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Thomas Gottschalk: Wetten, dass er ewig bleibt?

Eigentlich eine ganz normale Ausgabe von "Wetten, dass..?": Lächelnde Promis, sinnfreie Zoten und große Gefühle. Doch dann verkündete Thomas Gottschalk seinen Abschied von "Wetten, dass..?".

Von Björn Erichsen

Der Abspann lief bereits, als Thomas Gottschalk die Bombe platzen ließ: "Irgendwann ist die Zeit, Abschied zu nehmen", sagte der Entertainer in der Jubiläumsshow von "Wetten, dass...?" aus Halle an der Saale. Die Zuschauer sollten nicht traurig sein, aber die Show werde jetzt 25 Jahre ausgestrahlt. Das sei ein guter Zeitpunkt für einen jüngeren Moderator.

Raunen im Saal, beim ZDF liefen die Telefone heiß. Die Nation im Schockzustand. "Wetten, dass...?" ohne Thomas Gottschalk? Für viele Deutsche so undenkbar wie vor einiger Zeit die Wahl einer Bundeskanzlerin. Allerdings ist Gottschalk der Mensch für einen leisen Abgang. Das Dementi kam prompt. "Es war ein Aprilscherz, definitiv", sagte ZDF-Sprecher Peter Gruhne, "um Gottes Willen, nicht Ernst nehmen"

Gottschalk lässt sich nicht die Show stehlen

Das ist bei "Wetten, dass..?" ohnehin nur bedingt zu empfehlen. Dafür garantiert Gottschalk seit fast 20 Jahren höchstpersönlich. In Halle hetzte er gewohnt zotig durch die fast drei Stunden lange Sendung. Mit dem langen Blonden auf der Couch zur seichten Plauderei versammelt: Michelle Hunziker, die Schauspieler Suzanne von Borsody, Armin Rohde und Wolfgang Stumph sowie Nationalmannschafts-Teamchef Oliver Bierhoff. Auch Mega-Star Tom Cruise schaute kurz vorbei, verließ aber nach verlorener Wette und obskurer Verfolgungsjagd - Cruise auf einem Motorrad, Gottschalk auf einem Mini-Dreirad hinterher- schnell wieder die Halle, um seiner schwangeren Verlobten Katie Holmes beizustehen.

In der ansonsten spannungsfreien Zone (Tom Cruise: "Ja, ich drehe meine Stunts selbst"; Oliver Bierhoff: "Nein, in der Torwartfrage gibt es noch keine Entscheidung") der ZDF-Samstagsabendunterhaltung tat sich einzig Oscar-Preisträger Roberto Benigni mit großen Emotionen hervor. "Wir können uns alle lieben" rief er aus und knuddelte die gesamte Couchbesetzung ordentlich durch. Gottschalk, sichtlich genervt vom furiosen Auftritt des Italieners, konterte mit italienischen Sprach-Duktus und wilden Gesten. Der Platzhirsch machte deutlich, dass er sich die Show nicht stehlen lassen würde und war schlichtweg lauter als der verdutzte Benigni.

Sand schlägt Hochseil

Gefühlsecht und erstaunlich aktuell die Wette von zwei Schülerinnen, die ihre Klassenkameraden per Kussabdruck identifizieren konnten. Sie bewiesen damit: Nicht an jeder Schule der Republik erkennen sich die meisten Mitschüler nur an der Härte ihres Faustschlages. Die sonstigen Wetten eher auf mäßigem Niveau: Ein entblößter Kölner Sportstudent kleidet sich auf einem Hochseil an, ein Pforzheimer Kellner beschießt Stuttgarts Ersatztorwart Dirk Heinen mit einem Tischfußball vom Elfmeterpunkt, einem Dortmunder Friseur gelingt ein dreiminütiger Fahrrad-Balanceakt an einer 27-prozentigen Steigung. Wettkönig wurde daher folgerichtig mit großem Abstand ein weit gereister Mann aus Denkendorf der vier von 250 verschiedenen Sandsorten unterscheiden konnte.

Ihm Showprogramm gaben sich der kolumbianische Frauenschwarm Juanes, die japanischen Trommler Yamato und Sopranistin Jessey Norman die Ehre. Die Softrocker von "Toto", ähnlich lange wie Gottschalk im Geschäft, mussten sich mit einem Medley ihrer berühmtesten Hits in Erinnerung bringen, um ihren neuen Hit "Bottom Of Your Soul"" vorstellen zu dürfen. Das Gefühlsbarometer der versammelten Teenies zum Anschlag brachten die Magdeburger Shooting-Stars Tokio-Hotel, die ihren Hit "Rette mich" intonierten.

Keine Atempause für Thommy und die Zuschauer

Nur einmal wurde es ernst an diesem Abend in Halle: Karl-Heinz Böhm präsentierte seine 1981 bei der ersten "Wetten, dass...?"-Sendung ins Leben gerufene Aktion "Menschen für Menschen", die in 25 Jahren 273 Millionen Euro für die Ärmsten der Welt zusammengetragen hat.

Doch "Wetten, dass...?" wäre nicht seit einem Vierteljahrhundert Quotengarant, wenn es die Zuschauer mit derlei ernstem Gedankengut in die Samstagnacht entlassen würde. Für die Stadtwette präsentierten sich 43 schwitzende Stadträte aus Halle nur mit Handtuch bekleidet in einem zur Sauna umgebauten Straßenbahnwagen. Da ebenfalls eine Finnin gefunden wurde, die für den nötigen Aufguss sorgte, hatte Halle die Wette gewonnen und Gottschalk muss zur Strafe einen Fußballplatz kreiden.

Normalerweise hat der Zuschauer mehr als einen Monat Zeit, sich von dem emotionalen Trommelfeuer einer "Wetten, dass..?"-Sendung zu erholen. Doch diesmal gönnt das ZDF keine Atempause. Am Mittwoch wird das 25. Jubiläum von "Wetten, dass...?" in einer großen Sondersendung gebührend gefeiert. Ihr Moderator ist, na raten sie mal, Thomas Gottschalk. Bei über 13,48 Millionen Zuschauer und einem Marktanteil von 43,8 Prozent wie am Samstagabend wohl auch noch für lange Zeit. Wetten?

  • Björn Erichsen