wie der andere.

Das schwerste Thema des Jahres

Zugegeben: Jauchs Debüt war mit "Zehn Jahre 9/11" gleich die größte, schwerste Nummer des Jahres. Die Diskussion, ob "es richtig war, in den Krieg zu ziehen", bestritt vor allem das sympathische Raubein Struck, dessen Pro-Haltung von dem Afghanistanexperten Jürgen Todenhöfer mit leidenschaftlicher Kritik in Balance gehalten wurde. Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner rechtfertigte den deutschen Einsatz mit den Lehren aus der Shoah, "wir dürfen nicht weggucken". Alles in allem ein seltsamer Gast. Jürgen Klinsmann, mittlerweile Trainer des Fußballnationalteams der USA, durfte als Wahl-Amerikaner über das amerikanische Volk urteilen: Die komplexen Hintergründe zu begreifen, sei "sehr, sehr schwer für die Amerikaner".

Persönlich wurde der Krieg gegen den Terror mit Marcy Borders, einer Frau, die den Angriff auf das World Trade Center überlebte und deren Bild als "Staub Lady" um die Welt ging. Und mit Tanja Menz, der unfassbar gefassten Mutter eines Bundeswehrsoldaten, der am 18. Februar 2011 im Aghanistaneinsatz erschossen wurde. Persönlich bedeutete allerdings nicht intim. Das lag am immer wieder verhallten, verzerrten Ton. Da muss die Technik im Studio im Berliner Gasometer noch mal ran.

"Harald Schmidt hat mich gerettet"

Und dann war da noch Kriegs-Gegnerin Elke Heidenreich, die sich mit dem schönen Satz vorstellte: "Harald Schmidt hat mich gerettet." Sie sei damals in New York gewesen und für einen Auftritt bei Schmidt am 11. September 2001 nachhause geflogen.

Überhaupt Harald Schmidt. Der hat soeben erklärt, was einen guten Moderator ausmache: Der müsse "vollkommen ehrlich" seinem Publikum gegenübertreten und "thematisch vor nichts und niemandem Halt" machen. Natürlich ist Jauch kein Late-Night-Talker, aber nächstes Mal muss Fragen-Onkel Jauch sich ganz dringend etwas entspannen und gleichzeitig mehr trauen. Aber er hat ja auch drei Jahre Zeit.

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