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BBC-Satire "Real Housewives of ISIS" Rabenschwarze Witze über den Islamischen Staat und dessen Frauen

Szene aus "The real Housewives of ISIS"
"Die Schlampe macht mir alles nach" - Szene aus "The Real Housewives of ISIS"
© Screenshot/BBC2
Darf man Scherze über IS-Kämpfer machen? Die BBC findet: Ja, auf jeden Fall. Eine neue Satireshow nimmt vor allem die Terror-Ehefrauen aus dem Westen aufs Korn. Das ist bitterböse und gefällt selbst nicht allen Briten.

Ist das noch der berüchtigte englische Humor oder doch schon geschmacklos? "Nur noch drei Tage bis zur Enthauptung - und ich weiß nicht, was ich anziehen soll", beklagt sich eine schwarz verschleierte junge Frau im Brustton der Verzweiflung. Oder diese Szene hier: Eine ebenfalls in schwarz gehüllte Frau sitzt in einem von Kerzen beschienen Raum und erzählt aus ihrem Eheleben: "Ich bin zum sechsten Mal verheiratet und zum fünften Mal verwitwet…" - plötzlich kracht es hinter ihr kräftig - "… zum sechsten Mal".

Kleine Freuden, mittlere Katastrophen, große Tragödien

In dieser Woche hat BBC Two, der Bildungssender des britischen Rundfunks, die Satireserie "Revolting" gestartet, in der die Sketchreihe "The Real Housewives of ISIS" läuft. Eine Reality-Doku aus dem Leben von im Westen aufgewachsenen Frauen, die sich den radikalislamistischen Kämpfern des Islamischen Staats angeschlossen haben. Die Clips sind kurz und im Stil von US-Serie wie "The Real Housewives" aufgemacht. Junge Frauen erzählen von ihren kleinen Freuden, den mittleren Katastrophen und den großen Tragödien - sorgsam dokumentiert auf Instagram mit Hashtags wie "Tod dem Westen" oder "Dschihadi-Jane".

"The real Housewives of ISIS" im Video:

Die kurzen Witze spielen sämtlich Klischees über verwöhnte Vorstadtgören und in Kriegsgebiete gereiste Terroristen-Ehefrauen durch. In einer Szene kommt eine Frau mit einer neuen Sprengstoffweste stolz in ein Zimmer marschiert: "Tadaa - was sagt ihr dazu? Ahmed hat mich damit gestern überrascht!" Die Freundinnen überschlagen sich vor Begeisterung und greifen sofort zum Handy. Keine zwei Augenblicke später erscheint die nächste Frau im Zimmer, ebenfalls mit einer neuen Sprengstoffweste und sagt: "Hey Mädels, was haltet ihr davon?" Betretendes Schweigen der anderen. "Was für eine Schlampe", regt sich eine der beiden auf, "sie wusste genau, dass ich diese Weste habe. Alles macht sie einem nach."

Darf man über den Islamischen Staat Witze machen?

Die Gags sind mehr als schwarzer Humor, "The Real Housewives of ISIS" ist tiefrabenschwarz. Selbst für einige Briten, glaubt man ihren Kommentaren auf Twitter und Facebook. "Wow, die BBC wird einiges zu erklären haben", schreibt ein Nutzer. Ein anderer: "Diese 'Comedy' auszustrahlen ist einfach nicht richtig. Darüber macht man keine Scherze, weil es einfach nicht lustig ist". Die Produzenten der Sendung, Heydon Prowse und Jolyon Rubinstein, die vor einigen Jahren für einer ihrer Comedyshows ausgezeichnet wurden, sehen das anders: "Wir wollen natürlich auch, dass die Welt ein schöner Ort ist. Aber die schlimmen Dinge lassen sich eben besser karikieren", sagte Jolyon Rubinstein der britischen Zeitung "The Standard".

Wie viele europäische Frauen sich den IS-Kämpfern in Syrien und dem Irak angeschlossen haben, ist nicht genau bekannt. Geheimdienste schätzen ihre Zahl grob zwischen 500 und 1000. Bekannt ist, dass sie von den Terroristen über das Internet angesprochen und mit haltlosen Versprechen in die IS-Gebiete gelockt werden. 

nik

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