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"Tatort"-Kritik: Fehlende Verbindung

Im "Tatort" aus Luzern geht es um Vaterschaftsrechte und das Leben nach dem Tod. Dazwischen muss ein Mord aufgeklärt werden, doch wie dem Medium im Film fehlt dem Zuschauer eine deutliche Verbindung.

Von Dominik Brück

Hätte Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) mit seinem ungewöhnlichen Ermittlungsansatz Erfolg gehabt, wäre dem Zuschauer eine ganze Stunde von einem unspektakulären "Tatort" erspart geblieben. Obwohl skeptisch, nimmt der Kommissar das Angebot eines Mediums an, Kontakt zum Opfer des neuen Mordfalls aufzunehmen. Die Verbindung zu der Toten reißt aber abrupt ab und das Ermittlerteam aus Flückiger und seiner Kollegin Liz Ritschard (Delia Mayer) ist wieder auf konventionelle Methoden angewiesen, um den Fall zu lösen. Das gestaltet sich jedoch als schwierig und ist für den Zuschauer eine sehr langweilige Angelegenheit - besonders, da die Verbindung zwischen den Überthemen Rechte von Vätern und spirituelle Praktiken mit dem Mordfall nicht immer klar ist.

Viele Personen und gesichtslose Charaktere

Der Einstieg ist klassisch: Donna Müller (Elena Bernasconi) liegt tot neben den Bahngleisen. Die Ermittlungen führen zunächst zu eben jenem Medium, das versucht Kontakt zu dem Opfer aufzunehmen, da Müller selbst spirituelle und esoterische Praktiken gelehrt hat. Bis hierher ist noch alles ganz gut nachvollziehbar. Spätestens als die drei Väter von Müllers Kindern in den Fokus der Ermittlungen geraten, wird es aber kompliziert.

Durch die vielen Personen verliert der Zuschauer leicht den Überblick über das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen den Akteuren. Zudem führen die vielen Charaktere dazu, dass jeder für sich sehr gesichtslos bleibt. Man erfährt nur wenig über die Hintergründe der Personen und die unterschiedlichen Rollen haben kaum genug Zeit sich richtig zu entfalten. Da machen auch die Kommissare keine Ausnahme: Gubser und Mayer spielen ihre Rollen zwar überzeugend, haben jedoch kaum Gelegenheit, eine Beziehung zwischen ihren Charakteren und dem Publikum aufzubauen.

Zufälliger Fahndungserfolg

Ähnlich verhält es sich mit den Ermittlungen der Fahnder. Diese pendeln immer wieder zwischen dem spirituellen Medium, den Kindern des Opfers und einem ihrer Ex-Männer, der einer radikalen Gruppierung für die Rechte von Vätern angehört, hin und her. Die langwierigen Dialoge führen aber kaum zu echten Erfolgen bei der Jagd nach dem Mörder. Kurzzeitig kommt Spannung auf, als sich das Alibi von Müllers Ex-Mann (Hans-Caspar Gattiker) als falsch herausstellt, jedoch wird auch diese kurzeitige Hoffnung darauf, dass der "Tatort" nun Fahrt aufnimmt, schnell zerstört.

Die Lösung des Falls kommt schließlich nicht durch die Arbeit der Ermittler, sondern durch eine eher zufällige Fügung. Die Tochter des Opfers (Anna Fitz) läuft weg und will sich mit Schlaftabletten das Leben nehmen. Es gelingt der Polizei aber das Mädchen rechtzeitig zu finden. Die folgende Befragung bringt schließlich ans Licht, dass die Tochter selbst ihre Mutter im Streit auf die Gleise geschubst hat. Obwohl sich die Produzenten bemüht haben, diese Szenen besonders emotional zu gestalten, bleibt der Zuschauer dem weinenden Kind gegenüber recht gleichgültig. Zu langatmig hat sich der Film bis hierhin entwickelt und zu groß ist die Distanz zwischen Publikum und Darstellern.

Langatmiger "Tatort" mit kurzer Moralkeule

Die gute Leistung der Schauspieler schafft es aber nicht mehr, diesen "Tatort" zu einer Freude für den Zuschauer zu machen. Die Verbindung zwischen den Überthemen verwirrt mehr, als dass sie wirklich zum Film passt. Anstelle die Themen aber in die Handlung einzuflechten, wird hier mit der Moralkeule erklärt, wie schwer es Väter nach einer Scheidung oft haben, Kontakt zu ihren Kindern zu erhalten. Es bleibt zu hoffen, dass die schauspielerische Leistung von Gubser und Mayer beim nächsten "Tatort" aus Luzern in einer spannenderen Geschichte besser zum Tragen kommt - und dass die Überthemen einen klar erkennbaren Bezug zum Fall haben.