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"Tatort" : Die Tote vom Wolfgangsee - lohnt der Spionage-Thriller aus Wien?

Illegaler Waffenhandel, der Mord an einer Journalistin und der vermeintliche Suizid eines Politikers: Der neue "Tatort" aus Wien hat alles, was es für einen Spionage-Thriller braucht. Ein Hauch von John le Carré weht durch die österreichische Hauptstadt.

Die beiden Wiener Sonderermittler Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) am Tatort

Die beiden Wiener Sonderermittler Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) am Tatort

  • 3 von 5 Punkten
  • Ein Spionage-Thriller aus Wien, der einen wahren Kriminalfall thematisiert, am Ende aber weniger spektakulär ausfällt als gedacht

Worum geht's?

Bei einer Tauchübung im Wolfgangsee entdecken Feuerwehrleute in 40 Metern Tiefe einen PKW. Hinterm Steuer sitzt eine weibliche Leiche, um die linke Hand hat sie eine Pistole gebunden. Die Tote ist die deutsche Journalistin Sylvie Wolter. Die beiden Wiener Sonderermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) finden heraus, dass Wolter zuletzt an einer Geschichte über illegale Waffengeschäfte gearbeitet hat. Eisner und Fellner müssen nicht nur den Mord an der jungen Frau aufklären, sondern stoßen auch noch auf ein Rätsel aus der Vergangenheit: Den Tod des ehemaligen Politikers Karl Lütgendorf.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Den Fall Karl Lütgendorf hat es wirklich gegeben. Von 1971 bis 1977 war er österreichischer Verteidigungsminister. Er musste zurücktreten, weil er verdächtigt wurde, in illegale Waffengeschäfte verwickelt gewesen zu sein. Im Oktober 1981 wurde der Ex-Politiker erschossen im Wald aufgefunden. Die Umstände sind bis heute nicht geklärt. Offiziell heißt es, Lütgendorf habe Suizid begangen. Doch die Gerüchte, dass der Minister ermordet wurde, sind nie verstummt. Wenn sich Moritz Eisner und Bibi Fellner diesem Aspekt der österreichischen Kriminalgeschichte nähern, sind das die spannendsten Passagen ihres neuen Falls "Wahre Lügen".

Was stört?

Ein wenig erinnert der "Tatort" an die britische Miniserie "The Night Manager" aus dem Jahr 2016, die auf einem Buch von John le Carré basiert. Auch da ging es um illegale Waffengeschäfte, Spionage und Korruption. Allerdings lief die Serie über sechs Folgen, und genau das ist die Schwäche von "Wahre Lügen": Für 90 Minuten ist die Geschichte viel zu verworren und vollgefrachtet mit Protagonisten und deren Anliegen. Vieles wird nur angerissen, aber nicht wirklich tiefgründig erörtert. Weniger wäre hier mehr gewesen.

Die Kommissare?

Vor allem Bibi Fellner hadert mal wieder mit den Schattenseiten ihres Berufes. "Warum ziehe ich das an? Das Unglück von anderen", sagt sie in einer Szene zu ihrem Partner. Der erwidert: "Du darfst das alles nicht immer so an dich heranlassen. Du musst den Fall sehen, nicht das Schicksal." Doch die Majorin zeigt immer wieder Schwächen - und kämpft wiederholt gegen einen Rückfall in ihre Alkoholsucht. Oberstleutnant Moritz Eisner muss sich derweil anhören, dass er bald in den Ruhestand gegen könne, weil er beim Schießtraining versagt.

Ein- oder Ausschalten?

Es ist der 20. Fall für Adele Neuhauser als Majorin Bibi Fellner. Zudem feiert die Schauspielerin am 17. Januar ihren 60. Geburtstag. Ein doppelter Anlass zu feiern, den Sie mit Einschalten belohnen sollten.

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