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Momente der TV-Geschichte "Sie gefallen mir. Sie gefallen mir sehr" – wie Romy Schneider mit diesen Worten eine ganze Nation in Aufregung versetzte

Burkhard Driest und Romy Schneider
Die Filmlegende, der Bankräuber und ein Blick zu viel: Burkhard Driest und Romy Schneider 1974 als Gäste bei "Je später der Abend"
© Horst Ossinger/ / Picture Alliance
Ein verurteilter Bankräuber und Romy Schneider: Diese Kombination sorgte 1974 in der Talkshow "Je später der Abend" für einen Skandal. Der Grund: Die Schauspiel-Legende machte aus ihrer Bewunderung für den Ganoven keinen Hehl.

Dietmar Schönherr ahnte nicht, dass seine Talkshow "Je später der Abend" am 30. Oktober 1974 in die Fernseh-Annalen eingehen würde. Zwar hatte er mit Romy Schneider, die den Deutschen längst den Rücken gekehrt hatte und in Paris lebte, einen internationalen Filmstar zu Gast. Doch dass sich über sie und das Geschehene noch Wochen, wenn nicht gar Monate lang, eine ganze Nation das Maul zerreißen würde, konnte er nicht vorhersehen.

"Keine Fragen über mein Privatleben", hatte sich Schneider vorab ausbedungen. Doch das war gar nicht nötig, um für einen Skandal zu sorgen. Neben der Filmlegende nahm Burkhard Driest Platz, ein verurteilter Bankräuber, der über seine Zeit im Knast ein Buch geschrieben hatte. Breitbeinig und mit offenem Hemd, aus dem das üppige Brusthaar spross, saß er da und markierte den Coolen. Schneider, die sichtlich angetan von ihm war, machte aus ihrer Verehrung keinen Hehl: "Sie gefallen mir. Sie gefallen mir sehr", sagte sie zu ihm und legte ihre Hand für einen kurzen Moment auf seinen belederjackten Arm. Das reichte, um die Fantasie vieler Zuschauer anzuregen und Schneider und ihm eine Affäre anzudichten.

Eine Welle der Empörung schwappte durch die deutsche Medienlandschaft. Nicht nur Klatschblätter, sondern auch der "Spiegel" beteiligte sich. "Sie kam in jenem Schwarz, das Frauen ins Dämonische überzüngeln lässt", faselte der Autor – natürlich ein Mann – über jenen Abend. Schneider habe in ihren Augen "das gewisse Glimmen" gehabt. Genaues wusste aber auch das Nachrichtenmagazin nicht. Der stern fragte: "Was ist dran an diesem Kerl?" Und die "Hörzu" entblödete sich nicht, Boxlegende Bubi Scholz, der ebenfalls in der Runde gesessen hatte, auszufragen. Der wusste zu berichten: "Nach Steak und Sauerbraten zogen wir alle in die Kölner Altstadt."

Romy Schneider schweigt, Burkhard Driest prahlt

Einige selbsternannte Liebes- und Talkshowexperten wollen sogar erkannt haben, dass Schneiders Sätze eine Anlehnung an ein Zitat aus den "Sissi"-Filmen gewesen seien. Da sagt sie einmal über ihren "Franzl": "Ich liebe ihn. Ich liebe ihn sehr." Doch am Ende jeder dieser Geschichte blieb die eine Frage stets unbeantwortet: Hatten die beiden etwas miteinander oder nicht?

Driest erzählte später, er sei mit Schneider im Bett gelandet. "Sie hat darauf bestanden", prahlte er nach 26 Jahre in der "Bunten". Ob's tatsächlich stimmt? Schneider, die darüber stets geschwiegen hatte, war längst tot.

mai

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