HOME

Siegerin im "Popstars"-Finale: Blondine bevorzugt?

Die Siegerin im "Popstars"-Finale heißt Katrin. Sie ist die Vierte im Bunde der neuen Girl-Group "LaVive". Die Frage ist: Hat ihre Stimme überzeugt oder bloß ihre Haarfarbe? Und: Hat die Band tatsächlich das Zeug für die große Karriere?

Von Sylvie-Sophie Schindler

Es ist 23.13 Uhr, Donnerstagnacht, das Finale bei "Popstars": Esra macht ein Gesicht, als habe man ihr gerade den Boyfriend ausgespannt. Katrin schreit. Wie man halt so reagiert, wenn es um die Wurst geht und nur eine gewinnen kann. Die Fans im Publikum sind sowieso außer Rand und Band. Man fragt sich, ob das normal ist, wie sie schreien und grölen und toben, oder ob vorab im großen Stil Infusionen mit hochkonzentrierten Energydrinks verabreicht wurden. Katrin lacht. Katrin strahlt. Katrin jubelt. Böse Zungen behaupten, sie habe nur gewonnen, weil sie blond ist.

Dunkle Mähnen haben die anderen Girls: Sarah, 22, Meike, 24 und Julia, 17. Zusammen mit der 20-jährigen Katrin aus Duisburg heißen sie nun "LaVive". Klingt ein bisschen nach Wellness-Joghurt mit rechtsdrehender Milchsäure. Doch die neue Band aus der 9. Staffel der Pro-Sieben-Show soll gefälligst klotzen und nicht kleckern. Erwartet wird, dass die Band in die Fußstapfen der No Angels tritt, der ersten und einzigen wirklich erfolgreichen Girl-Group, die per "Popstars"-Casting aus dem Boden gestampft wurde. "No Time For Sleeping" ist der Titel der ersten Single, mit der LaVive ins Rennen geschickt werden.

Was haben die bloß falsch gemacht?

Das kann allerdings auch mächtig in die Hosen gehen. Die Liste der gescheiterten "Popstars"-Formationen ist lang: Nu Pagadi, Preluders, Overground, Some&Any – und inzwischen auch Monrose. Was haben die bloß falsch gemacht? Und was machen "LaVive" anders? "Wir haben die Kandidatinnen nicht nur nach dem Schönheitsprinzip, sondern vor allem nach ihren Stimmen ausgewählt", informiert Chefjuror Detlef "D!" Soost. Das letzte Wort hatte die Jury, zu der auch der Münchner Musikmanager Thomas Stein und die Sängerin Marta Jandová gehörten, trotzdem nicht. Abgestimmt haben die TV-Zuschauer. Dass auch die sich nicht von Haarfarben, Strähnchen und auftoupierten Frisuren blenden lassen, sondern nach Gesangsqualität votieren, darauf setzte Soost. Zu Katrin beispielsweise sagte er: "Wenn die Zuschauer Wert auf Stimme legen, kommst du in die Band." Die vier Mädels buhlten unter anderem mit Songs wie "Angel" von Robbie Williams und "Bed of Roses" von Jon Bon Jovi um die Gunst der Zuschauer.

Bevor es zum finalen Duell zwischen Rot und Blond kam, also zwischen Esra und Katrin, gab es erstmal zwei Rausschmisse: für die 22jährige Yonca war um 21.26 Uhr Schluss mit dem Traum von der großen Karriere. Steins Kommentar: "Du hast dich wacker geschlagen. Ansonsten ist es schwierig mit dir." Marta Jandová meinte noch: "Die Bühne steht dir." Doch mehr noch schien die Sängerin über Yoncas Wuschel-Outfit begeistert: "Ich habe die ganze Zeit auf deinen geplüschten Popo geschaut." Yonca nahm es gelassen: "Entweder man ist in der Band oder man ist zuhause."

Super-Ärztin oder Super-Anwältin?

Dann ein Abgang ohne Kullertränen. Pascaline aus Siegburg musste um 22.28 Uhr gehen. Auch kein großes Drama, wie es schien. Aus ihrer Familie hieß es: "Dann wird sie eben Super-Ärztin oder Super-Anwältin." Und Pascaline selbst schwärmte: "Ich habe mich durch 'Popstars' menschlich sehr weiter entwickelt. Das ist eine Erfahrung für das ganze Leben." Glückwunsch dazu. Auch Soost lobte wie ein besonders stolzer Vater: "Du hast dich von einem hölzernen Wesen zu einer Lady gewandelt."

Neid? Zickenkrieg? Eben solche Sachen, die man nur zu gut kennt aus anderen Castingshows wie "Germany´s Next Top-Model". Auch davon war beim Finale nichts spürbar. "Uns verbindet die Liebe und Leidenschaft zur Musik", erklärte Pascaline. Hübsch gesagt. Ein Satz ohne Ecken und Kanten, genauso wie der Charakter der Kandidatinnen. Und wie der Charakter der Show. Hier wäre nun endlich der Zeitpunkt für richtig böse Lästereien. Aber das wäre mindestens genauso langweilig, also sparen wir uns das. Morgen redet ja sowieso keiner mehr darüber. Oder?

Themen in diesem Artikel
  • Sylvie-Sophie Schindler