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ZDF-Serie "Ellerbeck": Cordula Stratmann als Wutbürgerin

Die "Stuttgart 21"-Proteste haben ihn berühmt gemacht, jetzt widmet das ZDF dem Wutbürger eine eigene Sitcom. In "Ellerbeck" spielt Cordula Stratmann eine Erzieherin, die plötzlich Bürgermeisterin wird. Dabei wollte sie nur die Idylle vor der Haustür schützen.

Cordula Stratmann

Cordula Stratmann wird in der ZDF-Serie "Ellerbeck" plötzlich Bürgermeisterin

Seit "Stuttgart 21" kennt ihn jeder, auch der Duden: "Wutbürger, der". Ein "aus Enttäuschung über bestimmte politische Entscheidungen sehr heftig öffentlich protestierender und demonstrierender Bürger", definiert das Nachschlagewerk. Spannend, wenn aus Wut und Protest Verantwortung wird. Wenn Demonstranten Funktionäre werden. Das erfährt jetzt auch die Kölner Komikerin Cordula Stratmann (51). In der Rolle der Erzieherin Sabine Ebert wird sie in der neuen ZDF-Sitcom "Ellerbeck" unverhofft ins Bürgermeisteramt gespült - dabei wollte sie eigentlich nur den Bau einer Schweinemastanlage in ihrer emsländischen Heimat verhindern.

Wutbürger, bürgerschaftliches Engagement, Überheblichkeit der politischen Klasse: Der Mainzer Sender verhandelt in den sechs Folgen "Ellerbeck" Themen aktueller Relevanz. Parteien jammern über ihren Mitgliederschwund, die Leute setzen sich nur noch projektbezogen ein. "Ich glaube, dass die Menschen sich aufgrund der extrem komplexen Welt reflexhaft auf ihr kleines Leben fokussieren", sagt Stratmann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Zum Schutz der Idylle vor der Haustür

Die gebürtige Düsseldorferin, die als schrullig-naive Plaudertasche Annemie Hülchrath und als Stamm-Mieterin der "Schillerstraße" berühmt wurde, zog sich nach der Geburt ihres Sohnes Erik im März 2006 mehrere Jahre aus der Öffentlichkeit zurück. Seit Anfang Juli ist sie in der ARD-Vorabendserie "Die Kuhflüsterin" wieder präsent. Kurios: Beide Stratmann-Figuren haben an diesem Freitag zeitversetzt einen Auftritt. Am Vorabend wird die letze Folge der "Kuhflüsterin" ausgestrahlt, am späten Abend folgt das ZDF-Debüt von "Ellerbeck".

Das "kleine Leben", für Erzieherin Sabine bedeutet das, die Umwelt zu schützen - besser: die Idylle vor der eigenen Haustür. Zusammen mit ein paar Freunden gründet sie die Bürgerinitiative "Mast not be". Ihr Gegenspieler: Alexander Ten Hensen (Markus John), amtierender Rathauschef. Arrogant und selbstgefällig steht er für die politische Klasse, vermeintlich korrumpierbar und abgehoben. Sabine indes hat von Politik keine Ahnung, dafür aber das Herz am rechten Fleck. Eigentlich chancenlos, wird sie unbedarft und unschuldig zur Bürgermeisterin gewählt.

Naives Lachen und ein Friesennerz

Eine Figur mit Witz und Charme und naivem Lachen im Friesennerz, wie gemacht für Stratmann. Natürlich umschiffen die Autoren die Klamauk-Falle nicht - wollen sie auch nicht - und können schon in der ersten Folge nicht auf nackte Männerhintern und versehentlich auslösende Schusswaffen verzichten.

Aber ist das nicht problematisch, wenn die Leute sich nur noch vor der eigenen Haustür engagieren? Wenn das Windrad im Nachbarort gern gesehen, im eigenen Vorgarten aber abgelehnt wird? "Ich finde es grundsätzlich gut, wenn Menschen sich aufmerksam in ihrem Umfeld bewegen. Das stößt allerdings an eine Grenze, wenn Wutbürger sich mit moralischer Selbstzufriedenheit ausstatten", sagt Stratmann. Und weiter: "Egal, wo man im Leben steht - vor Selbstzufriedenheit sollte man die rote Fahne hissen." Das merkt auch Sabine - spätestens, als die Mitglieder der Bürgerinitiative ihr vorwerfen, als Bürgermeisterin die eigenen Ideale zu verraten.

Michel Winde/DPA