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Russland beim ESC 2012: Sechs Omis für Baku

Immer jünger, immer hübscher? Russland geht gegen den Trend und schickt eine Großmütter-Combo aus der Provinz zum Eurovision Song Contest nach Baku. Von den Einnahmen wollen sich die Omis eine Kirche kaufen.

Sechs Omas aus der Provinz überraschen Russlands Musikwelt. Mit Folklore im Disco-Sound vertritt das kultige Senioren-Ensemble Buranowskije Babuschki in diesem Jahr das Land beim Eurovision Song Contest in Aserbaidschan. Die Gruppe aus Urgroßmüttern in Trachten und mit geflochtenen Bastschuhen setzte sich mit dem Song "Party For Everbody" ("Come On And Dance") im nationalen Wettbewerb des Staatsfernsehens Rossija 1 in der Nacht zum Donnerstag gegen 24 Mitbewerber durch.

Unerwartet unterlag Popstar Dima Bilan, der 2008 beim ESC mit dem Song "Believe" gesiegt hatte. Bilan kam mit der Sängerin Julia Wolkowa von dem ehemaligen Duo t.A.T.u. mit "Back To Her Future" nur auf Platz zwei. Die sechs Großmütter aus dem Ort Buranowo aus der Region Udmurtien westlich des Uralgebirges waren schon 2010 angetreten, damals aber beim Vorentscheid gescheitert.

Eine Kirche für das Heimatdorf

Eine der singenden Großmütter, genannt "Oma Olga", sagte, ihre Band wolle einfach nur genug Geld verdienen, um eine Kirche in ihrem Heimatdorf bauen zu können. "Das ist unser einziges Ziel", sagte sie der Website "Westi News". "Großmütter brauchen keinen Ruhm und keinen Reichtum." Die russische Öffentlichkeit reagierte amüsiert auf die Auswahl der diesjährigen ESC-Vertreterinnen, die Ende Mai in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku vor allem gegen junge Popsänger auftreten werden. "Es ist zumindest interessant und originell", sagte Musikproduzent Josif Prigoschin der Nachrichtenagentur Ria Nowosti. "Sie sind nicht jung, sie sind nicht glamourös, sie tragen Trachten - sie hätten früher zum Eurovision Song Contest gehen sollen."

Die Buranowskije Babuschki müssen sich mit ihrem teils auf Udmurtisch gesungenen Lied noch in einem der beiden Halbfinale (22. und 24. Mai) in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku qualifizieren. Das Finale ist am 26. Mai. Der 21-jährige Industriemechaniker Roman Lob ("Standing Still") aus Rheinland-Pfalz wird Deutschland vertreten.

Die öl- und gasreiche Ex-Sowjetrepublik Aserbaidschan im Südkaukasus ist als ESC-Austragungsort umstritten, weil der autoritären Führung auch Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Journalisten und die Opposition beklagen immer wieder ein Klima der staatlichen Bevormundung, Unterdrückung der Presse- und Meinungsfreiheit sowie Polizeigewalt gegen Regierungskritiker.

kmi/DPA/AFP / DPA