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TV-Kritik

"Das Sommerhaus der Stars": Sex-Geständnisse und die richtigen Gewinner

Wettstreit und Spannung statt Konflikte und Lacher: Im Finale von "Sommerhaus der Stars" war der Siegeswille der Promis so groß, dass Programmideen nicht aufgingen und der Spaß auf der Strecke blieb. 

Von Lars Peters

Xenia Prinzessin von Sachsen (r.) und Rajab Hassan spielen im "Sommerhaus der Stars" das Spiel "Richtig oder Falsch"

Xenia Prinzessin von Sachsen (r.) und Rajab Hassan spielen mit den anderen Finalisten im "Sommerhaus der Stars" das Spiel "Richtig oder Falsch". Dabei bieten sich  interessante Einsichten in das Intimleben aller Beteiligten.     

Das Promipaar des Jahres 2016 heißt - zumindest wenn es nach RTL und dem "Sommerhaus der Stars" geht – Xenia von Sachsen und Rajab Hassan. Ein Paar, dessen gesellschaftlicher Status nur minimal über dem der Currywurst-Verkäufer aus L. A., Chris Töpperwien und Magey, liegt. Wenn überhaupt. Gleichzeitig war es nach eigener Auskunft das bedürftigste Promipaar der Show.

Erstaunlicherweise verzichtete RTL im "Sommerhaus der Stars" fast komplett darauf, hier nachzuhaken und auf die Tränendrüse zu drücken. Nur aus den kurzen Aussagen von Rajab ("Wir sind diejenigen, die den Sieg am meisten benötigen") und Xenia ("Du musst dieses Geld gewinnen, damit Dein Kind abgesichert ist") ließ sich einigermaßen erahnen, in welcher finanziellen Bredouille sich die beiden befinden. Deshalb, aber auch wegen ihrer Natürlichkeit, ihrer Empathie für die anderen Promipaare und ihrem Einsatz bei den Wettkämpfen sind sie die richtigen Sieger der Show. Hätten die Zuschauer abstimmen dürfen, hätten die beiden wohl auch die gut 50.000 Euro gewonnen.

Thorsten Legat scheitert im Finale

Auf der Strecke blieben im Finale Thorsten Legat und seine Frau Alexandra. Der ehemalige Fußballspieler verpasste damit nach dem Dschungelcamp im Januar bereits das zweite Mal knapp den Sieg in einer Promishow. Zur tragischen Figur wird er dadurch allerdings nicht, selbst wenn er mit leeren Händen nach Hause geht. Im Gegenteil: Legat war in allen vier Folgen des Sommerhauses derjenige, der gleichermaßen für den Spaß und die Konflikte stand. Seine Frau war dabei – wie offenbar auch im realen Leben – sein perfekter Sidekick.

Und beide waren immer schonungslos ehrlich – zu sich selbst, aber auch gegenüber den anderen: Für die Geburtstagsparty von Magey hatte die Redaktion jede Menge schlüpfrige Aussagen vorbereitet ("Meine Frau hat noch nie einen Porno geguckt", "Mein Mann hatte noch nie Sex beim ersten Date"). Alle Promis und deren Partner mussten jeweils sagen, ob diese Aussagen richtig sind oder falsch. Entsprechend groß war die Überraschung bei den anderen, als die Legats bekannten, dass Thorsten schon einmal fremdgegangen sei.

Ohne Konflikte keine Dramen

Trotz dieser und anderer überraschender Erkenntnisse ging die Planung der Redaktion mit dem Spiel nicht auf. Denn neben den Sex-Fragen lagen auch noch harter Alkohol und Energy-Drinks in Mageys Präsentkorb. Die vermeintliche Hoffnung, dass das Spiel unter Alkoholeinfluss mit noch weiter gelockerten Zungen stattfinden würde, erfüllte sich nicht. Kein Wunder, denn zum einen fand am nächsten Tag das Halbfinale statt, bei dem alle gewinnen wollten, und zum anderen konnten die Promis – im Gegensatz etwa zum Dschungelcamp – auch an allen anderen Tagen Alkohol trinken. Zwei Folgen zuvor hatte Ilona Magyar, die Freundin von Hubert Kah, davon intensiv Gebrauch gemacht. So war das Sex-Spiel zwar interessant, aber nicht halb so lustig, wie es hätte sein können.

Vier TV-Folgen sind optimale Länge

Auch sonst blieb der Spaß in der letzten Folge der Show weitgehend auf der Strecke. Nach dem Auszug von René und Maria Weller befanden sich drei Paare im Haus, die sich einfach gut verstanden. Und ohne Konflikt gibt es nun einmal kein Drama. Nicht zuletzt deshalb musste mit den verschiedenen Spielen deutlich mehr Zeit totgeschlagen werden, um die Sendezeit zu füllen, als in den Folgen davor. Andererseits ging es nun auch tatsächlich um etwas, nämlich den eigentlichen Geldgewinn, so dass durchaus Spannung entstand.

Dass die Final-Promis ganze zwei Wochen in dem Sommerhaus gewesen sein sollen, mag man sich kaum vorstellen, so wie die vierte und letzte Folge an Unterhaltungswert verlor. Wie sehr müssen sich die Insassen über weite Strecken gelangweilt haben?! Für die Zuschauer war die geringe Folgenzahl in jedem Fall ein Segen, war so doch ein hohes Erzähltempo möglich. Jetzt soll RTL aber bloß nicht auf dumme Gedanken kommen: Finger weg vom Dschungelcamp! Hier ertragen die Zuschauer nämlich durchaus mal eine spannungsarme Folge, wenn sie dann zur Strafe mit ihren Anrufen den langweiligsten Promi rauswählen können.