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Schwache Quote für "Dreileben": ARD-Experiment scheitert

Endlich einmal wollte die ARD innovativ sein - und ging dann gründlich baden. Der Versuch, mit "Dreileben" eine Geschichte aus Sicht von drei verschiedenen Regisseuren erzählen zu lassen, kam beim Publikum nicht an.

Mit der Holzhammer-Methode hat es also nicht geklappt: Die ARD wollte dem Vorwurf, zu wenig Niveau für die Gebühren zu liefern, endlich einmal kraftvoll entgegentreten. Doch statt eine Qualitätsoffensive zu starten, packte die ARD den guten Vorsatz in einen einzigen Abend. "Dreileben" heißt das gewagte Experiment, bei dem drei der besten deutschen Regisseure eine Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählen. Insgesamt 270 Minuten dauerte der Versuch, von 20.15 Uhr bis 1.00 Uhr - am Schluss war kaum noch ein Rezipient übrig geblieben.

Die meisten Zuschauer hatte Christian Petzold, der den Reigen um 20.15 Uhr mit "Dreileben - Etwas Besseres als den Tod" eröffnete. Das wollten 2,61 Millionen Menschen sehen - was einem bescheidenen Marktanteil von 8,7 Prozent entspricht. Schlechter wurde es dann um 21.45 Uhr, als Dominik Graf übernahm und mit "Dreileben - Komm mir nicht nach" seine Version erzählte. Da saßen nur noch 1,84 Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen, auch der Marktanteil sank auf 8,0 Prozent. Dabei war Grafs Film noch der zugänglichste und unterhaltsamste der drei.

Am Ende war es keine Million mehr

Den Abschluss der Trilogie bildete Christoph Hochhäuslers "Dreileben - Eine Minute Dunkel". Da fiel die Zuschauerzahl dann unter die Million: Rund 810.000 Menschen blieben bis nach Mitternacht dabei, als Hochhäusler den entlaufenen Sträfling (Stefan Kurt) ins Zentrum rückt. Immerhin: Der Marktanteil war mit 8,9 Prozent der beste des Abends.

Es bleibt zu hoffen, dass die ARD die enttäuschenden Quoten nicht als Argument dafür verwendet, künftig gar keinen Anspruch mehr zu verfolgen. Vielmehr sollte der gescheiterte Versuch Anlass für Diskussionen bieten. Man könnte etwa fragen, ob es nicht bessere Wege für Qualität im TV gibt, als drei anspruchsvolle Filme hintereinander laufen zu lassen. Wie wäre es mit mehreren, festen Sendefenstern, gerne auch vor Mitternacht?

Leider wird das wohl für längere Zeit die letzte Möglichkeit gewesen sein, etwas auszuprobieren: Ab dem 11. September, wenn Günther Jauch mit seiner Talkshow auf Sendung geht, wird im Ersten an fünf Abenden die Woche geredet. Spätestens dann wird es keinen Raum mehr für Experimente geben.

che