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Krimi-Check: Jagd auf Kriegsverbrecher: So wird der "Tatort" aus der Schweiz

Im Schweizer "Tatort" sind die Kommissare diese Woche einem Kriegsverbrecher aus Tschetschenien auf der Spur. Der Krimi hangelt sich von Zufall zu Zufall - und wirkt dadurch stark konstruiert.

Nurali Balsiger (Joel Basman, li.) ist mit seinem verletzten Onkel (Jevgenij Sitochin) auf der Flucht.

Nurali Balsiger (Joel Basman, li.) ist mit seinem verletzten Onkel (Jevgenij Sitochin) auf der Flucht.

Worum geht's?

Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) genießt gerade ein Schäferstündchen mit seiner verheirateten Affäre im Hotel - da stürzt ein investigativer Journalist aus dem Fenster über ihm und stirbt. Schnell stellt sich raus, dass der Tote über Kriegsverbrecher aus Tschetschenien recherchierte und einem besonders dicken Fisch auf der Spur war. Ramzan Khaskhanov (Jevgenij Sitochin) soll unter falschem Namen in der Schweiz leben, und nicht nur die Polizei sucht ihn jetzt. Auch dessen junge Nichte Nura (Yelena Tronina) hat sich mit einer Pistole im Gepäck von Grosny bis in die Schweiz durchgeschlagen und will ihre tote Mutter rächen. Ihr ungleicher Zwillingsbruder Nurali (Joel Basman), der mit Frau und Kind in der Schweiz lebt, ist davon zunächst wenig begeistert.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Wer ist gut, wer ist böse? Wer lügt und wer hat Schuld? Auf all diese Fragen gibt es in Luzern keine eindeutigen Antworten. Klar wird nur: Ein Krieg holt jeden immer wieder und überall ein. Leider ist die Handlung sehr verworren, dafür glänzen die Jungschauspieler Joel Basman und Yelena Tronina, die das Zwillingspaar mit viel Anziehungskraft spielen. 

Was nervt?

Die Geschichte kommt immer wieder nur durch eine Reihe von Zufällen weiter voran, was in der Menge einfach unglaubwürdig wirkt. Auch der Rachefeldzug von Nura erscheint fragwürdig, alles kommt insgesamt zu konstruiert rüber.

Die Kommissare?

Den privaten Handlungsstrang um Kommissar Flückigers Affäre hätte man getrost weglassen können, wirkliches Interesse dafür kommt nicht auf. Immerhin konzentriert sich Kommissarin Liz Ritschard (Delia Mayer) auf den Fall - und gibt nur einmal kurz Ratschläge zu Flückigers Liebesleben.

Ein- oder Ausschalten?

Die Schweizer haben es allein wegen der Synchronisation schwer, ein richtiges "Tatort"-Gefühl aufkommen zu lassen. Die Ermittlungen wirken oft stark unglaubwürdig, dafür bringen einige Actionszenen Spannung und die Darsteller sind auch gut. Treue "Tatort"-Fans sollten einschalten, wer am Sonntag lieber "Netflix" guckt, verpasst aber nichts.