HOME

Stern Logo Tatort

Köln-"Tatort": Zu brutal für die Primetime

Das hat es in 40 "Tatort"-Jahren noch nicht gegeben: Erstmals wurde eine Folge ins Spätprogramm verbannt. Wegen einiger Gewaltszenen dürfen die Kölner Ermittler Ballauf und Schenk erst ab 22 Uhr ran.

Zum ersten Mal in 43 Jahren wird ein "Tatort"-Krimi im ARD-Programm aus Jugendschutzgründen nicht zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr gezeigt. Eine Sprecherin des Westdeutschen Rundfunks (WDR) bestätigte einen Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach die Kölner "Tatort"-Folge mit dem Titel "Franziska" erst ab 22 Uhr ausgestrahlt wird.

Zwar wurde bereits 1998 ein Berliner "Tatort" aus Qualitätsmängeln im Spätprogramm am Montag um 23 Uhr ausgestrahlt, eine Verschiebung des "Tatorts" aus Jugendschutzgründen sei aber neu, sagte eine Sprecherin der ARD.

Assistentin Franziska wird als Geisel genommen

Im neuen "Tatort" ist zum letzten Mal Franziska (Tessa Mittelstaedt) zu sehen, die blond gelockte Assistentin der Kölner Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär). Zum Abschluss steht sie im Mittelpunkt einer Entführung: Sie wird als Geisel genommen. "Es wird ein Bedrohungsszenario ... mit großer Spannung aufgebaut, das äußerst nahegehend und intensiv inszeniert ist", sagte die WDR-Sprecherin. Redaktion und der Jugendschutzbeauftragte des Senders haben deshalb entschieden, den Film erst später zu zeigen.

Premiere feiert der Film auf dem Kölner Film- und Fernsehfestival "Cologne Conference" Ende September. Für Fernsehzuschauer wird der Film voraussichtlich im Dezember in der ARD zu sehen sein. Ursprünglich war die Ausstrahlung für Juni dieses Jahres geplant.

Zuletzt wurde 2011 ein anderer ARD-Krimi aus Jugendschutzgründen verschoben: Gleich die zweite Folge des Münchner "Polizeirufs 110" mit Matthias Brandt in der Hauptrolle lief wegen eines dargestellten Selbstmordattentats an einem Freitagabend. Durch den ungewöhnlichen Sendeplatz blieb der Zuschauerzuspruch recht mau.

Das beantwortete immerhin die Frage, ob es sich bei der Verschiebung in den späten Abend um einen PR-Gag handeln könnte. Abgesehen davon, dass der "Tatort" auch so schon genug Aufmerksamkeit bekommt: Es lohnt sich nicht. Am späten Abend holt der Krimi nie die 8-10 Millionen Zuschauer, die er sonst hat.

che/DPA / DPA
Themen in diesem Artikel