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Tops und Flops bei "Wetten, dass..?": Der gute und der schlechte Lanz

Das Schlimmste hat er hinter sich: Markus Lanz hat ein solides "Wetten, dass..?"-Debüt hingelegt. Nun geht's ins Detail: Was ging daneben, was hat überzeugt? Die Tiefpunkte und Lichtblicke der Show.

Das ZDF hatte den Gottschalk-Nachfolger schon am frühen Samstagabend in einer Sondersendung gefeiert wie einen Erlöser. Es wurde der Eindruck vermittelt, als würde sich um 20.15 Uhr der Himmel auftun, und Markus Lanz würde auf die Erde herabsinken, um den Menschen nie dagewesene Unterhaltung zu schenken. Am Tag danach lässt sich sagen: Markus Lanz hat sich in seiner ersten Ausgabe von "Wetten, dass..?" gut geschlagen. Die Show endete nicht in einem Debakel. Lanz legte einen soliden Auftritt hin, jedoch das große Spektakel und Innovationen blieben aus. "Darüber wird zu reden sein", war eine von vielen Lieblingsfloskeln von Markus Lanz am Samstagabend. Auch über seine Tief- und Höhepunkt wird zu reden sein:

Tops

- Sein Auftritt: Markus Lanz zeigte keine Angst. Er war sehr bemüht, einen guten Gastgeber abzugeben. Die Anspannung war ihm anzusehen, jedoch wurde er im Laufe des Abends immer lockerer. Wenn man bedenkt, welcher Druck auf dem Gottschalk-Nachfolger lastete, muss man vor dem souveränen Auftritt des Neuen den Hut ziehen.

- Die Gäste: Modezar Karl Lagerfeld war schon zu Gottschalks Zeiten ein Garant für deftige Sprüche und beste Unterhaltung. Eine Show mit ihm ist immer ein Selbstläufer - wenn er denn zu Wort kommt. Auch Wotan Wilke Möhring überraschte als Moderationstalent und war an vielen Stellen witziger als der Gastgeber.

- Die Stadtwette in Düsseldorf: "Tote Hosen"-Sänger Campino trommelte 500 Freiwillige zusammen, die halbnackt und angemalt das Vereinslogo von Fortuna Düsseldorf nachbildeten. Das war hübsch anzusehen und originell.

- Lanz' Durchhaltevermögen: Drei Stunden Unterhaltung für die Massen - das kostet Kraft. Lanz zeigte sich top in Form, nicht nur bei der Challenge, in der er eine Bierkiste stemmte. Sein Lächeln war in Beton gegossen, die Ärmel hochgekrempelt.

- Die Vorbereitung: Markus Lanz war - anders als Gottschalk - bestens vorbereitet, auf die Wetten, auf seine Gäste. Kaum ein Detail aus dem Leben von Lagerfeld und Co., das ihm seine Redaktion nicht auf seine Moderationskärtchen geschrieben hatte. So zeigte er zwar Gastgeberqualitäten, seine Perfektion stellte ihm jedoch auch eine Falle (siehe Flops).

Flops

- Der Moderationsstil: Markus Lanz ist ein Perfektionist, war bestens vorbereitet. Doch das war auch das Problem: Die Show wirkte wie eine Samstagabendausgabe seiner Talkshow - nur mit Showtreppe. Bei den Wikipedia-Fakten, die er von seinen Kärtchen ablas, wollte kein Gespräch so richtig in Fahrt kommen.

- Sein Humor: Das Problem ist, das Markus Lanz nicht witzig ist. Kostprobe: Sein Gespräch mit einer Frau im Parkhaus. "Wetten, dass das ein Frauenparkplatz ist?" - "Wetten, dass ich das nicht gesehen habe?" - "Wetten, dass mir das scheißegal ist?". Gelacht hat keiner.

- Das Durcheinander: Stellenweise blickte man nicht mehr durch am Samstagabend. Auf der Couch saßen so viele Gäste, dass einige kaum zu Wort kamen. Es gab ein Durcheinander bei den Wetten und im Ablauf, so dass selbst der ehrgeizige Lanz durcheinander kam.

- Die Tonprobleme: Mal hörte man gar nichts, dann nur einen lauten Piepton. Die Eurovision-Fanfare wurde zu Beginn doppelt eingespielt. Dass das ZDF gerade bei diesem groß angekündigten "TV-Ereignis des Jahres" die Technik nicht im Griff hatte, war bitter.

- Cindy aus Marzahn: Auf RTL mag sie mit ihrer eigenen Show ihr Publikum finden. Warum das ZDF bei "Wetten, dass..?" immer wieder auf die Comedy-Frau setzt, erschloss sich auch am Samstagabend nicht. Es bleibt zu hoffen, dass das nicht zur Regel wird.

- Die Nachhaltigkeit: Die Show war solide gemacht, es fehlten jedoch die großen Höhepunkte. Wenn man noch am Montag im Büro über "Wetten, dass..?" reden soll, muss Lanz sich auf Dauer mehr einfallen lassen, als eine Sylvie van der Vaart auf dem Fahrrad.

- Aufgewärmte Wetten: Der Österreicher Johann Redl, der auf dem Traktor Slalom fuhr, war schon häufiger Wettkandidat bei "Wetten, dass..?". Überhaupt wirkten die Wetten wie aus dem Archiv von Gottschalk.

Fazit

Schlechter als Thomas Gottschalk war Markus Lanz nicht. Was fehlt, sind jedoch die Höhepunkte. Bisschen weniger Strebsamkeit und etwas mehr Leichtigkeit wäre der Show und ihrem ehrgeizigen Gastgeber zu wünschen. Viel mehr hatte Gottschalk auch nicht zu bieten - und hat den Job trotzdem 25 Jahre lang gemacht.

kmi